Bundesliga: Leverkusen mit dynamischen Offensivfußball

Bayer spielt wie ein Titelanwärter

Der neue Trainer Bruno Labbadia erweist sich immer mehr als Glücksgriff für Bayer.

Leverkusen. Bruno Labbadias Fußball-Eleven gewinnen Spiel um Spiel, begeistern mit herzerfrischender Offensive und mischen die Bundesliga-Konkurrenz kräftig auf. Jung, dynamisch, akribisch und erfolgreich - der 42 Jahre alte Hesse, Novize unter Deutschlands Top- Trainern, erweist sich immer mehr als Glücksgriff für Bayer Leverkusen. "Wenn die Mannschaft diese Form bis zum Ende hält, dann wird sie auch am Ende dort oben stehen", hielt Felix Magath nach dem 0:2 (0:0) seines mit Millionenaufwand verstärkten VfL Wolfsburg fest. Nicht nur Magath traut Labbadias Rasselbande die Meisterschaft zu.

Doch Labbadia, der auch wegen des "Bauchgefühls" von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser nach der Trennung von Michael Skibbe zu Saisonbeginn neuer Chefcoach unter dem Bayer-Kreuz wurde, wiegelte trotz des vierten 2:0-Erfolgs nacheinander ab. "Wir freuen uns einfach, dass wir einen guten Start hingelegt haben", sagte er nach den Treffern von Tranquillo Barnetta (57. Minute) und Stefan Kießling (65.).

Es war ein hochverdienter Erfolg vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften Baustelle BayArena. Und selbst Magath war mit der Niederlage einverstanden: "Endlich bin ich mal zufrieden. Es war das erste Mal, dass wir unterlegen waren und verloren haben." Deshalb könne er sich nicht grämen, meinte der 55-Jährige, dessen Team die Generalprobe für das erste Zwischenrundenspiel des Uefa-Pokals gegen den SC Heerenveen am kommenden Donnerstag (19.45 Uhr) misslang.

Bayer dagegen ist weiter top. "Wir wollen ganz oben mitmischen. Da sind wir jetzt - und da wollen wir bleiben", meinte Spielführer Simon Rolfes. Zu schmerzhaft ist für ihn und seine Mitstreiter der Blick zurück auf 2007/2008, als Bayer mit Skibbe am letzten Spieltag durch eine Pleite gegen Werder Bremen noch von Rang vier auf sieben zurückfiel und die sicher geglaubte Teilnahme am Uefa-Cup durch die Hände rutschen ließ.

Skibbe musste gehen, Labbadia kam. Er übernahm ein junges Team, das lernwillig ist und die perfektionistische Arbeit des Trainers zu schätzen weiß. "Wir haben das Vertrauen in unsere Qualität. Und wir haben das Vertrauen, dass jeder von uns Tore schießen kann", nannte Rolfes Hintergründe des aktuellen Erfolgs. Sie werden momentan nicht hektisch, auch wenn es mal länger dauert, bis die Mannschaft in Führung geht. "Eigentlich ist es unsere erste Strategie, schnell Tore zu erzielen und das Spiel früh zu entscheiden", schilderte Rolfes das, was Labbadia ihnen beizubringen versucht.

Auch gegen Wolfsburg war Geduld vonnöten. "Vogelwild geht nicht", meinte Labbadia. Doch die Zuschauer murrten schon, weil das Zusammenspiel in der Offensive nicht so recht funktionierte. "Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt, dass sie den Glauben an sich nicht verlieren darf", sagte Labbadia und ließ verbal einen Blick hinter die Kulissen zu.

Ursächlich für den überraschend schnellen Reifeprozesses sind für den ehemaligen Profi die Bereitschaft des Werksteams, hart zu arbeiten und das Potenzial, das Skibbe nie komplett abrufen konnte. Labbadia will alles herauslocken: "Wir dürfen in keinem Bereich einen Zentimeter nachlassen", forderte er - und entfacht eine euphorische Grundstimmung. Wichtig sei die Art und Weise, wie die Elf Spiele entscheide. "Das macht Mut", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Und Mut hat auch schon Meister gemacht.