Bezirksamt

Hamburgs höchstes Standesamt mit Galerie und Dachterrasse

Das Bezirksamt Mitte zieht mit rund 1000 Mitarbeitern ins alte Springer-Haus. Erste Blicke in ein „modernes Dienstleistungszentrum“

Hamburg.  Das Bezirksamt Mitte soll bis Juni 2018 seinen neuen Standort im ehemaligen Verlagshaus Axel Springer SE an der Caffamacherreihe beziehen. Es ist aktuell das größte Umzugsvorhaben der Stadt. Rund 1000 Mitarbeiter des Bezirksamts werden vom Klosterwall und anderen Außenstellen in den Gebäudekomplex umziehen.

Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren. Die Umbauarbeiten in der in den 1990er-Jahren errichteten Immobilie haben begonnen. Die Kosten dafür werden nach Abendblatt-Informationen bei rund 30 Millionen Euro liegen. 30.400 Quadratmeter werden vom Bezirksamt genutzt.

Stadt kaufte das Gebäude für 130 Millionen Euro

Die Stadt hatte das Objekt bereits 2014 dem Vernehmen nach für etwa 130 Millionen Euro von dem Medienkonzern erworben: „Das neue Bezirksamt Mitte soll ein modernes Dienstleistungszentrum für die Bürger werden, aber auch ein angenehmer und moderner Arbeitsplatz für die Mitarbeiter“, kündigte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) im Abendblatt-Gespräch an.

Der jetzige Sitz am Klosterwall gilt schon lange als marode, nach dem Auszug werden die vier City-Hochhäuser abgerissen: „Die aktuelle Situation ist eine Zumutung. Deshalb sind die Kollegen und ich sehr froh, dass wir wissen, im Jahr 2018 bricht ein neues Zeitalter an“, so Droßmann. Eigentlich sollte der Umzug bereits im Herbst dieses Jahres (wir berichteten) erfolgen, aber es musste laut Finanzbehörde unter anderem eine umfangreiche Überarbeitung der Vorentwurfsplanung geben.

An die „Bild“-Zeitung erinnert nur noch der rote Teppich

Dem Abendblatt gewährte Droßmann jetzt einen ersten Blick in das „neue Bezirksamt“: Der Behördenchef steht in der elften Etage in einem mehrere Hundert Quadratmeter großen Raum. Der Blick über die Stadt ist spektakulär. Auf der einen Seite sind die Alster und das Rathaus zu sehen, auf der anderen der Hafen.

Hier saß einst die Redaktion der „Bild“-Zeitung. Daran erinnert heute nur noch der rote Teppichboden: „Der kommt raus. Hier wird wieder ein strapazierfähiger Teppich reinkommen, allerdings haben wir uns noch nicht auf eine Farbe festgelegt“, sagt Droßmann. Aber zu bunt dürfe es nicht sein.

54 Plätze für die Bezirksversammlung

In diesem Raum wird künftig die Bezirksversammlung tagen. 54 Plätze wird es für die Abgeordneten geben, dazu ein Podium mit Platz für acht Personen. Außerdem eine Tribüne für 48 Zuschauer, 18 Pressevertreter und Behördenmitarbeiter: „Die Bezirksversammlung steht für eine bürgernahe Politik, deshalb wird es in diesem Raum einen regen Austausch geben“, sagt Droßmann.

Alle Möbel, inklusive höhenverstellbarer Schreibtische, sowie die Computer werden neu angeschafft. 80 Prozent der Mitarbeiter werden Einzelbüros haben: „Das ist erforderlich, denn häufig werden auch vertrauliche Dinge mit den Kunden besprochen“, sagt Droßmann. Danach führt Droßmann in einen lichtdurchfluteten Konferenzraum in der neunten Etage mit Galerie und Dachterrasse: „Hier wird unser Standesamt die Trauungen vollziehen. In Mitte gibt es häufiger Hochzeiten, bei denen viele Angehörige und Freunde dabei sind, die können dann von der Galerie aus diese Zeremonie verfolgen.“ Auf der Terrasse könne danach zum Beispiel ein Empfang arrangiert werden. Auf jeden Fall sei es das höchste Standesamt der Stadt, so Droßmann weiter.

Herzstück des Hauses wird das Kundenzentrum

Weiter geht es in der zehnten Etage in den Flügel, in dem künftig die Behördenleitung sitzen wird. Wer hier reinmöchte, muss zuvor an der Glastür klingeln: „Hier wird komplett umgebaut. Wände werden rausgerissen, und die Räume bekommen einen neuen Zuschnitt“, erklärt Droßmann. Als kommunikativen Mittelpunkt wird es einen ovalen Tisch geben, „da können wir Besprechungen auch mal im Stehen abhalten, das ist effektiver“. Dahinter liegt der Konferenzbereich. Es wird über das gesamte Haus verteilt weitere Konferenzräume geben: „Die erhalten alle Namen von Stadtteilen im Bezirk Mitte“, so Droßmann.

Das „Herzstück“ des Hauses wird das Kundenzentrum im Erdgeschoss werden mit 31 Serviceplätzen. Die Mitarbeiter schauen in den begrünten Innenhof, der allerdings nicht öffentlich genutzt werden kann.

Einzigartig dürfte der Empfangsbereich sein

Wie das Kundenzentrum aussehen soll, ist bereits auf den vom Architektenbüro Rohling entworfenen Visualisierungen zu sehen: helle Bodenplatten. Der Wartebereich mit runden Tischen ist durch Holzlamellen vom Servicebereich getrennt: „Die Besucher sollen sich, trotz der möglichst kurzen Wartezeit, wohlfühlen“, sagt Droßmann.

Einzigartig für eine Behörde dürfte der Empfangsbereich sein: Wer das Bezirksamt betritt, befindet sich in der Stella-Halle. Die heißt so, weil sich hier der Maler Frank Stella mit seiner Kunst verewigt hat: „Wir werden natürlich dieses Kunstwerk erhalten“, verspricht Droßmann. In der Halle soll es auch einen Servicetresen geben: „Das ist sozusagen das Begrüßungskomitee, das für alle Fragen rund um das Bezirksamt zur Verfügung steht“, sagt Droßmann.

Sichtbare Sicherheitsmaßnahmen wird es nicht geben: „Wir sind ein offenes Haus“, sagt Droßmann. Nach Abendblatt-Informationen wird jedoch ein Sicherheitsdienst in dem Gebäude präsent sein. Fest steht auch schon: Das soziale Dienstleistungszentrum zieht auf 900 Quadratmeter ebenfalls ins Erdgeschoss. In der ersten Etage – mit separatem Eingang – wird das Gesundheitsamt untergebracht.

Wie wird die offizielle Anschrift lauten?

In die fünfte Etage zieht das Zen­trum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt ein, hier wird es eine Trennwand mit Hamburg-Motiven geben. Auch ansonsten will Droßmann keine „verstaubte Amtsstubenatmosphäre“ aufkommen lassen: „Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Haus auch wechselnde Kunstausstellungen haben werden. Anfragen gibt es genug.“

Eine Entscheidung muss der Bezirksamtsleiter noch treffen. Wie soll die offizielle Anschrift heißen? Das Gebäude grenzt an die Caffamacherreihe und die Kaiser-Wilhelm-Straße. Die Chancen für Kaiser-Wilhelm-Straße sollen nicht schlecht stehen.