Gericht

Juwelier ausgeraubt: Richterin rügt Justizbeamten scharf

Der Verdächtige blickte direkt in eine Kamera. Weil die Fahndung beendet ist, wurde er von unserer Redaktion auf dem Bild verpixelt.

Der Verdächtige blickte direkt in eine Kamera. Weil die Fahndung beendet ist, wurde er von unserer Redaktion auf dem Bild verpixelt.

Foto: Polizei Hamburg

JVA-Mitarbeiter begeht spektakulären Raub in Eppendorf. Jetzt wurde er zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Motiv rätselhaft.

Hamburg. Vor Gericht steht der Ex-Marinesoldat im Tank-Top, darauf zu lesen der Schriftzug „Hate & Kill („Hasse und töte“). Erneut lässt einen der Auftritt des angeklagten Muskelmannes ratlos zurück: Wieso macht der das? Will er das Gericht einschüchtern, will er provozieren? Sollte das sein Ziel gewesen sein, scheitert er damit bei der Vorsitzenden Richterin Ulrike Schönfelder krachend – sie liest ihm gehörig die Leviten.

Dennis M., von der Schulter bis zum Handrücken tätowiert, unter anderem mit der Teufelszahl 666, sitzt gestern als Angeklagter dort, wo er als Justizvollzugsbeamter in dienstlicher Funktion jahrelang saß: im Gerichtssaal. Der 37-Jährige ist geschulter Nahkämpfer und nach eigenen Angaben in der Lage, einen Menschen mit seinen Händen binnen zwei Sekunden zu töten.

Juwelier überfallen

Dennis M. hatte nach zehn Jahren bei der Bundeswehr sein Leben als „Hochrisikomensch“, so Schönfelder, 2015 gegen den sicheren und gar nicht schlecht bezahlten Job in der Hamburger Justiz getauscht. Vielleicht sei das mit ein Grund dafür gewesen, warum er am 28. Februar dieses Jahres ein Juweliergeschäft in Eppendorf überfiel, dabei zwei Angestellten Pfefferspray ohne Vorwarnung ins Gesicht sprühte und mit vier hochwertigen Uhren im Wert von 14.700 Euro flüchtete.

Vielleicht habe er nur den „Thrill“ gesucht, so Schönfelder. Ein echtes Motiv sei jedenfalls nicht erkennbar. Am Donnerstag hat das Landgericht den teilgeständigen Mann wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Strafkammer erkannte auf einen minderschweren Fall, blieb aber im oberen Strafbereich.

In Kamera geschaut

Das persönliche Urteil der Richterin fiel indes vernichtend aus. Der Angeklagte überschätze sich maßlos, er sei großspurig aufgetreten, bereue seine Tat nicht aufrichtig und halte sich für fehlerlos. Dabei habe er bei dem Überfall einen kapitalen Fehler begangen, indem er nur einen winzigen Moment direkt in die Überwachungskamera guckte – mit diesem Schnappschuss machte die Polizei dann öffentlich Jagd auf den Mann. Kollegen aus der Justiz erkannten ihn, einen Monat nach der Tat wurde Dennis M. in Neumünster verhaftet – die vier Luxus-Uhren hatte er nicht versetzt.

Seine Version, er habe bei dem Überfall einen „Blackout“ gehabt, kaufte ihm das Gericht nicht ab. Gerade weil er finanziell gut abgesichert war, sei die Tat unverständlich, ja sogar „irre“, so Schönfelder. Und mit der Raubtat habe er seine bürgerliche Existenz ruiniert. Sie hoffe, dass er seinen Job für immer los sei: „Sie haben nichts im Justizdienst verloren.“