Immobilien

Baubranche: Nicht nur verdichten – Hamburg muss wachsen

Experten fordern, dass in
Oberbillwerder,
Hamburgs 105.
Stadtteil,
bezahlbarer
Wohnraum
entstehen
müsse, in dem
modular und
seriell gebaut
werden könne.

Experten fordern, dass in Oberbillwerder, Hamburgs 105. Stadtteil, bezahlbarer Wohnraum entstehen müsse, in dem modular und seriell gebaut werden könne.

Foto: IBA

Zwei spannende Themen: Wohnen und Mobilität. Doch wie passt beides zusammen? Eine Tagung in Hamburg hat nach Antworten gesucht.

Hamburg.  Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat bei der Immobilienwirtschaft für die Bebauung der Hamburger Magistralen geworben. Die Verkehrsadern aus den Außenbezirken in die Stadt könnten viel intensiver genutzt werden, weil es dort schon öffentliche Nahverkehrsangebote für potenzielle neue Anwohner gebe, sagte Tschentscher vor rund 200 Teilnehmern einer Tagung des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA) in der Region Nord zum Thema „Immobilienwirtschaft, Mobilität und Du: Herausforderungen, Synergien, Geschäftsmodelle“.

Solche Hauptverkehrsstraßen führen zum Beispiel von Rissen zum Holstenplatz oder von Bergedorf zu den Deichtorhallen. Entlang dieser Magistralen werde es stadtauswärts in der Bebauung niedriger und freier, sodass Fläche zur Nachverdichtung vorhanden sei, erläuterte der SPD-Politiker. Voraussetzung hierfür sei aber, dass der fließende Verkehr leiser und weniger schadstoffbelastend werde. „Allein mit Verdichtung werden wir nicht auskommen“, mahnte ZIA-Präsident Andreas Mattner. Die Stadt müsse auch erweitert werden, beispielsweise durch neue Stadtteile wie das geplante Oberbillwerder.

Bezahlbarer Wohnraum

Der ZIA sieht sich als Interessenvertretung der Immobilienwirtschaft. Solche Quartiere sollten dann stärker in ihrer Mobilität an den Bedürfnissen der Bewohner ausgerichtet werden, forderte Mattner, Geschäftsführer bei der Hamburger ECE Projektmanagement GmbH, führender Betreiber von Einkaufszen­tren. Zum einen schlug das frühere Bürgerschaftsmitglied vor, in Oberbillwerder eine Trasse für autonomes Fahren mitzudenken. Zum anderen müsse dort bezahlbarer Wohnraum entstehen, in dem modular und seriell gebaut werden könne. Nur so seien Quadratmeterpreise von 10 bis 11 Euro realistisch.

Der rot-grüne Senat plant, auf einem 124 Hektar umfassenden Gebiet westlich von Bergedorf und nördlich der S-Bahn-Station Allermöhe bis 2040 den 105. Hamburger Stadtteil mit 7000 Wohnungen für 15.000 Menschen entstehen zu lassen. In der Immobilienwirtschaft sieht der Bürgermeister einen wichtigen Partner, „damit nachhaltige Mobilität schon an der eigenen Haustür beginnt“.

Modellprojekt „Elbe“

Deshalb warb der Geschäftsführer vom Projektdienstleister Hysolutions, Peter Lindlahr, für mehr Elektro-Ladeinfrastruktur in privaten Gebäuden. „Die Ausbaustrategie an der Straße ist endlich.“ Bis Jahresende will Hamburg über 1000 E-Ladepunkte im öffentlichen Raum verfügen und ist damit deutschlandweit Vorreiter. Die Grundversorgung müsse aber eigentlich zu Hause oder beim Arbeitsplatz erfolgen, meinte Lindlahr. Die Zahl der Ladevorgänge von derzeit jährlich rund 200.000 dürfte sich seinen Angaben zufolge bis 2023 auf eine Million erhöhen.

Der Manager erwartet, dass 2030 in Hamburg 37 Prozent der Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden. Die Verkehrsbehörde hatte Ende Februar das Modellprojekt „Elbe“ mit einer Förderung von 21 Millionen Euro für bis zu 7400 weitere Elektroladestationen in Wohn- und Gewerbegebäuden, auf Betriebsgeländen und in Parkhäusern gestartet. „Wir haben einen Sack voll Geld“, animierte Lindlahr die Immobilienwirtschaft zum Mitmachen.

Neue Mobilitätssysteme

Für den Verkehrswissenschaftler Thomas Sauter-Servaes wird es künftig vor allem neue Mobilitätssysteme geben. Diesbezüglich mahnte er bei der Politik eine harte Regulierung an, andernfalls werde es nicht zu lebenswerten Städten kommen. Hierfür hat Bürgermeister Tschentscher zumindest eine Vision: „Der moderne Großstadtmensch ist einer, der von einer Mobilität zur anderen surft.“ Und möglichst auf sein eigenes Auto verzichtet, fügte er an.