Ver.di erhebt schwere Vorwürfe

Personalnot im UKE: Sind Patienten in Gefahr?

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Jan Haarmeyer

Die Mitarbeiter schrieben seit Januar insgesamt 200 "Gefährdungsanzeigen". Engpässe gibt es auch auf der Intensivstation. "Ich denke, dass die Dunkelziffer erheblich höher ist und halte die Patientensicherheit im UKE deshalb für gefährdet", sagt Michael Stock, zuständiger Ver.di-Gewerkschafter für das UKE.

Hamburg. Genau vier Wochen ist es her, dass der Wissenschaftsausschuss der Bürgerschaft von Professor Jörg F. Debatin, dem Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), wissen wollte, wie sicher die Patienten im UKE sind. In einem Brandbrief hatten 15 Ärztliche Leiter gravierende Mängel in den Bereichen Zentrale Notaufnahme, Bettenmanagement, Pflegepersonal, Zentralsterilisation und neues Computersystem aufgelistet. Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) forderte Debatin auf, "die Mängel sobald wie möglich abzuarbeiten", und der UKE-Chef rief flugs eine "schnelle Eingreiftruppe", bestehend aus fünf Arbeitsgruppen, ins Leben.

Am morgigen Donnerstag muss Debatin dem Ausschuss erneut Rede und Antwort stehen, und jetzt schlägt die Gewerkschaft Alarm. "Es gab seit Januar im UKE rund 200 Gefährdungsanzeigen vor allem durch Mitarbeiter im Pflegebereich wegen unzureichender personeller Besetzung, Personalausfall, erhöhtem Arbeitsanfall oder akuter Notfälle. Ich denke, dass die Dunkelziffer erheblich höher ist und halte die Patientensicherheit im UKE deshalb für gefährdet", sagte Michael Stock, zuständiger ver.di-Gewerkschafter für das UKE, dem Abendblatt.

Laut Stock gibt es nach wie vor das Problem des eklatanten Personalmangels im Pflegebereich. "In den Dienstplänen für den Juli sind für mehrere Intensivstationen über 100 Dienste in der Planung bisher nicht besetzt." UKE-Pressesprecherin Maren Puttfarcken: "Wir werden zum Juli zwölf neue Pflegekräfte in den Intensivstationen einstellen." Aber es sei nach wie vor sehr schwierig, geeignetes Personal zu finden.

Ein weiteres Problem stellt das neu eingeführte Computersystem Soarian dar, das nach Anfangsschwierigkeiten zwischenzeitlich ziemlich stabil lief. Stock: "In den letzten sechs Tagen sind wieder vermehrt Fehlermeldungen aufgetreten, und das System ist jeweils für längere Zeit ausgefallen." Mit welchen Folgen? "In den Zeiten des Systemausfalls können keine Eingaben in den elektronischen Patientenakten gemacht und Befunde mit diesem System nicht abgerufen werden", sagt Stock.

Nach Abendblatt-Informationen gab es seit dem 10. Juni, mit Ausnahme des 13. Juni, einmal täglich Störungen des Systems. Die genauen Ursachen sind bisher weder dem UKE noch der Herstellerfirma Siemens bekannt. Die Störungen werden unter "Fehler E0116" zusammengefasst. Mehrmals dauerte die Störung länger als eine Stunde, am Sonntag mehr als zwei Stunden. Immerhin gibt es noch die Möglichkeit, auf Altsysteme zurückzugreifen.

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