Religion

So fanden drei Hamburger zu ihrem Glauben

Gotteserlebnisse: Abendblatt-Redakteurin Hanna-Lotte Mikuteit hat drei Hamburger getroffen, die von einem Wendepunkt in ihrem Leben erzählen.

Dennis Helm: Ich habe eine Botschaft, und ich spüre, dass sie ankommt

Auf der Bühne stehen und singen, bejubelt von Tausenden Fans. Das, sagt Dennis Helm, sei für ihn das Größte gewesen. Sein Traum. „Ich wollte Popstar werden.“ Einmal habe er sich beinah am Ziel gefühlt. Das war 1996. Sein Song hieß „Let me be the rain“ und lief auf allen Radiostationen. Produziert von Jack White, der auch schon David Hasselhoff oder Laura Branigan mit „Self Control“ an die Spitze der Charts gebracht hatte. „Ich dachte, ich hätte es geschafft“, sagt der 39-Jährige, und man hört immer noch die Hoffnungen von damals in seiner Stimme. Stattdessen folgte ein brutaler Absturz. Gerade noch Newcomer mit Hitpotenzial flog Dennis Helm bei voller Umdrehung aus dem Musikgeschäft in die Umlaufbahn der Bedeutungslosigkeit. Warum, weiß er bis heute nicht so recht. Aber damals kostete es ihn fast alles. „Mein Lebenstraum war zerbrochen.“

Da war er 23 Jahre alt. Ein gut aussehender Junge, Mädelsschwarm. Der Hamburger hatte erfolgreich gemodelt und sogar einen Preis eingeheimst, war erfolgreich mit seiner Band „Et Cetera“ durch die Clubs der Stadt getourt. Von morgens früh bis abends hatte er hart für seine Karriere gearbeitet, neben Zivildienst und Geldverdienen im Fitnessstudio seines Vaters, dem früheren Hamburger Boxmeister im Super-Schwergewicht, Georg Helm. „Ich habe mich dann ins Partyleben geflüchtet. Viel Alkohol, auch Drogen ausprobiert, immer wieder neue Frauen. Ich war ein Getriebener“, sagt der Zwei-Meter-Mann. Einmal holte er mit einer neuen Formation, einer Deutsch-Rap-Band, den zweiten Preis bei einem MTV-Wettbewerb. Irgendwann danach ist es passiert. Nach einer durchzechten Nacht begleitete Helm eine Freundin in die Tonndorfer Kirche. „Ich fühlte mich total deplatziert“, erinnert er sich. Als Kind war er mit seinen Großeltern und dem Vater häufig in den Gottesdiensten der Baptistengemeinde, aber dieser Pastor, der davon predigte, dass zur Balance in einem guten Leben auch das Feiern gehört, war etwas ganz anderes. „Ich fand das so interessant, dass ich meine Bibel aus dem Schrank geholt habe.“ Ein Jahr später ließ er sich taufen. „Mir ist klar geworden, dass meine Sehnsucht nach Anerkennung, Wahrnehmung und Liebe auf der Bühne nicht erfüllt werden würde. Ich stand damals an einer Weggabelung und habe mich für Gott entschieden.“

Es war wie eine Metamorphose. Dennis Helm verließ seine Freundin, zog zu seiner Mutter in ein Kellerzimmer. Er hatte keine Arbeit und kein Geld. „Die Bibel spricht vom Zerbrechen des alten Menschen, damit etwas Neues entstehen kann. Und genauso war es auch.“ Er begann, Musikwissenschaften zu studieren, schloss sich einer christlichen Studentengruppe an – und lernte seine heutige Frau Jannika kennen. „Nach sechs Wochen habe ich ihr einen Heiratsantrag gemacht. Wir sind füreinander bestimmt.“ Seit zehn Jahren arbeitet der Hamburger als selbstständiger Web-Designer, unter anderem betreut er das Internetportal kirche-hamburg.de. „Ich bin total dankbar, weil der Glaube mir eine Perspektive gegeben hat“, sagt er. Er sagt auch, dass nicht alles toll ist, nur weil man glaubt. „Es gibt auch Probleme, aber wenn man Menschen hat, die mit einem und für einen beten, ist das gut.“ Inzwischen ist er Vater, sein Sohn Jaron ist fünf Jahre alt. Er macht auch wieder Musik. Schon kurz nachdem er zum Glauben gefunden hatte, nahm er eine CD mit christlicher Popmusik auf. Unter dem Namen „Elian“. „Das passte zu dem neuen Leben.“ Für seine aktuelle CD „Stern, auf den ich schaue“ hat er Gesangbuchlieder neu vertont (www.sternaufdenichschaue.de). „Mir geht es gut, auch wenn ich nicht mehr vor Tausenden auf der Bühne stehe und angehimmelt werde“, sagt er. „Anders als früher, singe ich nicht irgendwelche englischen Zeilen, die sich auf Liebe reimen. Ich singe jetzt Deutsch. Ich habe eine Botschaft. Und ich spüre, dass sie ankommt.“