Schiffsbesuche in der Hansestadt

Kreuzfahrer gucken im Hamburger Hafen

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Hans Schloemer

Die Hansestadt wird als Start- und Zielhafen immer wichtiger. In diesem Jahr stehen 164 Schiffsbesuche an - dazu kommen Cruise Days und eine Taufe.

An Schiffen besteht im Hamburger Hafen nun wirklich kein Mangel. Tag und Nacht herrscht reger Verkehr, Schiffe von imposanter Größe werden gelöscht und beladen. Das permanente Ein- und Auslaufen ist Normalität und gehört zum Stadtbild - so wie es sich für den drittgrößten Hafen Europas gehört. Und doch standen im Juli 2004 über 400 000 Menschen am Elbufer und bestaunten nur ein einziges Schiff: die "Queen Mary 2". Mit dem Premierenbesuch des Cunard-Oceanliners begann ein neuer Trend: Kreuzfahrer gucken, neudeutsch auch "Cruise Spotting" genannt. Inzwischen ist die "Königin der Meere" eine Dauerattraktion in der Hansestadt. In diesem Jahr macht sie gleich sechsmal ihre Aufwartung.

Wie populär das Anschauen von Kreuzfahrtschiffen geworden ist, bewies auch die Taufe der "Aidadiva" im April 2007. Die Zeremonie und das Multimediaspektakel des Lichtkünstlers Gert Hof verfolgten fast eine halbe Million "Seh-Leute" im Hamburger Hafen, dazu kamen vier Millionen Interessierte an den heimischen Bildschirmen. Insgesamt 118-mal machten allein 2011 Kreuzfahrtschiffe im Hamburger Hafen fest. Noch mehr zu gucken und zu fotografieren gibt es in diesem Jahr: Für die aktuelle Saison werden 164 Schiffsbesuche erwartet, davon 150 Start- und Ziel- sowie 14 Transitanläufe, was im Vergleich mit dem Vorjahr einer Steigerung von 39 Prozent entspricht.

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Die wichtigste Reederei für den Hamburger Hafen wird dabei erneut Aida Cruises sein. Die Rostocker kommen im Verlauf des Jahres auf 48 Abfahrten. Europas Nummer eins, Costa Kreuzfahrten, möchte die "Costa Pacifica" in Hamburg stationieren. Als absoluten Höhepunkt können sich alle Schaulustigen das Wochenende vom 17. bis 19. August vormerken, wenn gleich sieben Kreuzfahrtschiffe zu den Cruise Days 2012 einlaufen. Allen voran die "Queen Mary 2". Ebenfalls dabei sind "Aidaluna", "Aidamar", "Columbus 2", das ZDF-Traumschiff "Deutschland", "Astor" und MSC "Lirica". Die "Lirica" ist der erste Liner der Reederei MSC, der den gesamten Sommer über Touren von und nach Hamburg absolviert.

Am 17. August wird die Elbe zunächst zur Partymeile, wenn an den Landungsbrücken mehrere Tanzschiffe zur Cruise Night aufbrechen. Wer die Nacht durchtanzt, kann früh am nächsten Morgen miterleben, wie die imposanten Kreuzfahrer nach und nach stromaufwärts einlaufen. Am Sonntagabend folgen die große Gala mit Schiffshörnern und Feuerwerk und die Auslaufparade. Begleitet von Traditionsseglern und umschwirrt von unzähligen kleinen Barkassen, gleitet die weiße Flotte der Giganten langsam aus dem Hafen hinaus. Eine spektakuläre Schiffstaufe ist für den 12. Mai während des 823. Geburtstages des Hamburger Hafens geplant: Die neue "Aidamar" gesellt sich dann zur Aida-Flotte, die drei Schwesterschiffe "Aidablu", "Aidaluna" und "Aidasol" begleiten das jüngste Familienmitglied.

Wer Großereignisse nicht mag, der kann auf Kiel und Warnemünde ausweichen. So rechnet Kiel für 2012 mit 28 Schiffen und 140 Anläufen, allein während der Kieler Woche im Juni, werden 16 Kreuzfahrer erwartet. Eröffnet wird die Saison am 31. März von der "Aidacara". Befragt man amerikanische Kreuzfahrt-Passagiere mit Ostsee-Erfahrung nach Warnemünde, werden sie vermutlich ins Schwärmen geraten: "Berlin-Harbour is so incredibly romantic!" - Der Hafen von Berlin ist so unglaublich romantisch ...

Als "Berlin-Harbour" wird Warnemünde in englischsprachigen Reiseprospekten bezeichnet. Wohl, weil die Ozeanliner am Pier des Ostseebads festmachen und von dort ihre Gäste per Bus zum Tagesausflug in die deutsche Hauptstadt kutschieren. Tatsache ist: In keinem anderen deutschen Hafen sind mehr Kreuzfahrtschiffe zu sehen, keiner wächst so rasant. Die Zahlen für 2011: 46,3 Prozent mehr Passagiere und 38,6 Prozent mehr Anläufe. 34 Schiffe legten 158-mal an, was 259 000 Passagierbewegungen entspricht.

Dass 2012 noch erfolgreicher wird, weiß man in Warnemünde bereits. 40 Kreuzfahrtschiffe von 24 nationalen und internationalen Reedereien sind angemeldet, die zusammen 181-mal festmachen werden. Damit bleibt Warnemünde der wichtigste deutsche Kreuzfahrthafen. Und: Die meisten internationalen Reedereien haben das schmucke Seebad in der südlichen Ostsee in die Routenplanung aufgenommen, um ihren Gästen Landausflüge in die deutsche Hauptstadt Berlin zu ermöglichen.

Mit der Emerald Princess wird erstmals auch die US-Reederei Princess Cruises präsent sein. Sechs Schiffe feiern in diesem Jahr Warnemünde-Premiere: "Costa Allegra", "Costa Fortuna", "Gann", "Nautica", "Star Flyer" und "Ryndam". Am häufigsten zu Gast sind "Aidablu" (17-mal), "Aidasol" (16), "Costa Fortuna" (15), "Norwegian Sun" (15), "Empress" (zwölf) und "Emerald Princess" (elf). Drei Vierfachanläufe, am 10. Juni, 20. und 23. Juli und zwölf Dreifachanläufe stehen im Kalender und dürften reichlich Schaulustige zum Passagierkai locken. Den besten Überblick über das Kreuzfahrer-Spektakel verschafft sich der Interessierte vom 32 Meter hohen Leuchtturm, der 1897 aus weiß glasierten Ziegelsteinen erbaut wurde. Auch die Yachthafenresidenz Hohe Düne, das spektakuläre Hotelensemble auf der Landzunge östlich des Neuen Stroms, bietet beste Sicht.

Das traditionsreiche Seebad hat aber auch sonst einiges zu bieten. Die Uferstraße Am Strom atmet die Atmosphäre eines alten Fischerstädtchens, das sich für seine Besucher folkloristisch aufgehübscht hat. Fischkutter, Yachten, kleine Segelboote und auch der Seenotrettungskreuzer sind hier vertäut. Wie auf einer Perlenkette reihen sich blumengeschmückte ehemalige Kapitänshäuser mit kleinen Geschäften, Eisdielen, Cafés und Restaurants aneinander. Die gemütlichen Kneipen tragen so einladende Namen wie "Seehund" und "Seekiste". Mit fangfrischem Ostseefisch und lauter Herrlichkeiten aus dem Räucherofen lockt der Fischmarkt auf der Mittelmole. Hier versammelt sich alles, was Gräten hat und köstlich ist.