Wahlumfrage

SPD lobt sich selbst – AfD zweifelt an Glaubwürdigkeit

Die Wahlumfrage der Universität Hamburg gefällt ihm nicht: AfD-Landeschef Bernd Baumann

Die Wahlumfrage der Universität Hamburg gefällt ihm nicht: AfD-Landeschef Bernd Baumann

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance

AfD-Landeschef stellt "fachmännisches Zustandekommen" der repräsentativen Umfrage infrage. Ernüchterung bei der Opposition.

Hamburg. Jubel, Ernüchterung oder Zweifel an den Ergebnissen: Die Reaktionen der Hamburger Politik auf die vom Abendblatt veröffentlichte Umfrage der Uni Hamburg gehen weit auseinander. Wie berichtet käme die SPD laut der Befragung des Forschungslabors der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften derzeit bei einer Bürgerschaftswahl auf 48 Prozent der Stimmen. Die CDU würde 18 Prozent erreichen, die Grünen 16, Linke 8, FDP 5 und AfD nur noch 4 Prozent. SPD-Fraktionschef Andreas Dressel bezeichnete die Umfrage als „sehr ordentliches Zwischenzeugnis für unsere Politik“. Die Zufriedenheitswerte mit Bürgermeister Olaf Scholz seien „herausragend und suchen gerade im Ländervergleich ihresgleichen“, so Dressel. „Die Hamburger honorieren erkennbar, dass wir unsere Wahlversprechen ebenso konsequent wie verlässlich umsetzen. Das konkrete Kümmern um die Probleme der Menschen ist das wirksamste Rezept, um populistischen Strömungen zu begegnen.“

Linke will deutlich stärker werden

CDU-Fraktionschef André Trepoll, der laut Umfrage nur 24 Prozent der Hamburger bekannt ist, sagte: „Unser Weg hat gerade erst begonnen, aber die Richtung stimmt. Wir werden unsere engagierte Oppositionsarbeit im Rathaus fortsetzen. Dass mir eine hohe Kompetenz bescheinigt wird, freut mich und wenn das bald noch mehr Hamburger mitbekommen – umso besser für uns.“ CDU-Parteichef Roland Heintze sprach von einer „Momentaufnahme, die zeigt, dass wir Stück für Stück vorankommen und in den nächsten dreieinhalb Jahren noch einiges zu tun ist“.

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks sagte, Umfragen seien „Schnappschüsse“, die aktuelle zeige aber erneut eine Verbesserung für die Grünen. Das sei „unaufgeregter und guter Sacharbeit“ zu verdanken. Die Grünen-Chefs Anna Gallina und Michael Gwosdz betonten, dass die Bestätigung für die Grünen „in einem Jahr, in dem rechte Stimmen immer lauter geworden sind und die Demokratie offen angegriffen wurde, etwas ganz Besonderes“ sei.

Linken-Fraktionschefin Cansu Özdemir sagte, es reiche nicht, „stabile und starke Kraft“ zu sein. „Wir müssen deutlich stärker werden, damit unsere Stadt sozialer und gerechter werden kann. Dazu müssen wir vor allem jene sozialen Schichten wieder für die Politik gewinnen, die SPD und Grüne längst aus den Augen verloren haben.“ Katja Suding ist mit dem Ergebnis „nur teilweise zufrieden“ und sieht es als Ansporn, „die Positionen der FDP im Parlament noch pointierter darzustellen“. Der Senat mache „viele Fehler, die zulasten der Zukunftsfähigkeit dieser Stadt gehen und wir werden nicht nachlassen, diese Fehler zu benennen und alternative Wege aufzuzeigen“.

AfD kritisiert Abendblatt-Schlagzeile

AfD-Landeschef Bernd Baumann sagte: „Diese Umfrageergebnisse lassen viele Fragen hinsichtlich ihre fachmännischen Zustandekommens offen.“ Man müsse sich nur die jüngsten AfD-Wahlergebnisse im „höchst vergleichbaren Westberlin ansehen mit realisierten über 12 Prozent für die AfD“. Bei der Umfrage der Uni „könnte demoskopisch weit mehr schief gelaufen sein als nur der Umstand, dass sich viele Wähler nicht offen zu bestimmten Parteien bekennen, was neuerdings als sogenannter ‚Trump-Effekt‘ beschrieben wird“, so Baumann, der auch die Schlagzeile des Abendblattes kritisiert, in der es hieß: „Neue Umfrage erfreut Scholz und erschreckt AfD.“ Die AfD erschrecke keinesfalls über die Umfrage, so Baumann, aber darüber dass eine solche Reaktion einfach behauptet werde.