Kreuzfahrten

Neues Terminal in Altona ist schon zu klein

Hamburg erwartet dieses Jahr 400.000 Kreuzfahrt-Passagiere - dritter Standort am Grasbrook geplant. "Hamburg stößt an seine Kapazitäten."

Hamburg. Feine Wurzelholz-Vertäfelung an den Wänden, gediegenes britisches Ambiente in den Edelrestaurants - so präsentiert sich die "Queen Elizabeth" von innen, die gestern von Altona aus zu einer 111 Tage langen Weltreise ablegte. Zwischen knapp 15.000 und 120.000 Euro zahlen die Passagiere für den Trip, Trinkgelder inklusive. Dafür schippern sie jetzt nicht nur in wohl sonnigere Gegenden, sondern können auch von sich behaupten, beim Start der neuen Kreuzfahrtsaison in Hamburg dabei gewesen zu sein. Und die soll wieder neue Rekorde brechen, hieß es gestern während einer Pressekonferenz in einem der feinen Salons an Deck des Cunard-Schiffs. 2011 hatten 118-mal Kreuzfahrtschiffe mit 314.000 Gästen an Bord in der Hansestadt festgemacht, in diesem Jahr sollen es 164 Anläufe mit mehr als 400.000 Passagieren werden. "Hamburg stößt an seine Kapazitäten", sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) und bestätigte Pläne für den Bau eines dritten Kreuzfahrtterminals in der Stadt. "Wir sind da in tieferen Überlegungen", so der Senator. Noch in diesem Jahr solle eine Entscheidung fallen.

Tatsächlich ist mit der avisierten Zahl von 164 Schiffen offenbar eine Grenze erreicht, sodass die beiden Terminals in Altona und der HafenCity gelegentlich ausgebucht sind. Schon in diesem Jahr müssen einige Schiffe daher mitten im Freihafen am O`swaldkai abgefertigt werden. Und auch für das neue Kreuzfahrtterminal Altona soll in diesem Jahr die Zahl der ursprünglich geplanten Anläufe aufgestockt werden. Aus Lärmschutzgründen sollten ursprünglich nur bis zu 50 Schiffe in einem Jahr festmachen. Doch für 2012 sind schon jetzt 70 Kreuzfahrer angemeldet. Es habe da Gespräche gegeben, um die Zahl zu erhöhen und von der ursprünglichen Vereinbarung abzuweichen, sagte Horch.

+++ Mehr Meer +++

+++ 2012 wird das große Jahr der Traumschiffe +++

Bis zum Jahr 2015 erwarte der Branchenverein Hamburg Cruise Center (HCC) zudem noch einmal eine Steigerung auf dann 500 000 Passagiere, die Hamburg besuchen. Eine enorme Zunahme, wenn man bedenkt, dass die Zahl noch 1990 bei gerade 18 000 gelegen hatte. Bis zum Jahr 2015 müsse Hamburg daher ein drittes Terminal in Betrieb nehmen, hieß es kürzlich aus der Branche.

Als geeigneten möglichen Standort für ein drittes Hamburger Kreuzfahrtterminal bezeichnete der Wirtschaftssenator das sogenannte Übersee-Zentrum auf der südlichen Elbseite auf dem Kleinen Grasbrook. Tatsächlich gibt es im Hafen kaum andere Flächen, die sich zu einem Passagierterminal umbauen ließen. Autobahn und Hauptbahnhof befinden sich dort zudem in relativer Nähe - was gerade für die Abwicklung von großen Passagierzahlen von Vorteil wäre, wie es in der Kreuzfahrtbranche heißt. Zumal der Trend zu Schiffen mit bis zu 5000 Fahrgästen gehe.

Das Gelände an den Freihafenbrücken und gegenüber der HafenCity war schon einmal für eine später wieder verworfene Verlagerung der Hamburger Universität im Gespräch gewesen. Auch als möglicher Olympia-Standort wurde die Fläche gehandelt, die heute im Wesentlichen aus einem großen Lagerhauskomplex besteht. Noch bis 2025 gibt es dafür zwar Pachtverträge, doch im Zusammenhang mit den Uni-Plänen waren schon einmal Entschädigungszahlungen überlegt worden. Aus stadtplanerischer Sicht, mit Blick auf den "Sprung über die Elbe" und eine Verlängerung der U 4, sei dies auch ein "gut geeigneter Platz" für ein weiteres Kreuzfahrtterminal, sagte Horch. Allerdings müsse man die Haushaltslage der Stadt bedenken. "Wir können nicht einfach einmal so ein neues Terminal finanzieren." Daher gebe es Überlegungen für eine Beteiligung von privaten Investoren oder Unternehmen.

Angesichts der steigenden Zahlen von Kreuzfahrtschiffen kündigte der Wirtschaftssenator auch ein Konzept des Senats für die Energieversorgung von Schiffen während der Liegezeiten an. Hintergrund sind nahezu ungefilterte Schiffsabgase, die auch im Hafen anfallen, wenn die Schiffe Strom und Wärme zur Eigenversorgung produzieren. Der Umweltverband Nabu hat zu dieser Luftverschmutzung kürzlich eine Kampagne gestartet, die besonders Kreuzfahrtschiffe im Visier hat. "Es nützt aber nicht, nur ein Konzept für 120 Kreuzfahrtschiffe zu entwickeln, wenn jährlich 12 000 Seeschiffe den Hafen anlaufen", sagte Horch. Noch in diesem April werde der Senat zu der Problematik Vorschläge vorstellen, kündigte der Senator an. Und die würden sich nicht allein auf Landstrom konzentrieren: Bis spätestens 2013 etwa könnte es auch schwimmende Kraftwerke (Bargen) geben, die nachhaltig Energie produzieren und diese an Schiffe weitergeben. Auch eine Förderung von besonders schwefelarmen Treibstoffen sei ein denkbarer Weg.