Hamburg

Hamburg und Rotterdam wollen „klimaneutrale“ Häfen

Die Fraktionschefs Anjes Tjarks (l., Grüne) und Dirk Kienscherf (SPD) an den Landungsbrücken in Hamburg.

Die Fraktionschefs Anjes Tjarks (l., Grüne) und Dirk Kienscherf (SPD) an den Landungsbrücken in Hamburg.

Foto: Andreas Dey

SPD und Grüne einigen sich mit der Konkurrenz aus Holland auf einen gemeinsamen Vorstoß für Reduzierung von Schiffsemissionen.

Hamburg. Der Hamburger Hafen ist nicht nur die Wirtschaftsader der Stadt, er ist auch einer der größten Luftverschmutzer der Region. Ähnlich sieht es in vielen anderen großen Hafenstädten aus. SPD und Grüne in der Bürgerschaft wollen das Problem nun mit einem ungewöhnlichen Vorstoß anpacken: Sie haben die Konkurrenz mit ins Boot geholt und wollen gemeinsam mit Rotterdam, dem größten Hafen Europas, Regeln für „klimaneutrale“ Häfen“ aufstellen.

Dafür bringen die rot-grüne Regierungskoalition in Hamburg (dem drittgrößten Hafen in der EU) und der Gemeinderat von Rotterdam gleichlautende Anträge zur Reduktion von Treibhausgasen und Luftschadstoffen ein. Dabei geht es insbesondere um Kohlendioxid (CO2), Stickstoffoxid (NOx), Schwefeldioxid (sO2) und Feinstaub. Die jeweiligen Hafenbehörden werden damit aufgefordert, auf Grundlage des Welthäfen-Klimaschutzprogrammes ein Abkommen zur Emissionsfreiheit an Liegeplätzen zu schließen. In einem nächsten Schritt sollen europaweit verbindliche Maßnahmen zur Reduktion von Schiffsemissionen eingeführt werden.

Ziel: Alle großen Häfen an der Nordsee mitziehen

„Wir wollen, dass der Hamburger Hafen klimaneutral wird“, sagte dazu Anjes Tjarks, Vorsitzender der Grünen Bürgerschaftsfraktion. „Dazu müssen wir die CO2-Emissionen aller Containerschiffe während ihrer Liegezeit mittelfristig auf null reduzieren. Damit wir dieses Ziel auch tatsächlich erreichen, wollen wir das gemeinsam mit den anderen Häfen der Nordrange umsetzen.“ Dazu zählen außer Hamburg und Rotterdam etwa auch Antwerpen, Bremen/Bremerhaven und Le Havre – über diese Häfen wird rund 80 Prozent des europäischen Im- und Exports abgewickelt.

Zu dem Zweck war Tjarks im April für Gespräche nach Rotterdam gereist. „Und ich durfte feststellen, dass Hamburgs größter Konkurrenzhafen auch unser stärkster Verbündeter in ökologischen Fragen sein kann.“ Er gehe davon aus, dass der Schulterschluss mit Rotterdam gelingen wird: „Gerade dadurch, dass die Häfen voranschreiten, die etwa 50 Prozent des Ladungsvolumens der Nordrange ausmachen, kann ein Prozess zustande kommen, der tatsächlich zu einem weitreichenden Umdenken führen kann“, so Tjarks. „Für uns ist das ein wichtiger Meilenstein hin zu einem klimaneutralen Hafen.“

Welche Maßnahmen konkret nötig sind, ist offen

Auch SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf hob die Zusammenarbeit mit Rotterdam hervor: „Das gemeinsame Ziel ist klar: Wir wollen der Motor für eine gute ökonomische und ökologische Entwicklung der europäischen Häfen sein.“ Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) habe nicht umsonst den großen Stellenwert des Klimaschutzes für Hamburg hervorgehoben: „Was für die Stadt gilt, gilt auch für den Hafen“, so Kienscherf. „Gemeinsam mit anderen europäischen Metropolen und Hafenstädten wollen wir jetzt neue Rahmenbedingungen für die moderne Schifffahrt schaffen.“

Grundsätzlich sei man zwar „technologieoffen“ was die Erreichung der Ziele angehe, sagten Tjarks und Kienscherf. Aber es sei klar, dass Landstrom eine wesentliche Rolle spielen werde, um die Emissionen von im Hafen liegenden Schiffen zu reduzieren.