Hamburg

Stadt will Gruner+Jahr-Zentrale 2019 kaufen

Der markante Gebäudekomplex des Verlagshauses Gruner + Jahr vom Baumwall aus gesehen

Der markante Gebäudekomplex des Verlagshauses Gruner + Jahr vom Baumwall aus gesehen

Foto: Klaus Bodig / HA

Bis zu 156 Millionen Euro für Gebäudekomplex eingeplant. Welche Nachnutzung geplant ist, steht noch nicht fest.

Hamburg.  Die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Verlagshaus Gruner + Jahr über den Ankauf des Gebäudekomplexes am Baumwall sind nach Abendblatt-Informationen weit fortgeschritten. Die Stadt geht offensichtlich von einem Abschluss des spektakulären Immobiliendeals aus: Dem Wirtschaftsplan des Landesbetriebes Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), der dem Abendblatt vorliegt, ist zu entnehmen, dass ein Ankauf der Immobilie für 2019 eingeplant ist. In diesem Papier ist außerdem unter dem Punkt „Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen“ aufgeführt, dass für Immobilienankäufe insgesamt mehr als 156 Millionen Euro in 2019 vorgesehen sind. Dieses Geld könnte dann vermutlich größtenteils für den Kauf des Gruner+Jahr-Gebäudekomplexes ausgegeben werden.

In Branchenkreisen war sogar mal von einem zu erzielenden Kaufpreis von 180 Millionen Euro die Rede. Dem Vernehmen nach wird momentan noch zwischen den Verhandlungspartnern darüber diskutiert, wer für den Brandschutz aufkommen soll. Investitionen in den Brandschutz der 1990 bezogenen Immobilie könnten mehrere Millionen Euro kosten.

Was für Risiken der Ankauf von privaten Immobilien mit sich bringt, hatte sich auch bei dem Gebäudekomplex der Axel Springer SE an der Caffamacher­reihe gezeigt. Dieses Objekt hatte die Stadt für rund 130 Millionen Euro von dem Verlagshaus erworben, dort soll das Bezirksamt Mitte einziehen. Wie das Abendblatt berichtete, kann der Umzug jedoch nicht wie geplant zum Herbst 2017 erfolgen. Die rund 1000 Mitarbeiter sollen erst 2018, vermutlich im Juni, ihre neuen Büros beziehen können. Schuld an dieser Verzögerung soll auch der Brandschutz sein. Deshalb, so ein Insider, sei die Stadt nun beim Ankauf des G+J-Gebäudes besonders sensibel, was dieses Thema angeht.

Zum aktuellen Stand der Gespräche zwischen Gruner + Jahr und dem LIG sagt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde: „Es ist allgemein bekannt, dass die Stadt mit Gruner + Jahr über einen Kauf des Gebäudekomplexes am Baumwall verhandelt und auch gewillt ist, diesen zu erwerben.“ Einen Kauf in jedem Fall bedeute das aber deswegen nicht.

Interessant bleibt auch die Frage, wo Gruner + Jahr hinzieht, wenn die Stadt die Immobilie kauft. Bekannt ist, dass der „Verkaufsprozess“ von dem renommierten Immobiliendienstleister CBRE betreut wird und dass das Verlagshaus dem Standort Hamburg treu bleiben wird. Das Abendblatt hatte bereits berichtet, dass die Stadt beziehungsweise die HafenCity GmbH zwei nebeneinanderliegende Baufelder im Quartier Am Lohsepark angeboten hatte. Dann wäre der Verlag, in dem unter anderen das Nachrichtenmagazin „Stern“ erscheint, nur durch das Wasser vom „Spiegel“-Gebäude an der Ericusspitze getrennt. Die Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Medienhaus ziehen sich jedoch schon seit mehr als einem Jahr hin.

Der Medienkonzern selbst will sich nicht äußern

Und auch um die Pläne der Stadt für die Immobilie am Baumwall wird noch spekuliert. Es gab immer wieder Gerüchte darüber, dass hier wissenschaftliche Institute einziehen könnten. Behördensprecher Stricker betont jedoch: „Eine universitäre Nutzung des Gruner+Jahr-Gebäudes spielt bei den Planungen der Stadt bislang keine Rolle.“ Zu weiteren Einzelheiten wollte sich Stricker nicht äußern.

Unterdessen forderte CDU-Finanzexperte Thilo Kleibauer: „Wenn der Senat in seinem Wirtschaftsplan den Kauf dieses Gebäudekomplexes konkret einplant, muss er uns auch die Nutzungsabsichten für diesen Standort mitteilen. Alles andere ist nicht transparent.“ Auch müsse bei einem Ankauf klar sein, in welcher Höhe Kosten für Umbau und Modernisierung anfallen, so Kleibauer weiter.

Für SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf steht fest: „Das Gruner+Jahr-Haus ist eine interessante Immobilie in attraktiver Lage. Wenn die Stadt das Objekt erwirbt, dann natürlich nur zu einem angemessenen Preis und mit einer gut durchdachten Nachnutzung.“ Wie die aussehen könnte, darüber wollte Kienscherf „nicht spekulieren. Dass die Stadt immer wieder Bedarf an Flächen hat, ist bekannt.“

Der Medienkonzern selbst hält sich ebenfalls bedeckt. Gruner+Jahr-Sprecher Frank Thomsen wollte am Montag auf Abendblatt-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.