Hamburg

Das kann teuer werden: Umzug des Bezirksamts verzögert sich

Das Bezirksamt Mitte hat seinen Hauptsitz in den vier maroden Hochhäusern am Klosterwall

Das Bezirksamt Mitte hat seinen Hauptsitz in den vier maroden Hochhäusern am Klosterwall

Foto: Roland Magunia

Der für Herbst 2017 geplante Standortwechsel des Bezirksamts Mitte in das frühere Verlagsgebäude der Axel Springer SE verschiebt sich.

Hamburg.  Es dürfte nicht nur für die Mitarbeiter des Bezirksamts Mitte eine schlechte Nachricht sein: Der für Herbst 2017 geplante Umzug in das ehemalige Verlagsgebäude der Axel Springer SE zwischen Caffamacherreihe und Kaiser-Wilhelm-Straße verzögert sich deutlich. Einen exakten Termin kann die federführende Finanzbehörde nicht nennen. Der Umzug solle voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2018 erfolgen, sagte Sprecher Daniel Stricker auf Abendblatt-Anfrage.

Es ist der größte Umzug, den die Stadt in den kommenden Jahren umsetzen muss. Etwa 1000 Mitarbeiter sollen in das ehemalige Verlagsgebäude unweit des Gänsemarkts einziehen. Auch die Bezirksversammlung soll dort tagen. In den vier Hochhäusern am Klosterwall, in denen das Bezirksamt bislang untergebracht ist, sitzen rund 600 Mitarbeiter, es gibt noch mehrere Außenstellen. Verantwortlich für die Umbauplanungen des neuen Standorts ist der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) der Finanzbehörde. Im Bezirksamt soll es wenig Verständnis für die Verzögerungen geben.

Auf Abendblatt-Anfrage sagte Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD): „Ich hätte mir gewünscht, dass wir wie geplant im Herbst 2017 umziehen können. Das wäre vor allem wichtig für die Mitarbeiter, die am jetzigen Standort am Klosterwall in den maroden Gebäuden keine optimalen Arbeitsbedingungen haben.“ Kein Verständnis hat Mittes CDU-Fraktionschef Gunter Böttcher: „Es stellt sich die Frage, warum es so schwer ist, einen Umzug zu planen, zumal das vorher ein funktionierendes Bürogebäude war.“

Dass der Zeitplan nicht eingehalten werden kann, war der Stadt offensichtlich bereits im April dieses Jahres bekannt. Damals hatte der Hamburger Projektentwickler Aug. Prien den Zuschlag für den Gebäudekomplex am Klosterwall erhalten. Die maroden Häuser sollen abgerissen werden und auf dem Areal bis 2021 ein neues Quartier mit rund 200 Wohnungen, Büros und einem Hotel entstehen. In dem Kaufvertrag hatte die Stadt aufnehmen lassen, dass die Übergabe spätestens zum 30. Juni 2018 erfolgen soll. Der Zeitplan von Aug. Prien soll trotz der Verzögerung aber eingehalten werden können.

Die Mitarbeiter des Bezirksamts am Klosterwall können also so lange dort arbeiten, bis die Räume an der Caffamacherreihe fertiggestellt sind. Aber es gibt ein Problem: Die Mietverträge für die Außenstellen des Bezirksamts an der Kurt-Schumacher-Allee mit rund 300 Mitarbeitern und am Besenbinderhof mit rund 90 Mitarbeitern wurden nach Abendblatt-Informationen zum 31. Dezember 2017 gekündigt. Das heißt, hier muss nachverhandelt werden. Teuer könnte es werden, wenn die Räume bereits von Januar 2018 an weitervermietet sind, das Bezirksamt übergangsweise alternative Flächen anmieten müsste. „Die Terminlage ist für uns ganz neu. Wir müssen jetzt einfach schauen, welche Optionen da infrage kämen“, sagte Sprecherin Sorina Weiland.

Aber warum kommt es zu den Verzögerungen? Einer der Gründe ist laut Behördensprecher Stricker, „die Notwendigkeit einer umfangreichen Überarbeitung der Vorentwurfsplanung aufgrund geänderter Planungsgrundlagen des Bezirksamts selbst, unter anderem wegen gestiegener Anzahl an Mitarbeitern, erhöhtem Bedarf an Büroflächen und gewachsenem Flächenbedarf für Kundenzentren.“

Doch auch die Axel Springer SE ist an den Verzögerungen nicht unschuldig. Hinter den Kulissen soll es ziemlich viel Gesprächsbedarf geben. „Einen weiteren, ganz wesentlichen Einfluss auf den Fertigstellungstermin hat die durch Axel Springer kaufvertraglich zugesagte bauliche Herstellung der brandschutztechnischen Genehmigungsfähigkeit“, sagte Behördensprecher Stricker.

Umbau kostet rund 30 Millionen Euro

Für den Medienkonzern war der Verkauf des in den 90er-Jahren errichteten Gebäudekomplexes mit rund 55.000 Quadratmetern Fläche ein gutes Geschäft: Die Stadt soll nach Abendblatt-Informationen rund 130 Millionen Euro für die Immobilie bezahlt haben. Nachdem das Abendblatt im Juli 2014 als Erstes über den geplanten Immobiliendeal berichtet hatte, verkündete Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) in einer Mitteilung: „Wir können dem Bezirksamt Hamburg-Mitte mit einem Kauf der Immobilie einen sehr geeigneten und attraktiven Standort in City-Nähe bieten.“ Damals war sogar noch von einem Umzug Mitte 2017 die Rede. Nicht bekannt ist, ob der Finanzsenator im Juli 2014 bereits wusste, welche Kosten neben dem Kaufpreis noch auf die Stadt zukommen. Inzwischen ist bekannt, dass die Kosten für den Umbau nach Abendblatt-Informationen bei rund 30 Millionen Euro liegen.

Für Mittes CDU-Fraktionschef Gunter Böttcher besteht Aufklärungsbedarf: „Die Stadt muss genau erklären, wie sich diese Kosten zusammensetzen und vor allem, warum man sich damals für das Gebäude der Axel Springer SE entschieden hat. Am Ende bleibt die Frage, wer wirklich von diesem Deal profitiert hat.“