Hamburg

3-D-Brillen für Ärzte am Marienkrankenhaus

Wirtschaftssenator Frank Horch trägt eine VSI-Brille, die in Hamburg bald bei Operationen eingesetzt wird

Wirtschaftssenator Frank Horch trägt eine VSI-Brille, die in Hamburg bald bei Operationen eingesetzt wird

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Wirtschaftsförderer freuen sich über Neuansiedlungen innovativer Firmen. 2150 Jobs wurden 2017 geschaffen.

Hamburg.  Patienten der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung im Hamburger Marienkrankenhaus, die sich dort einer Operation unterziehen müssen, könnte sich kurz vor dem Eingriff schon bald ein etwas sonderbarer Anblick bieten: Der Operateur setzt sich eine Art überdimensionale Sonnenbrille auf, bevor er zum Skalpell greift. Die Brille hilft dem Mediziner dabei, seine Schnitte sicher zu führen.

Virtual Surgery Intelligence (VSI) nennt sich die Technik, die Chirurgen bei der Arbeit unterstützt. Mittels der Brille kann der Operateur Aufnahmen aus dem Computer- oder Magnetresonanz-Tomographen mit der Realität abgleichen. Er hat ein dreidimensionales Bild von der Operationsstelle vor Augen und weiß zum Beispiel, wie tief er schneiden kann, bevor er einen Nerv treffen würde. Die Software dafür hat das vor zehn Monaten in Hamburg gegründete Start-up apoQlar geschrieben. Und das Marienkrankenhaus ist einer der ersten Kunden der Firma, der die Technik einsetzen wird.

Plädoyer für eine intensive Förderung

Am Montag schaute Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) im sogenannten Health Innovation Port bei Philips an der Röntgenstraße (Ohlsdorf) vorbei, ließ sich selbst die Brille überstreifen – und hielt ein Plädoyer für eine intensive Förderung von innovativen Unternehmen wie apoQlar durch die Stadt. „Hamburg ist nicht nur eine Handelsstadt, sondern auch ein Freihafen für Innovationen“, sagte der Senator. Technologie- und wissensorientierte Jungunternehmen hätten bei der Hamburger Wirtschaftsförderung, die sich jetzt Hamburg Invest nennt, seit Jahresbeginn eine zentrale Anlaufstelle.

Der Ort für diese Botschaften war mit Bedacht gewählt. Der Health Innovation Port von Philips und der Techniker Krankenkasse ist ein Sammelbecken für Start-ups in der Gesundheitsbranche. Auch apoQlar hat dort – neben dem Hauptsitz in St. Georg – ein Büro. Zugleich ist das vom IT-Spezialisten Sirko Pelzl gegründete Unternehmen ein Leuchtturm für die Arbeit von Hamburg Invest im vergangenen Jahr.

Vermittlung von Kontakten

„Die sind auf uns zugekommen und haben gefragt, wie sie uns helfen können“, sagt Pelzl noch immer etwas verwundert über den ersten Kontakt mit den Wirtschaftsförderern der Stadt. „So etwas hatte ich vorher nicht erlebt und danach auch nicht.“ Geholfen hat Hamburg Invest dem Gründer dann vor allem mit Ratschlägen, welche Behörden und städtische Stellen für welche Fragen zuständig sind. Und mit der Vermittlung von Kontakten zu anderen jungen Firmen in der Branche.

Bei Hamburg Invest läuft so etwas unter „Beratung“. Solche Hilfestellung wurde 2017 genau 1065 Firmen gegeben, sagte Geschäftsführer Rolf Strittmatter bei der Vorstellung der Jahresbilanz im Start-up-Zentrum an der Röntgenstraße. „Wir konnten schon 2016 unser Ergebnis gegenüber 2015 stark verbessern und haben jetzt noch einmal ordentlich zugelegt“, sagte Strittmatter. Im Jahr zuvor hatte die Wirtschaftsförderung nur von 400 Beratungen berichtet.

Erweiterung des Olympus-Werks

Von 98 auf 123 erhöht hat sich gegenüber 2016 auch die Zahl der sogenannten Projekte, in denen Hamburg Invest entweder dabei geholfen hat, ein Unternehmen ganz neu in der Hansestadt anzusiedeln oder eine schon ansässige Firma bei der Expansion in der Stadt unterstützt hat. Zu den 60 Neuansiedelungen zählen unter anderem das estnische Roboter-Unternehmen Starship. Es hat seine Deutschland- zentrale jetzt in Eimsbüttel. Derzeit testet eine Pizzakette in Teilen Hamburgs die Zustellung per Roboter. Auch der Snapchat-Anbieter Snap, der am Montag seine Deutschlandzentrale in Hamburg eröffnete, konnte 2017 für die Hansestadt gewonnen werden.

Zu den großen Expansionsprojekten zählen bei Hamburg Invest die Erweiterung des Olympus-Werks in Jenfeld, für die unlängst der Grundstein gelegt wurde. Zudem waren die Wirtschaftsförderer daran beteiligt, für den Paketdienst Hermes das Grundstück für ein Paketzentrum in Billbrook zu finden. Es ist bereits in Bau und soll Ende des Jahres den Betrieb aufnehmen. Alles in allem – so die Jahres­bilanz – wurden mit Unterstützung von Hamburg Invest gut 2150 Arbeitsplätze in der Hansestadt neu geschaffen, sogar 6840 Jobs, die sonst womöglich abgewandert wären, wurden abgesichert. In beiden Fällen war das deutlich mehr als im Vorjahr. „Der Senat hat die Hamburger Wirtschaftsförderung ausgebaut und personell verstärkt. Dies zahlt sich schon heute aus“, sagte Horch.

Vielzahl von Behörden

Zum Jahreswechsel hat Hamburg Invest seinen Service für Unternehmen und Gründer noch erweitert. Nun gibt es die Start-up-Unit als zentrale Anlaufstelle für innovative, junge Unternehmen. Und die neue Hamburg Invest Entwicklungsgesellschaft (HIE) entwickelt und vermarktet jetzt zentral die städtischen Gewerbe- und Industrie­gebiete. Derzeit sind etwa 88 Hektar verfügbar. Bislang hatten interessierte Unternehmen mit einer Vielzahl von Behörden und Verwaltungsabteilungen zu tun, künftig soll die HIE die zentrale Anlaufstelle sein. Rolf Strittmatter: „Ziel ist, die Zeit bis zum Baubeginn zu halbieren.“