Tarantella und Henriks

Zwei Hamburger Nobel-Restaurants im Duell

Zwei Nobel-Restaurants, die einander ähneln und Chefs haben, die einst Kompagnons waren. Ein Vergleich von Jenny Bauer.

Tarantella

Das Unternehmen: An der Wand hängt ein altes Plakat, das ein Showgirl und über diesem das Wort „Tarantella“ zeigt – dabei gibt es das bei der Hamburger Gesellschaft beliebte Restaurant am Stephansplatz doch erst seit September 2006. Bei der Namensgebung stand eine Bar Pate, die früher ebenfalls in der Spielbank angesiedelt war und in der unter anderem Big Bands und Freddy Quinn auftraten. Ein geselliger Bar- und Bistrobereich mit offener Küche, ein ruhigerer Restaurantbereich, Separee sowie Weinkeller teilen sich 220 Quadratmeter. Hinzu kommt eine große Terrasse. 60 Mitarbeiter sorgen für die Gäste. Die Küche bietet vieles von Schnitzel über Sashimi bis hin zu Kaviar und Hummer.

Der Chef: Frederic Janhsen, 44, der das Tarantella gemeinsam mit Carsten von der Heide betreibt, kümmert sich die meiste Zeit um Organisations- und Papierkram. „Leider“, sagt der gelernte Koch. „Ich wäre gerne öfter in der Küche.“ Vor 25 Jahren kam er nach Hamburg, machte Station im Landhaus Scherrer und im Fischereihafen Restaurant. Janhsen lebt mit seiner Freundin und gemeinsamem Hund in Groß Borstel, wo er einen Kräutergarten mit 60 Sorten hegt und pflegt. „So frisch kann ich die nirgendwo kaufen.“

Die Mission: Frische ist ein großes Thema im Tarantella. „Das und eine gute Qualität sind mir enorm wichtig“, sagt Janhsen. Deshalb sei er auch froh, sein eigener Chef zu sein, der vor niemandem Rechenschaft ablegen muss, wenn er das teurere, aber auch bessere Fleisch einkauft.

Die Gäste: „Hier ist alles dabei“, sagt Janhsen. „Vom einfachen Angestellten, der seiner Frau zum Hochzeitstag eine besondere Freude machen will, bis zum gut betuchten Stammgast, der viermal in der Woche hier isst.“ Auch der Ruf eines Promi-Restaurants sei nicht unberechtigt. Til Schweiger, Oliver Geissen und Sky du Mont sind hier Gäste.

Das Besondere: Das Tarantella bietet eine große Auswahl an Meeresfrüchten, unter anderem vier verschiedene Austernarten, und verfügt über einen eigenen Weinkeller mit um die 500 Sorten Wein und Champagner.

Die Stärken: Die Aufteilung in verschiedene, zum Teil hinter Türen gelegene Bereiche bietet jedem Gast die passende Umgebung. Wer gesehen werden will, setzt sich an die Bar; wer stilvoll dinieren will, geht ins Restaurant; und wer es ganz diskret will, wählt das Separee oder den Weinkeller.

Die Schwächen: Das Interieur wirkt mitunter etwas unentschieden und zusammengewürfelt. Discokugeln, Holz, Spiegel, Blumenornamente und afrikanisch anmutende Wandmalereien sind etwas viel des Guten.

Infos: Die Preise für eine Flasche Wein beginnen bei 26,90 Euro, die für ein Abendessen bei etwa 20 Euro. Für ein Drei-Gänge-Menü für zwei inklusive Getränken muss der Gast laut Janhsen etwa 160 Euro zahlen. Adresse: Stephansplatz 10.

Henriks

Das Unternehmen: Obwohl das Henriks, das nach dem zweiten Vornamen des Inhabers Claas-Henrik Anklam benannt ist, erst im April 2013 an der Moorweide in Rotherbaum eröffnete, gehört es bereits zu den liebsten Treffpunkten der Hamburger Gesellschaft. Das Restaurant bietet auf 330 Quadratmetern Platz für 120 Gäste. Im Sommer kommen 100 Plätze auf der Terrasse hinzu. Das Henriks bietet neben einem Mittagstisch auch einen Catering-Service an. Am Abend wird der offene Raum zu einer Mischung aus Bar und Restaurant mit Blick in die Küche, in der Anklam mit Wegbegleiter David Witzig das Sagen hat.

Der Chef: Anklam, 38, ist Gastronom aus Leidenschaft. Bevor der gebürtige Hannoveraner 1996 nach Hamburg zog, machte er eine Ausbildung zum Koch. Bis 2005 entwickelte er seine Fähigkeiten am Herd als Küchenchef im Landhaus Scherrer weiter und stieg 2006 als Partner im Tarantella ein. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er. „Aber irgendwann war es Zeit für etwas Neues, etwas Eigenes.“ Seit 2012 ist Anklam mit seiner Frau Claudia verheiratet. Sie arbeitet ebenfalls im Henriks, macht Buchhaltung und Eventplanung – und ist im vierten Monat schwanger. „Ich freue mich schon riesig“, sagt Anklam.

Die Mission: „Ein gutes Restaurant braucht Persönlichkeit“, sagt Anklam. Deshalb ist er auch täglich persönlich im Henriks. Dabei ist er nicht nur anwesend, sondern bewusst bei den Gästen, gibt Empfehlungen, tauscht Neuigkeiten aus. „Durch die offene Küche entgeht mir kein Gast.“

Die Gäste: Mittags kommen Stammgäste aus den umliegenden Büros. Am Abend ist das Publikum mit leichtem Frauenüberschuss bunt gemischt – und oft international. Das sieht man auch der wechselnden Speisekarte an, die neben regionalen auch internationale Gerichte wie Bœuf Tatar und Lafina Natural Beef aus Uruguay bietet. Auch Prominente lieben den Mix: Sylvie Meis, Friseur Udo Waltz, Rudolf Schenker (Scorpions) und Christian Wulff sind nur einige Beispiele.

Das Besondere: Die Deckenbeleuchtung aus 88 handgefertigten Kuppellampen sticht sofort ins Auge und taucht den Raum in angenehmes Licht. Das Interieur wurde vom Ehepaar Anklam selbst entwickelt. Ebenfalls eine Eigenkreation ist der begehbare und durch Glasscheiben einsehbare Weinschrank, der eher ein Weinzimmer ist und 250 Sorten beherbergt.

Die Stärken: Die zentrale und dennoch ruhige Lage, das Design und der Mix aus Bewährtem und Neuem auf der Karte.

Die Schwächen: Die Anfahrt am staugefährdeten Dammtor. Außerdem mag nicht jeder den trubeligen Mix aus Küche, Bar und Restaurant.

Info: Die Flasche Wein gibt es ab 21 Euro. Speisen kosten zwischen 9,90 und 54 Euro. Das Drei-Gänge-Menü mit Getränken für zwei kostet laut Anklam um die 139 Euro. Adresse: Tesdorpfstraße 8.