Shanghai-Reise

HHLA-Wunsch: Chinas Seidenstraße soll in Hamburg enden

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HHLA-Chefin Angela Titzrath

HHLA-Chefin Angela Titzrath

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Delegationsreise nach China und Japan: HHLA-Chefin wirbt für Hamburg statt Duisburg als Endpunkt der neuen Seidenstraße.

Shanghai. „Burg der Chinesen“, Han Bao, so heißt Hamburg in China. Han Baos Burg in der dynamischen Hafenstadt, das Hamburg House, liegt unweit der City auf dem ehemaligen Expo-Gelände. Im benachbarten Shanghai Design Zentrum fand am Montag das dritte Wirtschaftsforum der beiden Städte statt. „Ein wichtiger Teil unserer Städtepartnerschaft sind Konferenzen wie diese, um im Gespräch zu bleiben und gemeinsam Ideen für die Zukunft zu entwickeln“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in seinem Grußwort.

Die Themen des Wirtschaftsforums, Künstliche Intelligenz und moderne Mobilität, sind von besonderer Bedeutung für die Städte. Angela Titzrath, Vorstandschefin der HHLA, erinnerte in ihre Rede an die lange Freundschaft der beiden Metropolen, zitierte Konfuzius und schlug die Brücke gekonnt in Gegenwart und Zukunft.

"Der Löwe China verändert die Welt"

Sie erinnerte an den alten Satz von Napoleon über den schlafenden Löwen China und seinen dringenden Rat, ihn schlafen zu lassen. „Der Löwe ist längst erwacht und verändert die Welt“, sagte Titzrath. Wie er die Welt verändert, ist nicht nur am rasanten Wandel Shanghais zur Weltmetropole abzulesen: Zum Wachstum der Weltwirtschaft trägt allein China ein knappes Drittel bei.

Ausdrücklich lobte die Managerin, die früher selbst für Mercedes in China tätig war, das große Investitionsprogramm der „Neuen Seidenstraße“. Damit greift das Reich der Mitte weit nach Westen aus und versucht, einen Wirtschaftsraum mit Afrika, Europa und den Nahen und Mittleren Osten zu gestalten. Es geht um neue Märkte für chinesische Firmen, um neue Kunden für die chinesische Überproduktion, aber auch um Einflusssphären – und wie Kritiker fürchten – um neue Abhängigkeiten.

Die Seidenstraße führt in beide Richtungen

„China liegt nicht länger weit entfernt im Fernen Osten, sondern steht auf der Schwelle zu Europa“, sagte Titzrath und ging auf die in Europa weit verbreiteten Befürchtungen ein. Das Image Chinas im Westen bewege sich zwischen „Faszination und Angst“, manche Berichte suggerierten eine Invasion der Chinesen. Ausdrücklich warb sie um mehr Mut und Aufbruchsgeist: „Die Seidenstraße ist nicht allein ein chinesische Projekt, sondern bietet für alle Unternehmen große Chancen.“

Europa sollte das Beste daraus machen und wie ein Unternehmer den Prozess gestalten: „Wir sollten Teil der neuen Seidenstraße sein. Die Seidenstraße ist keine Einbahnstraße – sondern führt in beide Richtungen, ob auf dem Wasser, der Schiene oder der Straße.“

Hyperloop im Hamburger Hafen

Bislang versteht sich Duisburg mit seinem Binnenhafen als ein möglicher deutscher Zielpunkt der Seidenstraße. „Die Seidenstraße sollte nicht in Duisburg, sondern in Hamburg enden“, sagte Titzrath. Hamburg sei das Tor zur Welt und Chinas wichtigster Hafen in Deutschland. Ausdrücklich warb sie für die Leistungsfähigkeit des Hamburger Hafens und stellte seine Modernität in den Mittelpunkt. Zum Weltkongress ITS will die HHLA im Oktober 2021 erste Ergebnisse des revolutionären Transportsystems Hyperloop präsentierten.

Zugleich verwies die Managerin auf die gute Anbindung. Gerade die Hinterland-Verkehre waren für Hamburg stets von besonderer Bedeutung: „Wir sind der Hafen von Budapest, Prag, München und Wien.“

Die Hafenchefin und die goldene Regel

Genau hier sehen Kritiker durchaus eine strategische Gefahr für die Stellung des Hamburger Hafens. Im griechischen Piräus hat China den Hafen übernommen, der zum Drehkreuz im Mittelmeerhandel ausgebaut werden soll; zudem engagiert sich das Land verstärkt auf dem Balkan. Mit größeren europäischen Infrastrukturprojekten – wie etwa dem Anschluss des Hafens in Koper (Slowenien) – liegen die osteuropäischen Städte möglicherweise bald im Hinterland der Mittelmeerhäfen.

Der eskalierende Wirtschaftskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China stand als Thema im Raum, ohne direkt angesprochen zu werden. Titzrath verwies auf die Goldene Regel von Konfuzius, wonach man den Anderen nicht so behandeln solle, wie man selbst nicht behandelt werden möchte.

60 Prozent des Umschlags kommt aus Asien

Die Wirtschaftsbehörde von Shanghai hatte den Stellvertreter Chao Yang geschickt. Er sagte, die Handelsstreitigkeiten könnten zugleich ein Startschuss für den weiteren Ausbau der Beziehungen zwischen Shanghai und Hamburg sein. Tatsächlich dürften die Chinesen versuchen, Handelseinbußen durch Zugewinne in Europa zu minimieren - Hamburg könnte davon durchaus profitieren. 60 Prozent des Umschlags im Hamburger Hafen kommen aus Asien; für Deutschland ist China inzwischen der wichtigste Handelspartner, für China ist die Bundesrepublik Nummer 1 in Europa.

Damit dies auch in Zukunft so bleibt, besuchte der Bürgermeister im Anschluss an das Wirtschaftsforum die Unternehmenszentrale der Reederei Cosco Shipping Lines. Die Gespräche fanden in guter Atmosphäre statt, Cosco betrachtet den Hamburger Hafen als strategischen Partner. Am Abend lud der Senat ins Fairmont Peace Hotel zu einem Empfang mit 300 Gästen für Unternehmen, Verbände, Forschungseinrichtungen sowie Institutionen und Partner der Städtepartnerschaft.

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