Umfrage

Warum Scholz beliebt ist und welche Probleme er lösen muss

Olaf Scholz kann sich über die Umfrageergebnisse freuen

Olaf Scholz kann sich über die Umfrageergebnisse freuen

Foto: imago/Metodi Popow

Exklusiv im Abendblatt: Neue Umfrage ist ein Triumph für Olaf Scholz' SPD und ein Debakel für die AfD.

Hamburg.  Auch gegen Ende seines sechsten Regierungsjahres haben die Hamburger ein überaus positives Bild von SPD-Bürgermeister Olaf Scholz. Im Durchschnitt sind 75 Prozent der Bürger mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Bei den SPD-Anhängern sind es sogar 89 Prozent, bei den Grünen-Anhängern 81 Prozent, und selbst unter CDU-Wählern bewerten 69 Prozent der Befragten seine Arbeit positiv. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Universität Hamburg unter 1004 Befragten, die dem Abendblatt exklusiv vorliegt.

Von den befragten Hamburgern, die außerdem eine „Eigenschaftseinschätzung“ für Scholz abgegeben haben, sagen 97 Prozent, dass er „kompetent“ und 84 Prozent, dass er „führungsstark“ sei.

Scholz kompetent

„Auch bei der Eigenschaft, hanseatisch zu sein, liegt Olaf Scholz mit 88 Prozent weit vor allen anderen Führungspersonen der Parlamentsparteien“, so die Autoren der Umfrage. 89 Prozent finden Scholz überdies sympathisch. Bei den Sympathiewerten konnte nur die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) mit 90 Prozent einen höheren Wert erreichen.

Die CDU scheint dagegen laut Umfrage ein Image-Problem mit ihrem Spitzenmann, dem Fraktionsvorsitzenden André Trepoll, zu haben. Nur 24 Prozent der Hamburger kennen Trepoll, und von diesen sind 68 Prozent mit seiner Arbeit weniger oder gar nicht zufrieden. Selbst 45 Prozent der CDU-Anhänger bewerten Trepolls Arbeit negativ.

Trepoll gilt als führungsschwach

Zwar teile sich Trepoll mit Katharina Fegebank (Grüne) mit 92 Prozent den zweiten Platz in der Zuschreibung von Kompetenz, so die Autoren der Umfrage. „Trepoll hat aber den schlechtesten Wert bei Führungsstärke (48 Prozent). Von den Befragten, die eine Eigenschaftseinschätzung für Trepoll abgegeben haben, sagen demnach 45 Prozent, dass er zögerlich sei. „Keine andere Person, über die wir hier Informationen eingeholt haben, hat bei dieser Eigenschaft einen höheren Wert“, schreiben die Studienautoren.

Umwelt kein Problemfeld der Stadt

In der Umfrage wurde außerdem gefragt, welches das größte Problem sei, das Hamburg derzeit habe. Jeder Befragte durfte nur ein Problem nennen. Die Ergebnisse sind in Teilen überraschend. So halten laut der Umfrage nur zwei Prozent der Hamburger das Thema Kriminalität und Sicherheit für das gravierendste Problem dieser Tage. Ebenfalls nur zwei Prozent nennen die Elbvertiefung als zentrale Herausforderung, und die Umwelt wurde gleichfalls nur von zwei Prozent der Befragten genannt.

Flüchtlinge größte Herausforderung

Wenig überraschend: Mit 29 Prozent nannte die Mehrheit das Thema „Flüchtlinge/Asylsuchende/Zuwanderung/Migration“ als wichtigstes zu lösendes Problem. Auf Platz zwei folgt „Verkehr und Infrastruktur“ mit 23 Prozent, danach „Wohnraum“ (15 Prozent) und „Soziale Probleme“ (neun Prozent). Dass das Thema Flüchtlinge am meisten genannt wurde, „sei nicht verwunderlich, aber auch nicht erschreckend“, so Studienleiter Prof. Kai-Uwe Schnapp. Unter denjenigen, denen dieses Thema auf den Nägeln brenne, seien keinesfalls nur „Ausländerhasser“, sondern auch Menschen, die sich mehr Unterstützung wünschten. Verkehr und Wohnraum hingegen seien „Probleme, die in jeder Metropole auftreten“, so der Professor.

Linke- und AfD-Wähler sind treu

Auch einen weiteren Aspekt untersuchte die Studie der Universität: die Treue der Wähler zu den Parteien. „Linke und AfD fallen demnach als die Parteien auf, die sich am meisten auf die Treue ihrer Wähler verlassen können“, heißt es in der Untersuchung. „Etwa 89 Prozent der Befragten, die angegeben haben, bei der Bürgerschaftswahl 2015 für die Linke abgestimmt zu haben und 88 Prozent der ehemaligen AfD-Wähler sind bereit, auch heute für dieselbe Partei ihre Stimmen abzugeben.“ Unter den SPD-Wählern von 2015 würden 84 Prozent bei ihrer Wahl bleiben, bei den Grünen 82 Prozent. Die FDP könnte derzeit lediglich 72 Prozent ihrer Wähler von 2015 halten, die CDU 70 Prozent.

In Deutschland kann man gut leben

Abgefragt wurden auch Deutschlandbild und politisches Selbstbewusstsein. Demnach bejahen satte 99 Prozent der Befragten die Aussage, dass man alles in allem in einem Land wie Deutschland gut leben könne. Immerhin 52 Prozent stimmen allerdings auch voll oder eher dem Satz zu: „Die Politiker kümmern sich nicht viel darum, was Leute wie ich denken.“ Unter den AfD-Wählern sind es sogar 80 Prozent, unter Linken-Wählern 68 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis: Rund vier Fünftel der Hamburger haben Vertrauen in das eigene politische Wissen. Nur 52 Prozent trauen sich aber zu, „in einer Gruppe, die sich mit politischen Fragen befasst, eine aktive Rolle zu übernehmen“. Das größte Vertrauen in die eigene Politikfähigkeit haben die AfD-Wähler. Von ihnen trauen sich 64 Prozent eine aktive Rolle in der Politik zu.

Insgesamt sind den Wählern die Parteien nicht unterscheidbar genug. Nur 26 Prozent aller Befragten stimmten voll oder eher der Aussage zu „Parteien unterscheiden sich so, dass der Bürger klare Alternativen hat“. Unter den AfD-Wählern waren es nur 16 Prozent.

Wie sich AfD-Wähler von anderen unterscheiden

Hamburg Die Wähler der AfD unterscheiden sich nicht nur in der Einschätzung politischer Sachfragen deutlich von denen anderer Parteien – sie haben in Teilen auch eine grundsätzlich andere Weltsicht. Auch dies ist ein Ergebnis der Umfrage der Universität Hamburg.

„Um noch mehr über die Wählerschaft der AfD zu erfahren, haben wir die Befragten gebeten, eine Reihe von Fragen zu beantworten, mit denen nationalistische und rechtsextreme Einstellungen identifiziert werden“, so die Autoren der Studie. So stimmten 36 Prozent der befragten AfD-Wähler der Aussage zu „wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“. Bei den Anhängern der anderen in der Bürgerschaft vertretenen Parteien waren es lediglich neun Prozent.

AfD-Wähler fürchten Einfluss der Juden

59 Prozent der befragten AfD-Wähler stimmten auch diesem Satz zu: „Auch heute ist der Einfluss von Juden groß“ (andere Bürgerschaftsparteien: 16 Prozent). Immerhin 36 Prozent der AfD-Anhänger unterstützen die Aussage „Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert“ (übrige: sieben Prozent). 40 Prozent der AfD-Wähler finden, „der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten“ (übrige: sechs Prozent), und 22 Prozent stimmen dem Satz zu „Es gibt wertvolles und unwertes Leben“ (übrige: 14 Prozent). Genau jeder vierte befragte AfD-Wähler hält die Deutschen für ein überlegenes Volk: 25 Prozent stimmen der Aussage zu: „Andere Völker mögen Wichtiges vollbracht haben, an deutsche Leistungen reicht es aber nicht heran.“

Teile der AfD-Wähler sind Extremisten

Für die Autoren der Umfrage zeigt dies die Nähe von Teilen der AfD-Klientel zum Extremismus. „Alles in allem kann festgestellt werden, dass die Wählerschaft der AfD tendenziell häufiger den Aussagen zustimmt, mit denen rechtsextreme Einstellungen identifiziert werden“, schreiben sie in der Untersuchung. „Sie neigt häufiger als die Wähler der anderen Parteien zu verschwörungstheoretischen und antisemitischen Ansichten. Zugleich äußern die Befürworter der AfD häufiger den Wunsch nach einer starken Führungsfigur und neigen zur deutlich positiveren Bewertung der NS-Diktatur.“

Wenig überraschend ist dagegen der Unterschied bei einem der AfD-Hauptthemen. 78 der Prozent der befragten AfD-Wähler gaben an, sie würden über eine Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft wütend werden. Bei den Wähler der übrigen Bürgerschaftsparteien waren es 20 Prozent – im Gesamtdurchschnitt aller Wähler 24 Prozent.