Milchbauer in Rissen

Online-Petition für Erhalt des Moorhofs geht viral

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Unterstützerinnen der Landwirtsfamilie Jaacks in Rissen: Charlotte Schroth (r.), Dorit Schön (M.) und Cornelia Fuhr bei der Unterschriftenübergabe.

Unterstützerinnen der Landwirtsfamilie Jaacks in Rissen: Charlotte Schroth (r.), Dorit Schön (M.) und Cornelia Fuhr bei der Unterschriftenübergabe.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Unterstützer von Landwirt Hauke Jaacks übergeben 120.000 Unterschriften an den Senat. Jetzt muss die Umweltbehörde Stellung nehmen.

Hamburg. Im Streit um die Zukunft des Moorhofs in Rissen lassen die Unterstützer der Landwirtsfamilie Jaacks nicht locker. Am gestrigen Donnerstag haben die Initiatorinnen einer Online-Petition mehr als 120.000 Unterschriften symbolisch an eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros von Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) übergeben.

„Wir fordern einen runden Tisch, bei dem der Fall noch einmal aufgearbeitet und für alle Beteiligten eine Lösung gefunden wird“, erklärte die Rissenerin Charlotte Schroth, die die Petition auf der Plattform Change.org Anfang November mit Dorit Schön und Cornelia Fuhr gestartet hatte, bei der Übergabe vor dem Hamburger Rathaus.

Milchbauer in Rissen: Bauer Jaacks sollte Hof verlassen

Wie berichtet, war die verpachtete Hofstelle im Klövensteen mit 16 Hektar Land 2019 an einen Hamburger Unternehmer verkauft worden, der dort einen Reiterhof bauen will. Seitdem schwelt der Konflikt. Pächter Hauke Jaacks betreibt dort einen Milchviehbetrieb mit 300 Tieren und will den Hof nicht verlassen.

Aus seiner Sicht hätten die Behörden dem Verkauf der landwirtschaftlichen Flächen, für die er ebenfalls ein Kaufangebot gemacht hatte, nicht zustimmen dürfen. Vor dem Verwaltungsgericht Hamburg läuft ein Widerspruchsverfahren gegen die Abweisung seiner Klage gegen die Stadt. Sein Pachtvertrag war Ende Dezember ausgelaufen.

Online-Petition ging viral

Die Unterstützerinnen wollen jetzt erreichen, dass die Umweltbehörde das Verfahren für die Entscheidungsfindung auf Verfahrensfehler und Versäumnisse hin überprüft. Genehmigt hatte den Verkauf die damals zuständige Wirtschaftsbehörde auf Grundlage des geltenden Grundstücksverkehrsgesetzes. „Es hätte einen Ermessensspielraum gegeben“, sagte Dorit Schön.

Die Hamburgerinnen befürchten zudem steigende Umwelt- und Verkehrsbelastungen durch den neuen Reiterhof. Der Fall sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit. Die Zahl der Unterschriften hat sich seit Jahresbeginn verzehnfacht, nachdem die Petition verstärkt in sozialen Medien geteilt worden war. Unter anderem hatte der bekannte Wanderschäfer Sven de Vries (Schafzwitschern) aus Baden-Württemberg bei Twitter seine Leser zum Unterschreiben aufgefordert.

Bei Change.org gibt es einen Mechanismus, bei dem Redaktion auf Petitionen hinweist. Zudem können Nutzer ab einer Mindestzahl von Unterschriften Petitionen über Nutzeranzeigen auf der Plattform bewerben. Das funktioniert mit einigen Klicks und der Überweisung eines Geldbetrags. Das Prinzip funktioniert wie bei Facebook-Anzeigen oder gesponserten Twitter-Tweets. Die Moorhof-Petition ist nach Angaben von Change.org eine der erfolgreichsten Online-Petitionen der vergangenen Monate. Im gesamten Jahr 2021 wurden nur 35 Petitionen von mehr als 100.000 Menschen unterzeichnet.

Linke: Pferdepensionen gehören zu Freizeitwirtschaft

Aktuell wollten sich weder der Landwirt noch der neue Besitzer äußern. Der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Stephan Jersch forderte den Senat zum Handeln auf: „Pferdepensionen sind keine Landwirtschaft, sie gehören zur Freizeitwirtschaft.“ Ein neues Agrarstrukturgesetz müsse das künftig sicherstellen. Die Petition wird jetzt aus der Senatskanzlei an die Umweltbehörde weitergeleitet. Eine Stellungnahme wird in den nächsten Tagen erwartet.

( mik )

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