Lärmschutz

So will Hamburg den Verkehr leiser machen

Weniger Lärm durch Flugzeuge, Züge und Autos. Noch in diesem Jahr werden vier Hauptstraßen nachts zu Tempo-30-Zonen. Mehr Lärmschutz für Anwohner von Bahntrassen.

Hamburg. Des einen Freud, des anderen Leid: Während Niendorf noch bis Mitte September vom Fluglärm weitgehend verschont wird, bleibt es in Alsterdorf, Hamm und der Innenstadt laut. Der Grund: Der Startbahnkopf im Südwesten des Flughafens wird saniert. Zugleich plant die Stadt Maßnahmen gegen Fluglärm sowie zum ersten Mal nächtliche Tempolimits auf vier Straßen und mehr Lärmschutz für Anwohner von Bahntrassen.

Seit Dienstagmorgen arbeiten 22 Firmen und rund 80 Arbeiter auf der Großbaustelle, um die Landebahn 05/23 im Süden Niendorfs zu erneuern. Die Bauarbeiten kosten rund 5,6 Millionen Euro. Eine Fläche von 18.000 Quadratmetern Beton wird dabei komplett erneuert. Und dabei wird es mächtig laut.

Pünktlich zum lärmintensiven Baubeginn am Flughafen hat sich der Hamburger Senat mit der zweiten Stufe des Lärmaktionsplans (LAP) befasst. Insgesamt sieht der LAP neun Maßnahmen vor, mit denen Beiträge zur Lärmminderung geleistet werden sollen. Dabei geht es auch um Fluglärm. So soll es unter anderem spezielle Startbahnbenutzungsregeln zur Entlastung dicht besiedelter Gebiete geben, dazu „lärmoptimierte Abflugrouten“ und eingeschränkte Betriebszeiten, also Nachtflugbestimmungen. Zudem ist der Betrieb einer Lärmschutzhalle für Probeläufe geplant, ein passiver Schallschutz über die gesetzlichen Anforderungen hinaus und Siedlungsbeschränkungszonen, damit nicht noch mehr Anwohner unter Fluglärm leiden.

Mit diesem Katalog wird der gesetzliche Auftrag der Europäischen Union zur Erstellung eines Lärmaktionsplans erfüllt. Der LAP listet die Schwerpunkte der Stadt zur Lärmminderung auf Straßen, Schienen und am Flughafen auf. Weil besonders viele Anwohner von Autolärm betroffen sind, liegt hier der Schwerpunkt. Dazu gehören ein Verkehrsentwicklungsplan als Planungsgrundlage und ein gesamtstädtisches Verkehrsmodell zur Simulation der Verkehrsabläufe. Daneben soll die Elektromobilität weiter gefördert sowie eine Pendler- und Besucherstrategie erarbeitet werden, um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu fördern und zu erleichtern. Zudem sieht der LAP ein „Programm der lautesten Straßen“ vor. Darin sollen zunächst die 40 am stärksten von Lärm belasteten Straßen geprüft werden, ob sie für den Einbau lärmmindernder Fahrbahnbeläge geeignet sind, oder ob ein Tempolimit oder Schallschutzfenster infrage kommen.

Auch werden in zwölf Pilotprojekten Vorschläge für gezielte Lärmminderungsmaßnahmen an solchen Straßenabschnitten gemacht, die besonders belastet sind. Auf vier Straßen soll noch in diesem Jahr die Einführung von Tempo 30 zur Nachtzeit (22 bis 6 Uhr) getestet werden: auf der Fuhlsbüttler Straße (Barmbek-Nord) zwischen der Barmbeker-Ring-Brücke und der Hellbrookstraße, Winsener Straße (Harburg) zwischen Jägerstraße und dem Anschluss an die A253), Moorstraße und Harburger Chaussee (Harburg)zwischen der Straße An der Hafenbahn und dem Beginn der gewerblichen Bebauung 500 Meter westlich.

Schließlich soll auch der Lärm gemindert werden, der vom Schienenverkehr ausgeht. So sind Maßnahmen direkt am Gleis, der Einsatz von Schallschürzen und sogenannten Niedrigstschallschutzwänden im Gleisbereich vorgesehen sowie Schallschutzfenster für anliegende Häuser. Die Umsetzung sämtlicher Maßnahmen soll jedoch mehrere Jahre dauern.

Dem Flughafen ist mit diesen Maßnahmen aktuell also noch nicht geholfen: Zehn Wochen wird dort gearbeitet, am 16. September soll der normale Flugbetrieb wieder laufen. Bis dahin ist der Start- und Landebetrieb teilweise eingeschränkt. Die Landungen, die nicht mehr über den Niendorfer Startbahnkopf, also über die westliche Landebahn 05/23, erfolgen können, werden bis zum Ende der Bauarbeiten über die anderen drei Richtungen abgewickelt. Zu vermehrtem Fluglärm wird es durch die häufigere Nutzung vor allem in Richtung Alsterdorf, Hamm und im Innenstadtbereich kommen. „Wir versuchen den natürlich so gering wie möglich zu halten“, sagt Bauleiter Günter Zinnitsch.

Zu einer größeren Belastung wird es dann vom 25. Juli bis 1. August und vom 5. August bis 11. August kommen, wenn die Startbahn komplett gesperrt wird. Dann wird der gesamte Flugbetrieb über die Landebahn 15/33 (Norderstedt, Alsterdorf) abgewickelt. Davon wird auch die Innenstadt stärker betroffen sein. Trotz der Nutzung nur einer Landebahn werde es nachts nicht lauter als sonst. „Dass die Nachtruhe nach 23 Uhr gestört wird, kann ich ausschließen“, sagt Johannes Scharnberg, Leiter des Flugbetriebs am Airport in Fuhlsbüttel. Auch auf der Großbaustelle ist man mit besonders leisen Baumaschinen um Lärmschutz bemüht.