Jahresrückblick Hamburg

Explosion und schwere Unglücke auf der Elbe

Brand nach Explosion auf der "Arauco" im Hamburger Hafen

Brand nach Explosion auf der "Arauco" im Hamburger Hafen

Foto: Michael Arning

Die "Indian Ocean" lief aus dem Ruder und wurde unter dramatischen Umständen geborgen. Der Hafen blickt auf ein Schreckensjahr zurück.

Hamburg. Es ist eine Binsenweisheit, dass die Elbe die Lebensader Hamburgs ist. In diesem Jahr hat sie Tod, Unglücke und Beinahekatastrophen in die Stadt gebracht. Der Hamburger Hafen steht seit Jahrhunderten im Fokus, 2016 hatten die Normalbürger und die Wirtschaft Anlass, sorgenvoll Richtung Fluss zu schauen.

Ein Flüchtling ertrinkt an einem lauen Sommerabend direkt vor der „Strandperle“. Obwohl Tausende Menschen am Ufer sitzen, obwohl sofort Polizeiboote und Taucher der Feuerwehr vor Ost sind, können sie den jungen Mann nicht retten. Mehrere– übermütige – Menschen, die in Hamburg Zuflucht gesucht haben, sind in diesem Jahr in Seen und Flüssen sowie an Nord- oder Ostsee ertrunken. Besonders tragisch: Oft haben sie lebensgefährliche Fahrten über das Mittelmeer erlebt, um in Freiheit in der Freizeit zu sterben.

Unfälle an der Elbphilharmonie und mit dem Riverbus

Ein Auto stürzte Anfang Dezember in der HafenCity unweit der Elbphilharmonie in die Elbe, es war vermutlich wegen Glatteises von der Fahrbahn abgekommen. Drei Insassen retten sich, ein Mann schafft es nicht und ertrinkt.

Der neue Riverbus, ein Amphibien-Gefährt, das zu Lande und zu Wasser Passagiere transportiert, hat auch gleich Probleme. Wegen eines Crashs an Land im April muss er Fahrten aussetzen. Der Riverbus ist eine neue Touristenattraktion – wenn er denn fahren kann.

Alarm auf der Elbe: Die Havarie der "Indian Ocean"

Das ist alles schlimm, aber leider „normales“ Unfallgeschehen in einer Hafen-Metropole. Was nachhaltige Sorgen hervorruft, sind zwei Vorfälle mit Containerschiffen, auf die Hamburgs als Umschlagplatz im internationalen Handel, im globalen Warenstrom so angewiesen ist. Im Februar havarierte die „CSCL Indian Ocean“ auf der Elbe vor Lühesand, ein 400 Meter langer Mega-Frachter. Das Schiff war buchstäblich aus dem Ruder gelaufen.

Dabei hatte Hamburg noch Glück, dass nicht mehr passierte, weil die „Indian Ocean“ trotz Steuerungsunfähigkeit keinen großen Schaden anrichtete und die Fahrrinne nicht extrem verengte und den Schiffsverkehr auf der Elbe lahmlegte. Doch sie konnte nicht aus dem Schlick herausgezogen werden. Selbst als man Treibstoff und Ballastwasser abpumpte sowie um das Schiff herum ausbaggerte, scheiterten Versuche, den Frachter freizuschleppen. Hamburg fehlt ein Mega-Kran, der hätte helfen können.

"Indian Ocean": Dramatische Bergung im Video

Nur ein kurzes Zeitfenster mit Springtide und starkem Südwestwind begünstigte in einer dramatischen Nacht die Bergung. Tausende verfolgten das Spektakel, das Team von abendblatt.de hat es im Video festgehalten und sogar nachts den letzten Bergungsversuch live begleitet. Das Interesse der Hamburger an dieser Havarie war gigantisch. Hamburg scheint auf eine solche Havarie überhaupt nicht vorbereitet zu sein.

Aus Politik und Wirtschaft kamen sofort Forderungen, dass die Elbe nun ordentlich vertieft und ausgebaggert werden müsse. Umweltschützer begründeten mit dem Vorfall das Gegenteil: Große Containerschiffe raus aus Hamburg.

Containerschiff "Arauco" brennt am Terminal

Der Brand der „CCNI Arauco“ am Burchardkai-Terminal Anfang September hatte für einen der größten Einsätze der Feuerwehr im Hamburger Hafen gesorgt. 83 Stunden und Hunderte Mitarbeiter brauchte es, um den Brand in dem Frachter zu löschen, der wohl bei Schweißarbeiten ausgebrochen war. An Bord hatte es eine heftige Explosion gegeben. Erst 45.000 Liter Schaummittel bändigten die Flammen.

Und auch dieser Zwischenfall, der wegen seiner Rauchwolke in ganz Hamburg zu sehen war, machte deutlich: Hamburg hat gar kein Löschboot, das geeignet wäre, um solche Brände zu bekämpfen. Ein neues wurde kurz darauf in Auftrag gegeben – und die naiven Beobachter fragten sich, warum eine Hafenmetropole auf einen solchen Fall nur unzureichend vorbereitet war.

Hafengeburtstage sind toll zu feiern. Sollte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gegen die geplante Elbvertiefung urteilen, sprechen Wirtschaftsexperten schon vom „Tod des Hamburger Hafens“. Der Volksmund sagt: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.