Internationale Gartenschau

igs endet mit Defizit von maximal 37 Millionen Euro

Mit der Übergabe des Staffelholzes an die Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion endete am Abend die Internationale Gartenschau in Hamburg. Neben der schlechten Bilanz bleibt aber noch etwas zurück.

Hamburg. Die Internationale Gartenschau (igs) endet nach 171 Tagen in Hamburg. Am Abend übergab Hamburgs zweite Bürgermeisterin, Dorothee Stapelfeldt (SPD), das traditionelle Staffelholz an die Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion.

Unterdessen hat igs-Chef Heiner Baumgarten bekannt gegeben, dass das Defizit der Internationalen Gartenschau (igs) in Wilhelmsburg auf maximal 37 Millionen Euro gewachsen ist. Zuvor war von einem Minus von rund 25 Millionen Euro ausgegangen worden. Statt der geplanten 2,5 Millionen Gäste besuchten nur etwa 1,2 Millionen Menschen die Gartenschau. Vor allem die Hamburger selbst interessierten sich weit weniger für die igs, als es sich die Veranstalter erhofft hatten.

Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) nannte den verregneten Frühling, die Konkurrenz mit anderen Großveranstaltungen der Metropole wie Hafengeburtstag und Kirchentag als Gründe für den geringen Zuspruch. „Die Schwelle, die Wilhelmsburg in vielen anderen Teilen Hamburgs hat, ist noch zu hoch“, sagte die Politikerin.

„Senatorin Blankau ist als Aufsichtsratsvorsitzende der igs persönlich verantwortlich für die betriebswirtschaftlichen Ziele und Vorgaben für die Gartenschau, also auch für die Festlegung der Eintrittspreise", sagte jetzt CDU-Haushaltspoltiker Roland Heinze." Wieso hat Frau Blankau die Kritik an den Preisen monatelang ausgegessen und die Chance nicht genutzt, den Eintritt zu senken? Wieso wurde nicht deutlich offensiver für die igs geworben?" Das wochenlange "Nichtstun" des Senates trotz der lange bekannten Probleme koste die Hamburgerinnen und Hamburger nun mehrere Millionen Euro. "Der Senat ist den Hamburgern Antworten schuldig", so Heintze. "Wir verlangen Einsicht in die Unterlagen der betroffenen Aufsichtsratssitzungen der igs."

Was bleibt aber nun außer der Negativbilanz?

Ausstellungsgelände wird Inselpark

Eine weitere Zielsetzung der igs kann jedoch umgesetzt werden. So wird das 100 Hektar große Ausstellungsgelände zum Wilhelmsburger Inselpark umgestaltet – mit Grillwiesen, kostenfrei nutzbaren Spiel- und Sportflächen, Kanurundkurs und einem Kiosk mit WC. "Unmittelbar nach Ende der Ausstellung am 14. Oktober fangen wir an", sagt igs-Geschäftsführer Heiner Baumgarten. Rückbau mag er es nicht nennen. "Das klingt, als ob wir etwas wegnehmen."

Auf einem Rundgang erklärt Baumgarten, der im nächsten Jahr für die Umgestaltung verantwortlich ist, was sich ändern wird. Tatsächlich bleibt vieles, was den Gartenschau-Besuchern lieb geworden ist. Bei den Gärten der Bewegung und den Spielplätzen stand das von vornherein fest. Anderes hat sich aber erst im Laufe der Ausstellung als erhaltenswert herausgestellt. Beispielsweise der markante Sansibar-Felsen. "Der hat sich zu einer Attraktion entwickelt, die wir auch den künftigen Parkbesuchern nicht vorenthalten wollen", sagt Baumgarten. Oder der mehrere hundert Meter lange Rosenboulevard. "Für dessen Pflege suchen wir jetzt Paten aus dem Stadtteil", so der igs-Chef. Das Interesse, Bestandteile der Gartenschau zu erhalten, sei bei vielen Wilhelmsburgern vorhanden. Jetzt gelte es zu prüfen, wer sich engagieren könne.

Grundsätzlich ist der neue Wilhelmsburger Volkspark ab dem 14. Oktober für alle geöffnet – lediglich die Bereiche, in denen Arbeiten stattfinden, sind durch Bauzäune abgesperrt. Wie lange es dauert, bis alles fertig gestellt ist, hängt von der jeweiligen Maßnahme und dem Wetter ab. "Die ersten Bereiche werden wir schon nach zwei Wochen wieder freigegeben können, andere erst nach ein paar Monaten", so Baumgarten. Das ist im Einzelnen geplant:

Aus der Welt der Häfen, hinter dem Haupteingang, verschwinden sämtliche Container. Die mit Metall eingefassten Beete entlang des Hauptweges allerdings bleiben bestehen. Im vorderen Bereich des Areals entsteht ein gepflasterter Platz, im hinteren Teil eine Wiese mit 50 Bäumen. "Hier werden die Parkbesucher, ähnlich wie im Stadtpark, Fußball spielen können", sagt Heiner Baumgarten.

Die elf Gärten in der Welt der Bewegung sind von Anfang an offen und frei zugänglich. "Hier bleibt alles weitgehend unverändert", sagt Baumgarten. Die Parkbesucher können Yoga, Kraft- und Ausdauertraining machen, skaten und Fuß- oder Basketball spielen. Nur Wasser-Soccer wird nicht mehr möglich sein: Weil die Pflege zu aufwendig ist, wird das Becken voraussichtlich mit Sand gefüllt. Alle Angebote sind kostenfrei, nur für Hochseilgarten, Kletterhalle und Schwimmbad ist Eintritt fällig.

Am Kuckucksteich in der Welt der Kulturen soll das neue Herzstück des Inselparks entstehen. Für den "Willi-Villa" genannten Kiosk läuft gerade eine Ausschreibung im Stadtteil. Er soll von Wilhelmsburgern betrieben werden. "Es gibt mehrere Interessenten", so Baumgarten. Die hölzerne Terrassenfläche zwischen Kiosk und Gewässer, die während der vergangenen Monate Lieblingsplatz vieler Besucher war, bleibt ebenso wie das große Staudenbeet. Die Schaubeete nebenan werden in eine große Liegewiese umgewandelt. Auch die Bühne Ost bleibt Bestandteil des Parks, mitsamt den stufenförmig angeordneten Sitzgelegenheiten und der Technik, die im Boden versenkt ist. "Dort sollen Künstler oder Schulen aus dem Stadtteil die Gelegenheit bekommen, sich zu präsentieren", erklärt der igs-Chef. Hinter der Bühne stehen die Kletterhäuser "Hütten und Paläste". Wie alle Spielplätze der Gartenschau bleiben auch sie erhalten und werden sogar noch um Schaukelmöglichkeiten erweitert. Auch der Garten "Intermezzo" mit Grillstation bleibt, ebenso wie die Gemeinschaftsgärten "Heimat" (acht Hochbeete mit Pflanzen aus verschiedenen Kulturen) und "Sit Down" (eine hölzerne Terrasse mit von Schülern gestalteten Möbeln).

Sansibar-Felsen bleiben

Die stacheligen Stahlkugeln und aus dem Schilf ragenden Plastikrohre der Naturwelten dagegen werden abgebaut. Statt der futuristischen Gärten wird es hier künftig nur eine große Röhrichtfläche geben. Ob die Stege, die schon jetzt durch das Biotop führen, bleiben können, wird gerade mit der Umweltbehörde geklärt.

In der Welt der Kontinente überdauern mit dem Sansibar-Felsen zwei weitere Gärten. So laden die von innen glitzernden Betonröhren von Atlantis auch in Zukunft zu unterirdischen Entdeckungstouren ein. Und die von Lärchen umgebenen Granit-Sitzblöcke des Gartens Via Mala könnten, sagt Heiner Baumgarten, zu einem beliebten Treffpunkt werden. Auch die blauen Blütenmeere zwischen den "Kontinenten" sowie die Holzstege, auf denen man sie überqueren konnte, bleiben bestehen und werden den künftigen Inselparkbesuchern einen Eindruck der vergangenen Gartenschau vermitteln.

Ähnlich ist es in den Wasserwelten. Dort könnten die kleinen Gäste in den nächsten Sommern fast genauso viel Spaß haben wie zu Zeiten der igs. "Solange die Pumpen es mitmachen, wird der Geysir sprudeln", verspricht Heiner Baumgarten. Auch Wasser- und Wüstenspielplatz bleiben weiter bestehen. Die Schollen, deren Schichtwände dieser Themenwelt ihre Struktur gegeben haben, werden mit Rasen bepflanzt und können – wie alle Grundflächen des künftigen Inselparks – betreten und bespielt werden.

In der Welt der Religionen werden die Schaugräber und das bewegliche Mobiliar der Gärten abgebaut. Der interreligiöse Brunnen in ihrer Mitte aber wird erhalten. "Mit dem Altbaumbestand und den alten Gräbern wird der ruhige Charakter des ehemaligen Friedhofs wieder hergestellt", sagt igs-Chef Baumgarten. Hier, am West-Eingang des Parks, bleiben die schiffförmigen Hochbeete stehen, ebenso ein Hochbeet vor dem Restaurant Wasserwerk. Wie viel der vorhandenen Beetfläche insgesamt erhalten werden kann, verhandelt Baumgarten derzeit mit dem Bezirk Hamburg-Mitte, der ab 2014 für die Pflege des Parks verantwortlich ist. "Wir versuchen, so viele Stauden wie möglich umzusetzen und damit im Park zu belassen", sagt Baumgarten. Was nicht untergebracht werden kann, wird an städtische Parks abgegeben. Die 6000 Dahlien etwa, die jetzt im Süden der igs blühen, werden dem Dahliengarten in Altona vermacht. Noch aber sind sie ein Pfund, mit dem die Gartenschau wuchern – und in den letzten Wochen noch Besucher anlocken kann.