Hamburg

Handelskammer ändert Kurs: Büro in Brüssel kann bleiben

Tobias Bergmann,
Präses der
Handelskammer
Hamburg

Tobias Bergmann, Präses der Handelskammer Hamburg

Foto: Klaus Bodig / HA

Auch zum Austritt aus der IHK Nord kommt es wohl nicht. Abstimmung soll in der kommenden Woche stattfinden.

Hamburg.  Eines der meist kritisierten Vorhaben der Handelskammer Hamburg steht kurz vor einer Entscheidung. In der kommenden Woche soll das Plenum darüber abstimmen, ob der angekündigte Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft norddeutscher Industrie- und Handelskammern (IHK Nord) zurückgenommen wird. Eine Vorentscheidung dazu ist nach Abendblatt-Informationen bereits gefallen: Denn Hamburg beharrt nicht länger auf der zuvor geforderten Schließung des IHK-Büros in Brüssel.

„Die Vollversammlung hat sich einstimmig für den Erhalt und die inhaltliche Stärkung des Büros in Brüssel ausgesprochen“, sagte der derzeitige Präsident der IHK Nord, der Oldenburger IHK-Präsident Gert Stuke. „Auch Hamburg hat dafür gestimmt.“ Damit ist der Präses der Handelskammer, Tobias Bergmann, der Hamburg bei der IHK Nord vertritt, von seiner bisherigen Forderung abgerückt. Im November des vergangenen Jahres hatte Hamburg seinen Austritt aus der IHK Nord zum Jahresende 2018 angekündigt. Zugleich hatte die Handelskammer damals mitgeteilt, sie würde ihr Vorhaben überdenken, sollte die IHK Nord sparsamer und schlagkräftiger werden.

Antrag zum Verbleib in der IHK Nord

Die Folge war ein Sturm der Entrüstung in weiten Teilen der Hamburger Wirtschaft. Denn viele Institutionen und Firmen befürchteten, dass die Hamburger Handelskammer ihren Einfluss im Norden und darüber hinaus verlieren könnte. Eine der zentralen Forderungen der Kammerrebellen als Voraussetzung für den Verbleib in der IHK Nord war die Schließung des Brüsseler Büros der Nord-Wirtschaft. „Wir sind als Mitglied des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) bereits in Brüssel vertreten“, sagte Bergmann damals zur Begründung. „Wir wollen Doppelstrukturen abbauen.“ Da diese Forderung mit dem Votum Hamburgs nun vom Tisch ist, wächst bei zahlreichen Kritikern die Hoffnung, dass die Handelskammer in der IHK Nord bleibt.

Die Chancen dafür steigen. Inzwischen gibt es nämlich einen Antrag der genau dies fordert, und über den das Plenum am Donnerstag abstimmen soll. Darin heißt es: „Der Beschluss des Präsidiums, aus der IHK Nord auszutreten, wird aufgehoben.“ Der Antrag stammt zwar nicht aus dem Wahlbündnis „Die Kammer sind wir!“, sondern vom unabhängigen Plenumsmitglied Niels Pirck. Dennoch hofft er auf eine breite Zustimmung, „Die Mitgliedschaft der Handelskammer Hamburg in der IHK Nord ist zu wichtig, als dass wir sie zum Gegenstand plenar-interner Querelen machen. Ich freue mich daher, sollten wir eine breite Mehrheit für meinen Antrag bekommen und damit ein starkes Signal setzen“, so Pirck.

IHK-Nord-Präsident schaltete sich ein

Auch IHK-Nord-Präsident Stuke schaltete sich ein. Er wird am Donnerstag selbst nach Hamburg kommen und für den Verbleib der Handelskammer im Gremium der Nord-Kammern werben. „Wenn sie sich dagegen ausspricht, werde ich aber auch deutlich sagen, dass wir die Reise ohne sie fortsetzen.“ Präses Bergmann gibt kein vorzeitiges Votum ab: „Die Meinungsbildung über die IHK-Nord-Mitgliedschaft der Handelskammer muss im Plenum stattfinden. Davon unabhängig erleben wir derzeit einen sehr konstruktiven Dialog innerhalb der IHK Nord“, sagte er. Nach einem Austritt klingt das nicht mehr.