Meinung
Zwischenruf

Der Albtraum von den Prüfungen

Vermutlich bin ich nicht die Einzige, die regelmäßig davon träumt, dass sie ihr Abitur noch einmal machen muss. Dabei ist der Abschluss nun schon viele Jahre her. Und für diese Albträume gibt es gar keinen triftigen Grund – mein Abi war sehr ordentlich. Erstaunlicherweise treiben mich die Jahre danach an der Uni weniger um. Jedenfalls muss ich in meinen Träumen nie erneut zur Magisterprüfung antreten. Ein Traumdeuter wüsste bestimmt, was das besagt.

Dagegen träume ich nie, wirklich nie, nie, nie, dass ich meine Führerscheinprüfung wiederholen muss. Die Theorie wurde in dem Dorf, aus dem ich komme, im örtlichen Wirtshaus abgefragt. Dazu mussten wir Prüflinge auf dem Parkplatz auch die Motorhaube des Prüfungsautos öffnen und annähernd erklären, was da was ist. Habe ich längst vergessen, aber dafür gibt es ja Profis.

Ganz anders verläuft die Theorieprüfung in der Großstadt. Heute setzen sich die Prüflinge an ein Tablet, klicken sich durch eine Reihe mit mehreren Antwortmöglichkeiten und müssen ein paar Videos mit Verkehrsszenen angucken und beurteilen. Babyeierleicht, glaubt man. Zugegeben, 2017 wäre ich noch durchgefallen – mit Pauken und Trompeten. Und das gleich bei mehreren Probedurchgängen. Der Ältere meiner Söhne feixte. Und bestand selbst mit Bravour. Jetzt ist der Jüngere in der Fahrschule. Beste Gelegenheit für mich, den Test zu wiederholen. Mit einem sensationellen Ergebnis: Null Fehler! Null!!! In der Theorie. Leider ist mir der Spott meiner Söhne in der Praxis auf ewig gewiss – denn in meinem Heimatort gibt es bis heute nicht eine Ampel. Null! Null!!!