Hamburger Handelskammer

Mediator kann Streit in Kammer-Führung nicht schlichten

Tobias Bergmann, Präses der Hamburger Handelskammer

Tobias Bergmann, Präses der Hamburger Handelskammer

Foto: Marcelo Hernandez

Externer Experte soll Präsidium versöhnen, hat aber keinen Erfolg. Präses Tobias Bergmann will trotz massiver Kritik im Amt bleiben.

Hamburg.  Äußerlich ließ sich Tobias Bergmann nichts anmerken. Gewohnt souverän führte der Präses der Handelskammer durch die letzte Sitzung des Plenums vor der Sommerpause, die mit der Verabschiedung des Bilanzberichts für das Jahr 2017 und der Beratung über die Besetzung der Wahlkommission für die Kammerwahl 2020 prall gefüllt war. Innerlich dürfte Bergmann die Sommerpause herbeigesehnt haben, um etwas Abstand zu seinem Amt zu gewinnen. Denn seit Tagen weiß er, dass selbst bei seinen Stellvertretern im Präsidium der Rückhalt für ihn zunehmend schwindet.

Die siebenköpfige Führung der Handelskammer ist gespalten. Ein Teil unterstützt Bergmann und will ihn im Amt behalten. Andere fordern seinen Rücktritt. Ein Mitglied schwankt derweil zwischen beiden Lagern. In der vergangenen Woche gab es sogar ein Mediationsverfahren. Das Ziel: Die Wogen sollten geglättet werden. Das Ergebnis: Die Gräben sind zu tief, die Positionen zu weit auseinander, als dass der von außerhalb eingeladene Moderator tatsächlich ein positives Ergebnis hätte erreichen können. Ein weiteres Treffen soll es nach Abendblatt-Informationen nicht geben. Dies würde nichts bringen, hieß es. So habe es sogar der Mediator selbst gesehen.

Vier Stunden lang hatte das Gremium während der Mediation diskutiert. Dabei wurde das eigentliche Pro­blem schnell deutlich: Das große gemeinsame Ziel des Präsidiums und der gesamten Wahlgruppe „Die Kammer sind Wir!“, nämlich die Überwindung der alten, verkrusteten Strukturen der Kammer und ihrer Führung, ist quasi erreicht. Seitdem überwiegen unterschiedliche Ansichten und Interessen.

Rücktrittswünsche aus den eigenen Reihen

Insbesondere das Festhalten an der Kernforderung im Wahlkampf, die Abschaffung der Zwangsbeiträge für die Kammermitglieder, wird Bergmann angelastet. Zwar hatten alle Mitglieder der WIR-Gruppe – auch das aktuelle Präsidium – diese Forderung unterstützt. Nachdem sich aber herausgestellt hatte, dass die Kammer nicht komplett auf die Pflichtabgaben verzichten kann, distanzierten sich immer mehr Mitglieder des Plenums von dieser Zielsetzung.

Bergmann sei in der Frage beratungsresistent, hieß es aus Teilen der WIR-Gruppe. „Er ist der Seehofer von Hamburg“, so ein Mitglied des Plenums. Den Rücktrittswünschen aus den eigenen Reihen hat sich Bergmann bisher widersetzt. Nach einer knapp überstandenen Misstrauensabstimmung der WIR-Gruppe hatte Bergmann klargestellt: „Ich werde nicht zurücktreten. Ich bin schließlich vom Plenum gewählt worden.“ Am Donnerstag sagte er dem Abendblatt: „Für mich ist wichtig, dass das Präsidium handlungsfähig ist.“

In der öffentlichen Sitzung am Donnerstag wurde das angespannte Verhältnis nicht thematisiert: Hier ging es um die Einnahmen und Ausgaben der Kammer. Mit knapp 4,7 Millionen Euro ist das Jahresergebnis der Wirtschaftsinstitution 2017 deutlich höher als im Vorjahr ausgefallen, liegt aber zugleich knapp drei Millionen Euro unter den Erwartungen. Zwei Gründe dafür sind die unerwarteten Ausgaben beim Verkauf der Hamburg School of Business Administration sowie Steuernachzahlungen von 1,9 Millionen Euro.