Holsten-Quartier

„Ein Desaster für Altona“: Stadt  zunehmend unter Druck

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Die Abrissarbeiten im Holsten-Quartier haben schon begonnen.

Die Abrissarbeiten im Holsten-Quartier haben schon begonnen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Der Investor des Holsten-Quartiers verliert immer mehr Rückhalt. Mehrere Parteien und Bürgerinitiative fordern die Stadt auf zu Handeln.

Hamburg.  Nach dem Börsenbeben bleibt unklar, wie es mit dem Holsten-Quartier weitergeht. Wie berichtet, hatten die Wirtschaftsprüfer von KPMG der Aktiengesellschaft Adler Group das Testat für die Bilanz verweigert, der Börsenkurs brach daraufhin ein.

Gestern konnten sich die Papiere erholen, nachdem der Wohnungsbaukonzern Vonovia der schlingernden Gruppe das Vertrauen ausgesprochen hatte. Eine Sprecherin des Marktführers erklärte, in Adler stecke „mehr Wert, als der Aktienmarkt vermuten lässt, weil es sich um ein Portfolio handelt, das wir sehr gut kennen.“

Holsten-Quartier: Hohe Hürden für Enteignung

Eines der werthaltigsten Grundstücke ist das Areal der früheren Holsten-Brauerei in Altona-Nord, das mit 362 Millionen Euro in den Bilanzen steht. Inzwischen haben sich SPD und Grüne dafür ausgesprochen, gegebenenfalls selbst den Baugrund zu erwerben. Dass dies aber zu einem Preis wie noch vor wenigen Jahren gelingt, dürfte nicht einfach werden, wie der Hamburger Rechtsanwalt Arne-Patrik Heinze, Experte für öffentliches Recht, erklärt: „Es scheint, als wären die entscheidenden Fehler bereits vor längerer Zeit gemacht worden.“

Nun sei die Politik in einer vergleichsweise schwächeren Position. „Die Hürden für eine Enteignung sind sehr, sehr hoch“, sagt Arne-Patrik Heinze. Mit der Ankündigung, die Erteilung der Baugenehmigung an eine gesicherte Finanzierung zu koppeln, spiele der Bezirk Altona einen seiner wenigen Trümpfe. „Das ist grundsätzlich nicht unproblematisch“, sagt der Rechtsanwalt. „Die Erteilung einer Baugenehmigung hängt nicht zwingend mit der Finanzierung zusammen.“ Der Stadt helfe aber, dass das Areal noch als Industriegebiet gilt.

Politik und Initiative üben Kritik

Kritik kommt von der CDU: „Das Ganze ist für Altona ein Desaster. 2016 waren wir schon in einer Phase steigender Immobilienpreise und Mieten. Die Stadt hätte ihr Vorkaufsrecht ausüben müssen – gerade an einem solchen Ort, der zentral ist für die Stadtentwicklung“, sagt CDU-Stadtentwicklungspolitikerin Anke Frieling. Die Wahrscheinlichkeit, dass Adler die Finanzierung hinbekommt, scheine nicht besonders hoch.

Die Initiative „knallt am dollsten“ verstärkt den Druck. Ihr Sprecher Theo Bruns fordert Bezirk und Senat dazu auf, alle Wege zu prüfen, das Holsten-Areal zu übernehmen. „Sie müssen die Verhandlungen mit Consus/Adler für gescheitert erklären und den städtebaulichen Vertrag in den Schredder befördern.“ Um weitere Verzögerungen zu verhindern, könne man Teile der Planung übernehmen, sagt Bruns.

Gängeviertel als Vorbild für Holsten-Quartier?

Die Initiative sieht nun aber vor allem Genossenschaften, kommunale Wohnungsbauunternehmen und Baugemeinschaften am Zug. Bruns verweist auf das Projekt Gängeviertel, an dem er selbst beteiligt war. Damals gelang es der Stadt, das Quartier vom Investor Hanzevast zurückzukaufen. So wurde das historische Viertel gerettet, es wurde aber auch ein langwieriges und teures Unterfangen.

Die FDP hält wenig von einem Einstieg der Stadt: „Wenn sich das Projekt nun nicht mit der Adler-Gruppe umsetzen lässt, muss sichergestellt werden, dass daraus kein Schaden für den Steuerzahler entsteht“, sagt Anna von Treuenfels. „Bezirk wie Stadtentwicklungsbehörde haben dann die Aufgabe, einen neuen, seriösen Investor zu finden, der das Projekt zügig vorantreibt.“

( crh/dey/joa/ike )

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