Glosse

Wasser sparen fürs Gewissen

Die Autorin ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Die Autorin ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: HA / Andreas Laible

Hamburg. Ferienzeit ist Reisezeit. Aber ständig wird einem jetzt vorgerechnet, wie sehr man als Urlauber die CO2-Bilanz belastet. Man ist ja schon froh, wenn man keine Fernreise geplant hat. Sonst würde einem ja das Thai-Curry oder das gegrillte Kudu-Steak gleich im Halse stecken bleiben.

Ein Urlaubsflug innerhalb Europas reicht aber auch völlig aus, um Reisenden ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Nur sind 2500 Kilometer mit Auto oder Zug zum gebuchten Quartier im Süden halt kein verlockender Gedanke. Die wunderbaren Erinnerungen an Interrail-Urlaube als sehr, sehr junger Mensch, bei denen man im Gepäcknetz schlief oder seine Isomatte auf dem Gang ausrollte, sind ohnehin verklärt – und außerdem war das alles viele Jahre vor dem Bandscheibenvorfall.

Also gilt es jetzt, zur Gewissensberuhigung in den eigenen vier Wänden die Ressourcen zu schonen. Nach der schon lange praktizierten akribischen Mülltrennung ist mein neuestes Hobby das Wassersparen. Der ganzen Familie wurden deshalb ultrakurze Duschen verordnet, und der Rasen wird halt bei Hitze braun (ist ohnehin fast alles Moos und Klee).

Die größte Errungenschaft in unserem Haushalt aber ist der neue faltbare Eimer. Weil Fleischkonsum das Klima belastet, kommt viel Gemüse und Salat auf den Tisch – und das muss vorher gewaschen werden. Damit gieße ich die Blumen, und der Eimer wird anschließend platzsparend unter der Spüle verstaut. Eine Milchmädchenrechnung, meinen die Freundinnen, aber besser als nichts. Das ersparte Geld könnte man ja in eine freiwillige CO2-Kompensation investieren. Oder neue Pflanzen und Material für ein Insektenhotel kaufen. Da fällt mir schon noch was ein.