Hamburger Sparkasse

Haspa-Chef erwartet bis zu sechs Prozent Inflation

| Lesedauer: 7 Minuten
Volker Mester
Haspa-Chef Harald Vogelsang setzt stark auf die Digitalisierung. Die kostenlosen Kiekmo-Schließfächer in den Filialen werden dagegen nun wieder abgebaut.

Haspa-Chef Harald Vogelsang setzt stark auf die Digitalisierung. Die kostenlosen Kiekmo-Schließfächer in den Filialen werden dagegen nun wieder abgebaut.

Foto: Marcelo Hernandez

Haspa verdoppelt im zweiten Corona-Jahr den Gewinn. Vogelsang fordert Abschaffung des Strafzinses „so schnell wie möglich“.

Hamburg.  Die Haspa hat das zweite Corona-Jahr mit einer deutlichen Gewinnsteigerung abgeschlossen: Deutschland größte Sparkasse konnte das Ergebnis nach Steuern von zuvor neun Millionen auf 20 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Ein solcher Überschuss ist allerdings für ein Institut von der Größenordnung der Haspa auch nach Einschätzung ihres Vorstandssprechers Harald Vogelsang auf Dauer nicht hoch genug – in den Jahren vor der Finanzkrise verdiente man schon einmal bis zu 145 Millionen Euro.

Einer der wichtigsten Wachstumstreiber bleibt das Baufinanzierungsgeschäft. Zwar haben die Warnungen vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes in den vergangenen Monaten zugenommen. Doch angesichts der jüngsten weltpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen glaubt Vogelsang: „Die Immobilienpreise in Hamburg werden weitersteigen, denn die Flucht in Sachwerte, die nicht durch Inflation geschmälert werden, setzt sich fort.“ Nach Einschätzung von Vogelsang wird sich das Wirtschaftswachstum auch durch den Ukraine-Krieg eintrüben, während die ohnehin schon hohe Inflationsrate eher noch steige: „Das ist keine gute Mischung.“ Der Haspa-Chef rechnet für 2022 mit Preissteigerungsraten „zwischen 4,5 Prozent und sechs Prozent“.

Sparkasse Hamburg: Gewinnverdopplung im Vergleich zum Vorjahr

Trotz solcher Inflationszahlen glaubt Vogelsang nicht mehr, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in diesem Jahr den Leitzins über die Null-Marke anhebt: „Die EZB steht vor der besonderen Herausforderung, dass die Wirtschaft nicht in eine Rezession abgleitet. Trotzdem sollte sie zumindest so schnell wie möglich den Strafzins abschaffen, damit wir das für unsere Kunden auch tun können.“

Was die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Konflikts angeht, hat Hamburg nach Auffassung des Haspa-Vorstandssprechers gute Chancen, „vergleichsweise glimpflich“ davonzukommen: „Praktisch alle unsere Unternehmenskunden sagen uns, dass das Russland-Geschäft bei ihnen nur einen kleinen Teil des Umsatzes ausmacht.“ Positiv für die Hansestadt sei die breit aufgestellte Wirtschaftsstruktur ohne starke Abhängigkeit etwa von der Automobilbranche.

Haspa-Filialen sammeln Verbandskästen für Ukraine ein

Doch mittelfristig werden die aktuellen Ereignisse weitreichende Verschiebungen nach sich ziehen, glaubt Vogelsang: „Wir sehen jetzt das Ende der unbekümmerten Globalisierung – und das ist wahrscheinlich auch gut so.“ Mehr und mehr europäische Unternehmen kämen wegen der Lieferketten-Problematik zu dem Schluss, dass sie sich Partner aus einem politisch stabilen Umfeld suchen müssen. Das führe voraussichtlich zu einer noch verstärkten Rückverlagerung von Produktion in „westliche“ Länder – und das gelte auch für Hochtechnologie: „Wenn ein Weltkonzern wie der Chiphersteller Intel ein Werk in Deutschland bauen will, ist das ein gutes Zeichen. Von diesen Entwicklungen kann auch Hamburg profitieren.“

Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie fühlt sich der Vorstand der Sparkasse bestätigt in seiner Strategie, die Haspa zur „digitalen Bank mit den besten Filialen“ machen zu wollen. Dass das sogenannte Nachbarschaftskonzept der Filialen funktioniere, zeige sich auch am Beispiel der aktuellen Ukraine-Hilfsprojekte, findet Vogelsang. Zusätzlich zu den 5000 Decken, die die Haspa für die Ukraine gekauft habe, konnten in den Filialen nach seinen Angaben weitere 10.000 Decken und Schlafsäcke als Spenden eingesammelt werden. „Jetzt bitten wir die Hamburger, Verbandskästen zu spenden, die in der Ukraine dringend benötigt werden“, so Vogelsang.

Kiekmo-Schließfächer nicht so angenommen wie erwartet

Er zeigt sich zwar auch mit der digitalen Komponente des Nachbarschaftskonzepts, den Apps Kiekmo und Aino, insgesamt sehr zufrieden. Die kostenlosen Kiekmo-Schließfächer aber, die seit der Einführung im Jahr 2017 auch von Nicht-Haspa-Kunden genutzt werden konnten, baut man nun wieder ab. Das Angebot sei nicht so gut angenommen worden wie erhofft. Sie hätten sich im Betrieb auch als zu teuer erwiesen. „Wir können den Raum in den Filialen auch gut für zusätzliche Geldautomaten und Kontoauszugdrucker nutzen“, fügt Vogelsang an.

Zu der Steigerung des Haspa-Gewinns hat das Sparprogramm „Spring“ beigetragen, das eine Abnahme der Beschäftigtenzahl um etwa 200 auf rund 4500 Personen mit sich brachte. Bis 2024 sollen es nur noch knapp 4000 Mitarbeiter sein. Offenbar hat aber ein Sondereffekt kräftig mitgeholfen, den Gewinn zu verbessern: Dass der Zinsüberschuss um 112 Millionen Euro auf 679 Millionen Euro kletterte, war den Angaben zufolge „nicht unerheblich“ auf ein Kreditgeschäft mit der EZB zurückzuführen. Bei dem sogenannten TLTRO-Programm erhalten Banken eine Prämie von bis zu einem Prozent auf die von der EZB aufgenommenen Kredite – mit dem Ziel, dass die Darlehen an die Wirtschaft weitergegeben werden.

Kreditvergabe: Fast neun Milliarden Euro

„Wir hätten aber auch ohne diesen Sondereffekt ein positives Ergebnis erzielt“, sagt Vogelsang. Dass die Haspa „konservativ bilanziert“ und hohe Rückstellungen gebildet habe, könne man schon an der außergewöhnlich hohen Steuerquote ablesen: Nach 36 Millionen Euro im Vorjahr sind nun sogar 96 Millionen Euro Steuern gezahlt worden.

Eine Zunahme des Wertpapiergeschäfts brachte der Haspa höhere Provisionen. So stieg die Zahl der Aktiensparpläne um 20 Prozent. „Wir führen aber derzeit wegen der Marktturbulenzen sehr viel mehr Gespräche mit Kunden, die sich fragen, wie sie sich verhalten sollen“, sagt Vogelsang. Mit langfristig angelegten Fondssparplänen glichen sich auch größere Kursschwankungen jedoch über die Zeit automatisch aus. Gold sei aktuell ebenfalls stark nachgefragt, die Haspa als „größter Goldhändler der Stadt“ spüre das deutlich.

Bei der Neukreditvergabe verzeichnete die Sparkasse mit 8,7 Milliarden Euro den höchsten Wert in der Geschichte des Instituts, der Kreditbestand wurde von 35,8 Milliarden auf 37,2 Milliarden Euro ausgeweitet. Davon entfielen 5,7 Milliarden Euro beim Neugeschäft und 29,6 Milliarden Euro vom Bestand auf gewerbliche und private Baukredite. Auch das Start-up-Center der Haspa meldet einen Rekord: 2021 finanzierte man 332 Existenzgründungen mit 64 Millionen Euro, deutlich mehr als im Vorjahr (42 Millionen Euro).

Bis 2025 will Haspa klimaneutral arbeiten

Trotz der „teils noch unabsehbaren Auswirkungen“ des Ukraine-Kriegs sowie der noch andauernden Pandemie geht Vogelsang für die nächsten Jahre von weiter verbesserten Ergebnissen aus. Mit dem „Zukunftsprojekt“ zur Effizienzsteigerung und mit den Investitionen in die Digitalisierung habe man die Grundlage dafür geschaffen.

Eines der beherrschenden Themen werde die Nachhaltigkeit sein. Dabei will die Haspa nicht nur selbst bis 2025 klimaneutral werden und dazu unter anderem die Leuchtbänder an den Filialen auf LED-Technik umstellen. „Unsere 800 Anlageberater haben sich fit in Sachen nachhaltige Geldanlage gemacht, schon jetzt fließt jeder zweite in Fonds investierte Euro in entsprechende Anlageprodukte“, so der Haspa-Chef. „Als Sparkasse ist Nachhaltigkeit sozusagen unsere DNA – Erträge zu erwirtschaften, die dann für die Entwicklung unserer Region wieder eingesetzt werden, wie für die Finanzierung von klimaschonenden Bauten oder die energetische Sanierung.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Wirtschaft