Hafen Hamburg

Nabu und BUND: Moorburg zu klein für einen Energiehafen

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Das Kohlekraftwerk Moorburg an der Elbe. Hier soll ein Elektrolyseur gebaut werden. Am unteren Bildrand sieht man die Kattwykbrücke zur Hohen Schaar.

Das Kohlekraftwerk Moorburg an der Elbe. Hier soll ein Elektrolyseur gebaut werden. Am unteren Bildrand sieht man die Kattwykbrücke zur Hohen Schaar.

Foto: Markus Scholz / dpa

Umweltverbände bringen einen neuen Standort für Elektrolyseur ins Spiel. Dafür müsste ein anderes großes Projekt gestoppt werden.

Hamburg.  Der Senat will den Hamburger Hafen zum nachhaltigsten Hafen der Welt ausbauen. Diesen Anspruch hat Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) beim Hafensymposium der Handelskammer in der vergangenen Woche klar formuliert. Der Präses der Handelskammer, Norbert Aust, schlug in seinem Vortrag in die gleiche Kerbe: „Der Hamburger Hafen hat das riesige Potenzial, Zentrum für grüne Energien und nachhaltige Wertschöpfung zu werden“. Das Ziel nimmt man den beiden Männern in ihren wichtigen Funktionen für die Stadt ab. Zumal die aktuelle Energiekrise deutlich macht, dass diese Weiterentwicklung des Hafens dringend notwendig ist.

Das Ziel wird auch von den Umweltverbänden unterstützt. Allerdings bezweifeln sie, dass es mit den bisher geplanten Maßnahmen zu erreichen ist. In einem Schulterschluss fordern der Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) und Naturschutzbund (Nabu) nun eine Überarbeitung der derzeitigen Pläne. „Es stellt sich beispielsweise die Frage, ob Moorburg überhaupt der geeignete Standort für den Energiehafen ist“, sagte Malte Siegert, Landesvorsitzender des Nabu, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Hafen Hamburg: Ist Moorburg zu klein für die Pläne?

Er und der Hamburger BUND-Geschäftsführer, Lucas Schäfer, halten den Standort für das geplante Wasserstoffzen­trum für zu klein. Zumal Hamburg den Anspruch habe, Großversorger der Industrie mit importiertem Wasserstoff zu werden. Aber dieser müsse ja irgendwo gelagert werden. Dabei hat der Senat erst Anfang des vergangenen Jahres zusammen mit Industriebetrieben ein Abkommen zur Errichtung eines Elektrolyseurs zur Gewinnung von Wasserstoff auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks Moorburg unterzeichnet.

Mit einer Leistung von 100 Megawatt ist das die derzeit größte in Deutschland geplante Anlage zur Wasserstoffgewinnung. Doch die Pläne in der zuständigen Wirtschaftsbehörde gehen viel weiter, weil der beschlossene Elektrolyseur nur einen Bruchteil des künftigen Bedarfs an Wasserstoff als Energieträger der Zukunft decken könnte. In der Behörde, die das Thema Energiehafen vorantreibt, träumt man bereits von einer Erweiterung auf 500 Megawatt.

Verbände favorisieren Hohe Schaar als Wasserstoffzentrum

Dafür sei Moorburg nicht geeignet, sagen BUND und Nabu. Die Verbände favorisieren hingegen die Hohe Schaar als künftiges Wasserstoffzentrum, am anderen Ufer der Süderelbe, gleich gegenüber von Moorburg. Dabei handelt es sich um ein riesiges Gelände, auf dem Shell bis vor einiger Zeit eine Raffinerie betrieb. „Hier gibt es auch eine gut ausgebaute Kaikante und geeignete Lagerflächen“, so Siegert.

Einziger Wermutstropfen: Der Weiterbau der Autobahn A 26 bis zur A 1 könnte dann nicht realisiert werden. Jenes früher als Hafenquerspange und heute als A 26-Ost bezeichnete Autobahnteilstück, soll die Verbindung zwischen der A 7 und A 1 herstellen. Den aktuellen Plänen zufolge soll die Trasse aufgeständert zwischen der A 7 im Westen bis zur Anschlussstelle Stillhorn im Osten quer direkt neben dem Kraftwerk Moorburg weiter über die Hohe Schaar verlaufen.

Autobahn ist Umweltverbänden ein Dorn im Auge

Den Umweltverbänden ist die Autobahn ohnehin ein Dorn im Auge. Jetzt sagen sie: Diese Planung mache jegliche Art von Betrieb mit gefährlichen Gütern darunter mehr oder weniger unmöglich. „Das Gelände würde allenfalls als Logistikfläche taugen, aber nicht als Energiehafen“, sagt Siegert.

Schon der Betrieb eines Elektrolyseurs in Moorburg gerate durch den Autobahnbau in Gefahr. „Ab der Lagerung einer vergleichsweise geringen Menge von fünf Tonnen Wasserstoff gilt man schon als Störfallbetrieb, bei dem besondere Regeln gelten“, ergänzt BUND-Geschäftsführer Schäfer. Sein Fazit: „Eine Autobahn mitten durch den Hamburger Hafen wäre für die notwendige klimafreundliche Wasserstoffentwicklung kontraproduktiv.“

Verbände fordern Stopp der Pläne zum Bau der A 26-Ost

BUND und Nabu fordern deshalb den sofortigen Stopp der Pläne zum Bau der A 26-Ost. Nicht nur, weil sie nach ihrer Meinung, den Zielen zum Energiehafen entgegenstehen, sondern auch weil sich der Bedarf nach dieser zusätzlichen Autobahnverlängerung angesichts des überschaubaren Hafenwachstums überholt habe.

Anstatt des zusätzlichen Autobahnabschnitts plädieren die Verbände für eine Erneuerung der Köhlbrandquerung. „Wir sprechen uns für den Köhlbrandtunnel aus. Wir würden sogar den Bau einer dritten Tunnelröhre akzeptieren, wenn es denn notwendig ist“, sagen Schäfer und Siegert unisono. Dazu müsse aber auf die A 26-Ost verzichtet werden.

Hafen Hamburg: Wirtschaftsbehörde hält an Moorburg fest

Die Wirtschaftsbehörde sieht indes keine Notwendigkeit ihre Pläne zu ändern, und hält an Moorburg als Standort fest: „Hamburg plant eine Elektrolyseanlage am Standort des stillgelegten Kraftwerks Moorburg und nicht auf der Hohen Schaar. Eine im März dieses Jahres veröffentlichte Machbarkeitsstudie zur Konversion des Kraftwerksstandortes kommt zu dem Schluss, dass eine Elektrolyse zur Produktion von grünem Wasserstoff am Standort Moorburg mit einer Kapazität von bis zu 500 Megawatt wirtschaftlich und technisch umsetzbar ist“, sagte ein Behördensprecher. Der Standort biete hervorragende Voraussetzungen.

Auch die A 26-Ost will die Behörde realisiert wissen. Hamburg unterstütze den Bund weiterhin beim Bau der A 26 und trage so zur Entlastung des Verkehrs im Stadtgebiet bei, sagte der Sprecher. Darauf hätten sich SPD und Grüne im Koalitionsvertrag entsprechend geeinigt.

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