Harburg
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Das eigene Bild wird dreidimensional

Aydin Yarkin, Franchise Partner der Doob Group, steht im Ganzkörperscanner und zeigt ein detailgetreue 3D-Figur seiner selbst

Aydin Yarkin, Franchise Partner der Doob Group, steht im Ganzkörperscanner und zeigt ein detailgetreue 3D-Figur seiner selbst

Foto: Thomas Sulzyc

Jeder kann sich jetzt bei Doob in Harburg scannen lassen – und die Figur wird ausgedruckt. Wirtschaft setzt verstärkt auf virtuelle Welt.

Harburg.  Das Foto ist nicht genug. Wer sich und einen besonderen Moment im Leben verewigen möchte, lässt eine detailgetreue 3D-Figur von sich anfertigen. Der Rapper Cro hat es gemacht, Hochzeitspaare tun es und Tierfreude mit ihrem Schoßhund auch. Der Unternehmer Aydin Yakin hat den Trend aufgegriffen und als Franchise-Partner in Harburg den einzigen Doob Store Hamburgs eröffnet. Die deutsche Doob Group AG mit Hauptsitz in Düsseldorf entwickelt 3D-Technologien, die in naher Zukunft die Welt fundamental verändern könnten. Das Ziel ist unser virtuelles Alter Ego und damit nicht weniger als die Überwindung unserer Körperlichkeit.

Unterschiedlicher könnten die Kulissen kaum sein: In einem Zimmer der Jugendstilvilla an der Buxtehuder Straße 21 steht der futuristisch aussehende Ganzkörper-3D-Scanner. Das formvollendet geschwungene Design erinnert an ein Bauteil von Raumschiffbrücken aus Science-Fiction-Filmen oder den berühmten Transporter aus „Raumschiff Enterprise“.

3D-Figur in Lebensgröße kostet 25.000 Euro

Der Dooblicator, wie der Hersteller seine Technologie nennt, erstellt mit 66 Kameras innerhalb von nur einer Hundertstel Sekunde den Ganzkörperscan. Mit den generierten Daten lassen sich die 3D-Figuren aus einem Gipspolymergemisch drucken. Die Produktion ist in Deutschland. Der Fototermin dauere 15 bis 25 Minuten, sagt Aydin Yakin, die Lieferzeit 14 bis 21 Tage.

Der Kunde kann unterschiedliche Größen wählen, zehn Zentimeter bis 35 Zentimeter groß. Eine Figur in der Standardgröße 25 Zentimeter kostet 295 Euro. Manche treiben den Personenkult auf die Spitze und ordern Übergrößen. „Ein Showmaster aus Japan wollte seine Figur in Lebensgröße“, sagt Aydin Yakin. Auch das ist möglich, aber in der Produktion mit mehr Aufwand verbunden. Der Drucker bewältigt die lebensgroße Kopie nicht in einem Stück. Sie wird deshalb aus mehreren Bauteilen konstruiert. 25.000 Euro koste die Figur in Echtgröße, hat Yakins Geschäftspartner Benyamin Özdemir gehört. In Harburg habe noch niemand sich in Lebensgröße verewigen wollen.

Die Detailgenauigkeit ist verblüffend. Ein verhuschtes Haar, die Falten in der Hose – nichts entgeht dem Scanner. Wer ein Duplikat von sich erzeugen lässt, hat deshalb einige Regeln zu beachten: Haare dürfen nicht in das Gesicht fallen. Sie sähen auf der Figur wie eine Narbe aus. Große Ohrringe oder auch Halsketten legt man vor dem Scannen ab.

Der Scanner ist mobil: Zu Gruppen ab 20 Personen, die 25 Zentimeter große Figuren von sich erzeugen lassen möchten, kommt der Scanner ins Haus. Anlässe seien Jahreshauptversammlungen, Jubiläumsfeiern von Unternehmen Weihnachtsfeiern oder Hochzeitsfeiern, sagt Aydin Yakin. Der Abbau der Technologie dauert zwei Stunden, der Aufbau drei Stunden.

Was treibt die Menschen an, ein lebensechtes Ebenbild zum Anfassen von sich produzieren zu lassen? „Die Menschen möchten sich für ihre Liebsten verewigen“, sagt Aydin Yakin. Brautpaare sind deshalb häufig Kunden. Aber auch der Feuerwehrmann in voller Montur, der stolz auf seinen Beruf ist, oder die schwangere Frau mit rundem Bauch, die den besonderen Moment manifestieren möchte. Nicht wenige würden ihr Abbild optimieren und schlanker erscheinen wollen, sagt Yakin. Das lehnt er jedoch ab: „Wir scannen Menschen ein, die zu ihrer Figur stehen“, sagt er.

Die Wirtschaft treibt die Menschen zu ihren Avataren

Die detailgetreue 3D-Figur gilt nur als beiläufiges Produkt zu milliardenschweren Geschäftsmodellen und technologischen Revolutionen. Die Wirtschaft treibt den Menschen zu Avataren, unserem Alter Ego, mit dem wir uns durch die virtuelle Welt bewegen. Unternehmen aus den Branchen Mode, Fitness, Gaming werden unsere Avatare in digitale Geschäftsmodelle einbinden. Der Online-Modeversandhandel verspricht deutlich weniger Rücksendungen, wenn Kunden in Form ihres Avatars Kleidung vor der Bestellung virtuell anprobieren. In sozialen Netzwerken werden sich nur noch unsere optimierten virtuellen Alter Egos zeigen.

In virtuellen Arztpraxen werden sich die Avatare von Patienten und Medizinern treffen und Behandlungsmethoden und die Dosierung von Medikamenten besprechen. Avatare von Managern werden Konferenzen auf dem Mars abhalten. „Unglaublich, was auf uns zukommt“, sagt Aydin Yakin.

Sicher ist: Wer sich bis zum 14. Dezember scannen lässt, hat seine 3D-Figur rechtzeitig unterm Tannenbaum.