Hamburg

Harley-Days-Veranstalter verhandeln jetzt mit Norderstedt

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In Hamburg gibt's derweil Kritik aus den eigenen Reihen. Mehrere CDU-Politiker hinterfragen die Entscheidung des Senats öffentlich.

Hamburg. Die Nachricht, dass der Senat in diesem und wohl auch im nächsten Jahr die Harley Days nicht genehmigen will, hat für heftige Kritik auch in der CDU gesorgt. "Die Ablehnung der Harley Days durch den Senat ist kleinkariert und provinziell. Das ist einer Weltstadt wie Hamburg nicht würdig", sagte Altonas CDU-Fraktionsvize Sven Hielscher. Die CDU-Wirtschaftsexpertin Barbara Ahrons sieht das ähnlich: "Das Verhalten des Senats ist für mich nicht nachvollziehbar. Auch nicht aus Sicht des Umweltschutzes." Ahrons, die auch Vorsitzende der Hamburger Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) ist, sagte weiter: "Ich habe Angst, dass immer mehr Veranstaltungen einem überzogenen Klimaschutzgedanken zum Opfer fallen und der Wirtschaftsstandort Hamburg daran Schaden nimmt." Wie das Abendblatt am Dienstag exklusiv berichtete, sind die Harley Days nach Ansicht des Senats nicht mit Hamburgs Auszeichnung als Europäische Umwelthauptstadt 2011 (European Green Capital) zu vereinbaren. Das hatte Umweltsenatorin Anja Hajduk deutlich gemacht. Dabei hatte die GAL-Politikerin auch betont, dass das die einhellige Meinung des Senats sei.

Die Organisatoren der beliebten Großveranstaltung, an der im vergangenen Jahr 500.000 Besucher beteiligt waren, kümmern sich derweil bereits um einen neuen Standort für die „Harley Days“. In diesem Jahr geht es möglicherweise vor die Tore der Hansestadt. „Wir ziehen in Erwägung, ins Umland zu gehen“, sagte Veranstalter Uwe Bergmann. Das zu prüfen, sei der Auftrag von Harley Davidson. Dabei sei auch Norderstedt im Kreis Segeberg eine Option. Ein Sprecher der Stadt bestätigte den Kontakt.

Der FDP-Landesvorsitzende Rolf Salo sagte: "Bürgermeister Ole von Beust und seine grünen Spaßverderber schaden dem Wirtschaftsstandort Hamburg immer mehr." Die SPD begrüßt die Absage der Harley Days, aber Fraktionschef Michael Neumann kritisierte: "Jahrelang hat die CDU die Harley Days mit dem Hinweis auf Umsatzsteigerungen für unverzichtbar erklärt. Die Emissionsproblematik hat sie genauso jahrelang vom Tisch gewischt. Jetzt muss sich die CDU fragen lassen, ob im Senat der Schwanz mit dem Hund wedelt." Der Senat hatte Veranstalter Uwe Bergmann von der uba Event-Agentur bereits im Vorfeld signalisiert, dass es zumindest in diesem Jahr und 2011 kein grünes Licht für die Großveranstaltung mehr geben wird. Die Harley Days lockten seit 2004 Jahr für Jahr jeweils rund eine halbe Million Besucher an. Im vergangenen Jahr trafen sich die Biker auf dem Gelände neben der HSV-Arena im Bezirk Altona. Für CDU-Bezirkspolitiker Sven Hielscher steht fest: "Die Harley Days sind ein faszinierendes Event, nicht nur für Motorradfahrer." Die Harley Days soll es trotzdem auch in diesem Jahr geben. Veranstalter Bergmann prüft derzeit Standorte im Hamburger Umland. Als Termin wurde der 25. bis 27. Juni angegeben.

Inzwischen ist auch eine Diskussion darüber entbrannt, auf welche Veranstaltungen die Stadt in Zukunft setzt. Am 20. Januar trifft sich zum ersten Mal der neu eingerichtete Event-Ausschuss unter Federführung der Hamburg Marketing GmbH (HMG). Dieser soll Konzepte für Großveranstaltungen unter dem Gesichtspunkt der besonderen Attraktivität und Wirksamkeit für Hamburg prüfen. Dafür hat die HMG einen Katalog mit 18 Kriterien erstellt. Dazu zählen: Hat das Event einen starken Hamburg-Bezug? In welchem Umfang löst die Veranstaltung zusätzliche Wirtschaftseffekte in der Hansestadt aus?

Dem Ausschuss liegen nach Abendblatt-Informationen 44 Bewerbungen von Veranstaltern vor. "Der Event-Ausschuss bewertet die Veranstaltungen und gibt dann Empfehlungen an die zuständigen Bezirksämter ab", sagt Kausch. Vor dem Hintergrund Hamburgs als Europäische Umwelthauptstadt 2011 erarbeiten die Behörden derzeit einheitliche Maßstäbe, um Großveranstaltungen vom kommenden Jahr an möglichst "klimaneutral" durchführen zu können. Dann dürfte auch ein Event wie die Hamburg Cruise Days auf dem Prüfstand stehen. Kreuzfahrtschiffe sind besonders umweltschädlich: Ein großes pustet in einer Stunde etwa so viel in die Luft wie 50 000 Pkw in der gleichen Zeit.

Auch wegen der Verlegung des Fan-Festes anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 vom Heiligengeistfeld in die HSV-Arena (wir berichteten) wird die Kritik am Senat immer lauter. Juliane Timmermann und Jan Balcke, die für die SPD in der Bürgerschaft sitzen, wollen die "Hintergründe" der geplanten Verlagerung mit einer Kleinen Anfrage herausfinden. "Die Fans sollten nicht aus der Stadt vertrieben werden. Wir wollen, dass die Sportfans in Hamburg das Sommermärchen 2010 in der City erleben können", sagte Balcke. Das Abendblatt sprach auch mit Hans-Jürgen Schulke, ehemaliger Hamburger Sportamtsdirektor und einer der Pioniere des Public Viewing in Deutschland: "Das Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld hat auch viele Menschen angezogen, die ein Fan-Fest im Stadion nicht besuchen würden." Es werde schwer werden, in der außerhalb gelegenen HSV-Arena diese Zielgruppe zu erreichen.