Verkehr

Tempo 30 kommt in Hamburg nur schleppend voran

Vor mehr als zwei Jahren empfahl der Senat Tempo-30-Zonen für 91 Straßen. Umgesetzt wurde davon bisher wenig. In einem der sieben Bezirke wurde noch keine Straße umgewandelt. Hier der Überblick.

Hamburg. Die Einrichtung neuer Tempo-30-Zonen in Hamburg geht nur schleppend voran. Mehr als zwei Jahre ist es her, dass der Senat eine Liste mit 91 Straßen herausgab, für die ein solches Tempolimit empfohlen wurde. Die Maßnahme soll unter anderem für mehr Verkehrssicherheit und bessere Luft sorgen sowie den Straßenlärm reduzieren.

Realisiert wurde davon bis heute aber nur rund ein Drittel. Das ergab eine Anfrage des Hamburger Abendblattes in den sieben Bezirksämtern. Demnach sind inzwischen in gerade einmal 30 Straßen Tempo-30-Zonen eingerichtet worden.

In vielen Fällen hakt es daran, dass zunächst teure Umbaumaßnahmen nötig wären, die Zeit und Geld kosten – Geld, das den Bezirken zum Teil fehlt. Auch gibt es an einigen Stellen Probleme mit dem Busverkehr, der durch ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde gebremst würde.

Alle Empfehlungen umgesetzt hat bisher lediglich der Bezirk Bergedorf – hier stand mit dem Neuengammer Hausdeich allerdings auch nur eine einzige Straße auf der Liste.

In Eimsbüttel hingegen gilt bisher in noch keiner der zehn aufgelisteten Straßen Tempo 30. An der Emil-Andresen-Straße laufen derzeit die Umbaumaßnahmen, in etwa einem Jahr solle die Umwandlung dort beendet sein, sagte Aileen Röpcke aus dem Bezirksamt. Für Grindelhof und Hallerplatz solle nach den Sommerferien eine Bürgerbeteiligung stattfinden. An den Straßen Alsterterrasse, Alsterufer, Neue Rabenstraße/Siegfried-Wedells-Platz und Warburgstraße solle voraussichtlich 2014 mit der Planung begonnen werden, da derzeit noch Hochbaumaßnahmen im Gange seien. Auch die Planungen für den Harvestehuder Weg, den Lohkoppelweg und die Schlankreye (zwischen Bogenstraße und Grindelberg) würden frühestens ab 2014 beginnen, so Röpcke.

Relativ weit ist man im Bezirk Hamburg-Nord. Dort wurde die Senatsempfehlung schon an zehn Straßen umgesetzt. Katharina-Jacob-Weg, Weg Nr. 173, Weg Nr. 174 und Rathbusch wurden bereits im August 2011 zu einem Tempo-30-Gebiet umgewandelt worden, teilte Katja Glahn aus dem Bezirksamt Nord mit. Ebenfalls umgewandelt sind Heubergredder, Lessingstraße, Lupinenkamp, Max-Nonne-Straße, Willistraße und Wolfssonweg. Bei fünf der 16 empfohlenen Straßen gibt noch Probleme, weil hier teure und aufwendige Umbauarbeiten nötig wären und Tempo 30 auch den Busverkehr bremsen könnte. In der Gertigstraße, der Dithmarscher Straße, der Flughafenstraße, dem Fuhlsbüttler Damm und der Zimmerstraße gibt es daher noch keine konkreten Zeitpunkte zur Einführung von Tempo 30.

Unklar ist, wer für die Sackgasse am südlichen Ende der Heilwigstraße zuständig ist. Dieser Straßenabschnitt taucht auf der Empfehlungsliste für den Bezirk Nord auf, gehört laut Bezirkszuordnung aber zu Eimsbüttel. Klar ist aber: Tempo 30 gilt hier bisher nicht.

Auch im Bezirk Altona hat sich schon einiges getan. Hier wurde in zwei der drei empfohlenen Straßen Tempo 30 eingeführt, nämlich an der Parkstraße zwischen Elbchaussee und Jungmannstraße sowie am Bahrenfelder Kirchenweg zwischen Von-Sauer-Straße und Friedensallee. An der Elbchaussee ist eine Umwandlung im Jahr 2014 geplant, allerdings sind dort zunächst bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung nötig. „Wir beabsichtigen im Bereich des Knotens Elbchaussee/Ole Hoop aufgrund des dort vorhandenen großzügigen Straßenraumes einen so genannten Minikreisel zu errichten“, so Kerstin Godenschwege vom Bezirksamt Altona.

Im Bezirk Harburg sind zumindest in vier der acht vom Senat empfohlenen Straßen schon Tempo-30-Zonen eingerichtet worden: Cranzer Elbdeich, Dubben, Estedeich und Hausbrucher Moor.

In der Hasselwerder Straße prüfe die Verkehrsbehörde wegen der vielen Deichzufahrten noch, ob eine Umwandlung sinnvoll ist, hieß es aus dem Bezirksamt. In der Bissingstraße, der Haackestraße und der Triftstraße seien noch Umbaumaßnahmen erforderlich, bevor hier Tempo-30-Zonen eingerichtet werden können. Wann eine Umwandlung erfolge, sei noch nicht genau absehbar.

Sehr viel zu tun ist noch im Bezirk Wandsbek. In gerade einmal fünf von 27 Straßen gilt mittlerweile Tempo 30, nämlich am Immenhorstweg, Kupferteichweg, Lottbeker Weg, Rügelsbarg und Voßkulen. Noch in diesem Jahr folgen voraussichtlich fünf weitere, nämlich die Alte Dorfstraße, Claus-Ferck-Straße, Dorfwinkel, Frahmredder, Im Alten Dorfe.

Bei einigen Straßen ist noch nicht klar, wann eine Umwandlung erfolgen kann, da erst Baumaßnahmen zur Verkehrsberuhigung durchgeführt werden müssen, teilte Lena Voß aus dem Bezirksamt Wandsbek mit. In folgenden sieben Straßen wird wohl noch in diesem Jahr zumindest die straßenverkehrstechnische Planung aufgelegt: Alsterredder, Brunskrogweg, Langenstücken, Müssenredder, Ohlstedter Platz, Tegelweg (von Rönkkoppel bis Farmsener Höhe sowie in einem weiteren Abschnitt von Farmsener Höhe bis Am Luisenhof/ nördlich Swebenbrunnen).

Bei einigen Straßen hat die Bezirksversammlung gegen eine Einführung von Tempo 30 votiert, so für die Busbrookhöhe, Farmsener Landstraße, Groten Hoff, Heestweg/Altrahlstedter Redder, Rockenhof, Schierenberg, Wolliner Straße und Zamenhofweg. In diesen Straßen ist Tempo 30 also vom Tisch, ebenso wie am Tegelweg zwischen Friedrich-Ebert-Damm und Eckerkoppel, weil diese Straße für Linienwegveränderungen der Buslinie 167 offengehalten werden soll. Auch an der Walddörferstraße zwischen Berner Heerweg und Am Stadtrand würde eine Tempo-30-Regelung für Probleme mit dem Busverkehr sorgen. Hier plant die Hochbahn eine neue Buslinie für die Busbeschleunigung.

Auch im Bezirk Hamburg-Mitte ist noch viel zu tun. Hier standen 26 Straßen auf der Empfehlungsliste des Senats. In acht davon gibt es mittlerweile Tempo 30, und zwar in den Straßen Bei der Windmühle, Billhorner Mühlenweg, Billwerder Neuer Deich, Cremon, Hardenstraße, Krieterstraße, Neue Gröningerstraße und Öjendorfer Weg.

Für die übrigen 18 Straßen, nämlich Billufer, Fährstraße, Hühnerposten, Klostertor, Merkenstraße, Münzplatz, Münzstraße, Norderstraße, Osterbrook, Prassekstraße, Repsoldstraße, Rosenallee, Schultzweg, Siedenfelder Weg, Steinbeker Weg, Veringstraße, Westerstraße und Woltmanstraße, stehe eine endgültige Entscheidung noch aus, sagte Sorina Weiland aus dem Bezirksamt. In einigen Fällen gebe es Probleme mit dem Busverkehr. Daneben werde für die Straßen im Münzviertel geprüft, ob man statt einer Umwandlung der einzelnen Straßen das gesamte Gebiet zur Tempo-30-Zone erkläre, sagte Weiland.

Dass nach mehr als zwei Jahren erst ein so kleiner Teil der Senatsempfehlungen umgesetzt wurden, überrascht den CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Klaus-Peter Hesse. „Ich hätte in diesem Fall eine schnellere Umsetzung erwartet“, sagte er. „Die Empfehlungen waren ja mit allen Bezirken und beteiligten Behörden abgestimmt und haben schon ihren Sinn.“ Hesse spricht sich für die Einrichtung von Tempo-30-Zonen aus – „da, wo Menschen wohnen und unter dem Straßenlärm leiden“. Anders sei die Situation bei den Hauptverkehrsstraßen. „Finger weg von den Lebensadern der Stadt“, sagt Hesse, „es darf durch Tempo 30 nicht zu Nachteilen für den Wirtschafts- und Logistik-Standorts Hamburg kommen.“

Die Liste mit den 91 Straßen, für die der Senat im Mai 2011 die Einführung von Tempo 30 empfahl, wurde in zwei Tranchen von Bezirken, der Verkehrsbehörde, dem HVV und anderen Verkehrsbetrieben sowie Polizei und Feuerwehr erarbeitet. Für die Finanzierung der Umsetzung sind je nach dem, ob es sich um eine Hauptverkehrs- oder eine Bezirksstraße handelt, die Verkehrsbehörde oder die jeweiligen Bezirke zuständig. Den Bezirken stehen dafür Mittel aus dem Topf "Neu, -Um und Ausbau von Straßen" zur Verfügung.