ADAC-Bilanz

Spritpreise auf Allzeithoch: Noch nie war Tanken so teuer

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Björn Hartmann
Benzinpreis erreicht laut ADAC neues Rekordhoch

Benzinpreis erreicht laut ADAC neues Rekordhoch

Für einen Liter Benzin müssen Autofahrer in Deutschland laut ADAC derzeit so viel bezahlen wie nie zuvor: Im Tagesdurchschnitt erreichte der Preis für einen Liter Super E10 zuletzt bundesweit 1,712 Euro.

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Die Spritpreise haben ihr Allzeithoch erreicht. Welche Gründe es für den Preisanstieg gibt und wie es nun weitergeht, lesen Sie hier.

Berlin. Autofahrer in Deutschland trifft es gerade besonders hart: Der Preis für Sprit ist so hoch wie noch nie. Am 1. Februar kostete ein Liter Super E10 im Schnitt 1,721 Euro, wie der ADAC ermittelt hat – ein Allzeithoch.

Der Rekordwert bisher: 1,709 Euro am 13. September 2012. Diesel kostete 1,637 Euro. Und es könnte noch teurer werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Warum steigt der Benzinpreis gerade jetzt wieder?

Der Benzinpreis ist in hohem Maße abhängig vom Ölpreis. Und der ist seit Ende Januar 2021 um gut 60 Prozent gestiegen. Zuletzt kostete ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent knapp 90 Dollar. Zudem hat sich der Euro in diesem Zeitraum rund acht Prozent an Wert zum Dollar verloren, wie der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, früher Mineralölwirtschaftsverband, berechnet hat.

Dadurch hat sich der Ölimport zusätzlich verteuert. Und zum 1. Januar erhöhte sich der CO2-Preis, den Deutschland auf fossilen Energieeinsatz in Verkehr und Gebäuden erhebt. Er beträgt jetzt rund neun Cent je Liter. Auch interessant: Benzin und Diesel: So viel dürfen Sie zu Hause lagern

Warum verteuert sich Öl?

Den Preis beeinflussen mehrere Faktoren: Zum einen wächst die Wirtschaft nach dem ersten Pandemieschock 2020 wieder und fragt Öl nach. Zum zweiten verunsichert die Lage in der Ukraine und im Nahen Osten, besonders der Konflikt im Jemen, die Märkte.

Hinzu kommt noch ein neues Problem in Europa: In den wichtigsten Ölhäfen der EU, Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, können mehrere Terminals wegen IT-Problemen nicht arbeiten, wie die Agentur Bloomberg berichtete. Die Folge: Schiffe können nicht entladen werden und stauen sich. Ob und wann die Verbraucher die Folgen im Geldbeutel spüren, ist noch unklar.

Was macht die Opec?

Die Organisation Erdöl exportierender Länder sowie Russland und weitere Förderländer tagen derzeit virtuell. Sie haben bereits vergangenes Jahr beschlossen, die Förderung im Februar um 400.000 Fass täglich auf dann 40,894 Millionen Fass zu erhöhen.

Ob diese Menge reicht, den Preis zu drücken, ist unklar. Zudem sind offenbar einige Förderländer an Kapazitätsgrenzen gestoßen. Das bedeutet: Selbst wenn angekündigt wird, noch mehr zu fördern, wird das nicht unbedingt umgesetzt. Zukunftsvisionen: Sind E-Fuels die Zukunft? Der Kampf ums klimaneutrale Benzin

Ist Öl derzeit besonders teuer?

Auch wenn der Preis gerade steigt: Öl war schon einmal deutlich teurer. Anfang 2008 knackte der Ölpreis (US-Sorte WTI) erstmals die Marke von 100 Dollar je Fass. Bis Sommer stieg er sogar auf mehr als 147 Dollar. Der Preis der Nordseesorte Brent entwickelte sich ähnlich. Der Benzinpreis stieg damals weniger stark.

Dem Wirtschaftsverband Fuels und Energie zufolge waren damals die Kosten für die Produktion niedriger. Auch habe es keine Biobeimischung zu Benzin und Diesel gegeben. Biokraftstoff ist teurer als fossiler Kraftstoff. Im Zuge der Finanzkrise und der damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheit brach der Ölpreis bis Ende 2008 übrigens auf knapp über 33 Dollar je Fass ein. Energiekostenvergleich: Änderung beim Tanken: Das bedeuten die gelben Schilder

Wie haben sich die Spritpreise in der Vergangenheit entwickelt?

Benzin und Dieselpreise schwanken immer. Im Januar 2011 kostete ein Liter E10 1,480 Euro, im Januar 2021 waren es 1,351 Euro, in diesem Januar 1,670 Euro. Ähnlich sieht es beim Diesel aus: 1,325 Euro vor zehn Jahren, 1,233 im vergangenen Januar, 159,6 Euro in diesem Januar.

Das bisher teuerste Jahr seit Einführung des Euro 2002 war 2012 mit einem durchschnittlichen Literpreis von 1,598 Euro für Super E10 und 1,478 Euro für Diesel.

Wann knackt der Spritpreis die Zwei-Euro-Marke?

Das ist schwer zu beantworten. Selbst Experten wollen sich nicht festlegen, zu unsicher ist die geopolitische Lage. Und auch die Corona-Pandemie könnte noch Überraschungen bergen, die die Preise beeinflussen.

„Der Weltölmarkt als Taktgeber ist immer wieder für Überraschungen gut – in beide Richtungen“, heißt es beim Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Es könnte also auch wieder billiger werden.

Wie kann ich zumindest etwas Geld beim Tanken sparen?

Wer abends tankt, spart mehrere Cent je Liter. Besonders zwischen 18 und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr ist Kraftstoff am günstigsten, wie der ADAC ermittelt hat. Am meisten kostet Sprit gegen 7 Uhr. Lesen Sie auch: EU-Kommission will Aus für Benziner und Dieselautos bis 2035

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