Seid nett zueinander

Am Eppendorfer Gymnasium macht Höflichkeit Schule

Die Leiterin des Gymnasiums Eppendorf, Maike Languth, legt bei ihrer fünften Klasse Wert auf Höflichkeit.

Die Leiterin des Gymnasiums Eppendorf, Maike Languth, legt bei ihrer fünften Klasse Wert auf Höflichkeit.

Foto: Michael Rauhe / Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Maike Languth legt als Schulleiterin großen Wert darauf, dass die Kinder nett zueinander sind. Manche Eltern sehen das anders.

Hamburg. Am Gymnasium Eppendorf wird auf gutes Benehmen großer Wert gelegt – von Schülerinnen und Schülern wird beispielsweise erwartet, dass sie grüßen und anderen die Eingangstür aufhalten. Als Maike Languth vor acht Jahren ihre Stelle als Schulleiterin dort antrat, war ihr wichtig, das zu thematisieren, denn „die Menschen sind unaufmerksamer miteinander geworden, jeder lebt in seiner Welt“, sagt die Pädagogin. Gemeinsam mit dem Kollegium habe sie sich des Themas angenommen, erfolgreich, wie sie feststellt: „Die Atmosphäre hat sich sehr positiv entwickelt.“

Der Umgang miteinander stand auch im Mittelpunkt von Languths Rede bei der Einschulung der neuen Fünftklässler in der vergangenen Woche. „Mir ist in den Ferien die Aktion des Hamburger Abendblatts in die Hände gefallen“, sagt sie. „Seid nett zueinander – nett, was heißt das eigentlich?“

Kinder werden einbezogen

Maike Languth nannte den neuen Schülern ein paar Beispiele, bei denen die Schülerinnen und Schüler durch Daumen hoch oder runter kundtun sollten, wie sie eine Situation beurteilen. Hier ein paar Beispiele: „Morgens kommst du in die Schule und grüßt jeden, der dir begegnet, freundlich.“ Daumen hoch! Oder: „Ein Kind auf Krücken möchte durch die Tür gehen, du überholst und lässt die Tür zufallen.“ Daumen runter! Oder: „Du stehst in der Mensa, und dem Kind vor dir fällt das Tablett herunter, du lachst und drängelst dich vor.“ Daumen runter! Es sei ihr wichtig gewesen, die Kinder direkt einzubeziehen, sagt Frau Languth.

Zum freundlicheren Umgang tragen nach Ansicht der Schulleiterin auch die Klassenregeln bei, die vielleicht banal klingen, aber vielen Kindern trotzdem vor Augen geführt werden müssten. Darin heißt es beispielsweise: „Wir erscheinen pünktlich im Unterricht. Wenn die Klingel ertönt, sind wir leise und schauen zum Lehrer. Wir erledigen unsere Hausaufgaben sorgfältig und regelmäßig. Wir sind höflich zueinander. Wir schließen niemanden aus. Wir verletzen niemanden – auch nicht mit Worten! Wir hören zu, wenn ein anderer redet. Wir essen und trinken nicht während des Unterrichts.“

Manche Eltern sind schwierig

„Ich bin der Meinung, dass wir uns mit aller Kraft im Alltag für gutes Benehmen einsetzen sollten und dafür immer wieder sensibilisieren müssen“, sagt Maike Languth. Auch wenn es natürlich unbequemer sei, sich einzumischen und im täglichen Miteinander Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Engagement aktiv einzufordern, sei dies besser, als die Dinge einfach laufen zu lassen.

Die meisten Eltern teilten diese Einstellung, sagt die Pädagogin, doch mit manchen sei der Umgang schwierig. „Man kann es nicht verallgemeinern, aber es gibt etwa zehn bis 15 Prozent der Eltern, die die Werte der Schule nicht mittragen. Da haben wir dann wenig Chancen, bei ihren Kindern etwas zu erreichen.“ Die Pädagogin sieht bei vielen Eltern auch eine gewisse „Erziehungsschwäche“, wie sie es nennt. „Das Kind als unantastbarer Goldschatz führt dazu, dass das Kind keine Selbstverantwortung mehr übernimmt. Sie stellen sich Konflikten nicht.“

Eine Lehrerin wünscht sich einen „Eltern-Knigge“

Manche Lehrer wünschen sich auch mehr Wertschätzung vonseiten der Eltern. Eine Grundschullehrerin sagte dem Abendblatt: „Einmal musste sich ein Kind in der Klasse übergeben. Ich habe den Teppich, das Kind, den Tisch und das Waschbecken gesäubert. Die Mutter hat sich beim Abholen des Kindes nicht bedankt, und wirklich unangenehm war es ihr auch nicht. Ich hätte ein kleines Dankeschön spätestens am nächsten Tag erwartet. Schokolade geht ja immer.“

Eine Lehrerin, die gerade fünf Tage auf Klassenreise war, hat ihren Schülerinnen und Schülern am Tag vor der Rückreise gesagt, sie erwarte, dass diese sich am Bahnhof per Handschlag von ihr verabschieden. Immerhin hätten sie fünf tolle Tage erlebt und viel Spaß miteinander gehabt. „Die Kinder können das besser als die Eltern. Ich habe es auch schon erlebt, dass die dann einfach weggegangen sind. Das ist wirklich enttäuschend.“ Sie habe während so einer Klassenfahrt 24-Stunden-Dienste mit wenig Schlaf, kranken Kindern, anderen, die an Heimweh leiden, permanent Lautstärke, dazu müsse sie 24 Koffer ins Gepäcknetz hieven und wieder runter. Eltern könnten sich das vielleicht zwar vorstellen, „aber sagen tun sie es dann teilweise nicht. Die Erwartungshaltung der Eltern ist ziemlich hoch“. Ihrer Ansicht nach müsste es einen „Knigge“ für Eltern geben – nicht nur für die Klassenreise, sondern grundsätzlich.

Respektvoller Ton an den Schulen

Die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze sagt, im Allgemeinen herrsche ein respektvoller Ton an Hamburgs Schulen. „Es gibt natürlich immer mal Konflikte, auch weil wir sehr heterogene Gruppen haben, aber die Schulen können das meist sehr gut regeln.“

Die GEW habe jedenfalls keine Rückmeldungen, dass sich der Umgang zwischen Lehrern, Schülern und Eltern signifikant verschlechtert habe. „Dadurch, dass viele Eltern sehr leistungsorientiert sind und nicht alle Kinder diesen Erwartungen entsprechen, gibt es sicher Vorfälle, wo sich mal jemand im Ton vergreift, im Gespräch lässt sich aber vieles klären.“ Meist herrsche ein gutes Miteinander.

Wichtig sei, dass die Schulbauten räumlich dafür ausgelegt seien, dass Schülerinnen und Schüler immer mehr Zeit in der Schule verbringen.