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Grundsteuererklärung: Eigentümer bekommen jetzt mehr Zeit

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Tobias Kisling
Was man zur Grundsteuer-Reform wissen muss

Was man zur Grundsteuer-Reform wissen muss

Am Januar 2025 ändert sich die Grundsteuer. Was das für Besitzer von Immobilien bedeutet, erklärt das Video.

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Für die Abgabe der neuen Grundsteuererklärung ändern sich für Immobilienbesitzer jetzt die Fristen. Das sind die wichtigsten Fakten.

Berlin. In vielen Familien haben sich in den vergangenen Wochen kleine Arbeitsgemeinschaften gebildet: Es wurden Aktenordner durchwühlt, Bodenrichtwerte ermittelt und nach Lösungen gesucht, wie man ohne eigenen Internetanschluss vorgehen sollte: Die verpflichtende Abgabe der Grundsteuererklärung beschäftigt derzeit Millionen Eigentümerinnen und Eigentümer – und lässt diese mitunter ratlos zurück.

Denn die Neuberechnung ist alles andere als intuitiv. Das fängt schon beim Wohnort an. Elf Bundesländer haben sich für ein einheitliches Bundesmodell bei der Neuberechnung entschieden, Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen und scheren aber aus.

Richtig skurril wird es, wenn es beim Bundesmodell um die Angabe der Wohnfläche geht. Eine an die Küche angrenzte Speisekammer zählt beispielsweise ebenso zur Wohnfläche wie ein Balkon, ein unbeheizter Wintergarten wird dagegen nur zur Hälfte angerechnet und der Hobbyraum im Keller zählt gar nicht zur Wohnfläche – wenn er denn bestimmte Kriterien erfüllt oder besser gesagt nicht erfüllt. Wer zu viel Wohnfläche angibt, zahlt unnötig viel Steuern. Wer zu wenig angibt, riskiert sich der Steuerhinterziehung strafbar zu machen.

Grundsteuer: Eigentümer sollen mehr Zeit erhalten

Kein Wunder also, dass sich viele Eigentümerinnen und Eigentümer überfordert fühlen – zumal die Abgabe eigentlich bis zum 31. Oktober geschehen muss – wer sich nicht daran hält, riskiert zusätzliche Gebühren. Doch immerhin diese Frist wird wohl nach hinten verschoben werden: „Den Ländern werde ich den Vorschlag machen, die Frist zur Abgabe der Grundsteuererklärung zu verlängern“, teilte Bundesfinanzminister Christian Lindner am Mittwoch via Twitter mit. Die Menschen hätten zu viele Sorgen und Belastungen gleichzeitig.

Zuvor hatte der FDP-Chef bereits dem Sender RTL/ntv gesagt, die Abgabefrist „um einen überschaubaren Zeitraum“ verlängern zu wollen. Gerade ältere Grundeigentümer würden sich mit der Steuererklärung überfordert fühlen. Zudem habe es Software-Probleme gegeben.

Grundsteuer: Erste Ausnahmen gibt es bereits für Behörden

Damit spielt Lindner auf den Kollaps des Online-Steuer-Portals „Elster“ an. Zwar bietet auch das Bundesfinanzministerium unter grundsteuererklaerung-fuer-privateigentum.de ein separates Grundsteuer-Portal an, dennoch nutzen offenbar viele Eigentümerinnen und Eigentümer bei der Abgabe das Steuerportal „Elster“. Anfang Juli war das Portal zusammengebrochen, weil es mehr als 100.000 Zugriffe gleichzeitig von Nutzerinnen und Nutzern gegeben hatte.

Schon damals hatte Lindner erwogen, die Frist zu verlängern. Nun schlugen Städte und Gemeinden Alarm – denn auch ihre Behörden waren und sind mit der Frist überfordert. In Thüringen gewährte das Landesfinanzministerium beispielsweise bereits ersten Städten eine Fristverlängerung bis zum Jahresende. Für Privateigentümer gab es hingegen keine Verlängerung – was den Ärger nur verstärkte.

Steuerzahlerbund fordert Verlängerung bis Ende Februar

Für Kopfschütteln sorgt das Chaos beim Bund der Steuerzahler. „Bei der Grundsteuererklärung zeigt sich eine XXL-Bürokratie und ein Wirrwarr für Millionen Eigentümer, weil die erforderlichen Angaben vom Grundsteuer-Modell der Länder abhängen“, sagte Steuerzahlerbundpräsident Reiner Holznagel unserer Redaktion. „In der Regel handelt es sich um Flurstücknummern, amtliche Flächen, Gemeindenamen, Gemarkungsnummern, um Bodenrichtwerte und die Wohnflächen-Größe – Daten, die viele Eigentümer nicht sofort bei der Hand haben.“

Holznagel weist zudem auf ein weiteres Problem hin, das viele Eigentümer betrifft: Wer in einem geerbten Haus lebe, habe mitunter Probleme, an die entsprechenden Unterlagen zu kommen. Daher sei Lindners Vorstoß zur Verlängerung der Abgabefrist richtig, so Holznagel. Der Steuerzahlerbundpräsident spricht sich für eine Verlängerung bis Ende Februar 2023 aus.

Eigentümerverband für einheitliches Modell nach bayerischem Vorbild

Noch weiter geht der Eigentümerverband Haus und Grund. „Die Abgabefrist muss mindestens bis zum 30.06.2023 verlängert werden. Wenn man bedenkt, wie viel Zeit sich der Staat bei der Reform gelassen hat, dann ist dieser Zeitraum mehr als angemessen“, sagte Haus und Grund-Präsident Kai H. Warnecke im Gespräch mit unserer Redaktion. Gerade einmal jeder vierte Grundstücksbesitzer habe nach Haus und Grund-Angaben bisher die Erklärung abgegeben. „Es ist völlig illusorisch zu glauben, dass sie das bis Monatsende schaffen werden“, sagte Warnecke.

Er sieht dabei ein Versäumnis auch beim unterschiedlichen Vorgehen der Bundesländer. „Während Hessen es den Bürgern verhältnismäßig leicht gemacht hat mit zahlreichen auf den jeweiligen Eigentümer zugeschnittenen Informationen, die das Ausfüllen erleichtern, wurden in Berlin die Bürger noch nicht einmal aktiv zur Abgabe aufgefordert“, nannte Warnecke als Beispiel.

Zugleich plädierte der Präsident des Eigentümerverbandes dafür, das Gesetz noch einmal grundlegend zu ändern: „Die Leute mit einer komplexen Grundsteuer zu gängeln, während sie hohe Mehrbelastungen an anderer Stelle haben, passt nicht zusammen.“ Warneckes Vorschlag: Der Bund sollte sich auf das bayerische Modell verständigen. Bayern hat sich für ein reines Flächenmodell entschieden – das hat den Vorteil, dass es verhältnismäßig einfach zu berechnen ist. Allerdings wird die Lage nicht miteinbezogen – ein Grundstück im Villenviertel kostet also nicht automatisch mehr Geld als ein Einfamilienhaus am Stadtrand – die Grünen in Bayern zweifeln daher an der Verfassungskonformität.

Bundessteuerberaterkammer warnt vor Verspätungszuschlägen

Nicht nur die Steuerpflichtigen selbst, auch die Steuerberater hatte das nahende Fristende zuletzt unter Druck gesetzt. Entsprechend erleichtert reagierte Hartmut Schwab, Präsident der Bundessteuerberaterkammer auf den Lindner-Vorstoß. „Steuerpflichtige und ihre Berater müssen dringend entlastet werden“, sagte Schwab unserer Redaktion.

Der Zeitraum von vier Monaten sei von Anfang an „utopisch“ gewesen. Nun seien die Länderfinanzverwaltungen am Zug – sollte die Fristverlängerung doch noch scheitern, dürfe es nicht zu Verspätungszuschlägen kommen, wenn die Erklärung erst nach Oktober abgegeben wird, mahnte Schwab.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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