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Elektroautos stehen in Hamburg vor dem Durchbruch

| Lesedauer: 5 Minuten
Volker Mester
Ein Volkswagen ID.3 wird mit Strom „betankt“. Dieses Modell gehört zu den derzeit meistverkauften Elektroautos.

Ein Volkswagen ID.3 wird mit Strom „betankt“. Dieses Modell gehört zu den derzeit meistverkauften Elektroautos.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Elektrische Neuzulassungen haben sich in 2021 verdreifacht. Was aus Sicht der Autohäuser noch für den endgültigen Erfolg fehlt.

Hamburg. Jahrelang waren Elektroautos auf den Straßen Hamburgs nur eine Nischenerscheinung – ganz im Gegensatz zu ihrer Präsenz in der öffentlichen Diskussion. Doch nachdem die Hersteller praxistaugliche Volumenmodelle auf den Markt brachten und die Bundesregierung den staatlichen Zuschuss zum Kaufpreis deutlich heraufsetzte, machen Pkw mit batterieelektrischen Antrieben nun einen nennenswerten Anteil am Neuwagenabsatz aus.

So hat sich in Hamburg im ersten Halbjahr 2021 die Zahl der Neuzulassungen reiner E-Autos im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf knapp 3000 Fahrzeuge mehr als verdreifacht. Zusammen mit den von außen aufladbaren Hybrid-Pkw („Plug-In-Hybrid“) fällt inzwischen schon jeder siebte Neuwagen in der Hansestadt in diese Gruppe.

Elektroautos in Hamburg immer beliebter

Dabei ist das eher ein Rückblick. „Bei uns machen schon allein die reinen E-Autos rund 20 Prozent aller Neubestellungen aus“, sagt Thorsten Petschallies, Geschäftsführer des Volkswagen-Autohauses Petschallies mit Standorten in Volksdorf, Sasel, Poppenbüttel und Ahrensburg: „Die Bestellungen liegen wegen der Lieferzeiten drei bis sechs Monate vor der Zulassung.“

Volkswagen stellt allerdings drei der zehn bundesweit meistverkauften Elektroautos des ersten Halbjahres 2021. Somit hat Petschallies so etwas wie ein Luxusproblem: „Wir könnten noch mehr verkaufen, wenn der E-Up noch bestellbar wäre.“ Doch der Kleinwagen ist schon seit vielen Monaten vergriffen und kann, wie VW auf der eigenen Internet-Seite angibt, „vorübergehend“ nicht mehr in einer individuellen Ausstattung geordert werden. Insgesamt verzeichne er ein „deutlich erhöhtes Interesse“ der Kunden an der Elektromobilität, sagt Thorsten Petschallies.

Ladesäulen für Elektroautos: Dello beklagt Mangel

Von einem spürbar vermehrten Interesse spricht auch Kurt Kröger, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Autohandelskette Dello, die neben Opel und Toyota eine Reihe weiterer Marken im Angebot hat. „Wir sind mit den Verkäufen von Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben nicht unzufrieden. Aber es wäre verfrüht, schon jetzt von einem echten Durchbruch zu sprechen“, fügt Kröger an.

Nach seiner Beobachtung ist ein hoher Aufwand für die Beratung der Interessenten erforderlich, denn die individuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen seien sehr unterschiedlich: „Viele Kunden überlegen, ein Elektroauto zu kaufen, müssen sich dann aber doch dagegen entscheiden, weil es am bequemen Zugang zu Lademöglichkeiten fehlt.“

Elektromobilität: Wer eine Wallbox zu Hause hat, hat einen Vorteil

In dieser Hinsicht sei „noch einiges an Vorarbeit zu leisten“, so Kröger: „Wer in einem eigenen Haus wohnt, hat es leichter, weil er in der Garage oder am Stellplatz eine ‘Wallbox’ mit Ladekabel installieren lassen kann.“

Dagegen können die so genannten Laternenparker ihr Auto nicht so einfach bis zum nächsten Morgen wieder aufladen – und in Metropolen wie Hamburg muss immerhin knapp die Hälfte der Pkw die Nacht im „öffentlichen Straßenraum“ verbringen.

Elektroautos: In Hamburg sind Hybrid-Modelle beliebter

Das könnte eine merkwürdige Auffälligkeit in den Statistiken des Kraftfahrtbundesamts mindestens zum Teil erklären: Während Hamburg beim Anteil aller Pkw mit Elektroantrieben – einschließlich der Hybrid-Fahrzeuge – am Auto-Gesamtbestand zu Jahresbeginn mit 1,8 Prozent an der Spitze aller Bundesländer rangierte, liegt die Hansestadt beim Neuzulassungsanteil der reinen E-Autos im ersten Halbjahr 2021 mit 5,7 Prozent ganz hinten.

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Auch im Hinblick auf die Lademöglichkeiten der Kunden ist Petschallies in einer besseren Position als manche Wettbewerber: Durch die Lage der Firmenstandorte im Nordosten Hamburgs mit einem hohen Bestand an Einzel- und Doppelhäusern haben viele potenzielle E-Auto-Kunden die Möglichkeit, für eine eigene Stromtankstelle zu sorgen. „Das Interesse konzentriert sich bei uns auch eher auf reine Elektrofahrzeuge als auf Hybrid-Antriebe“, sagt Thorsten Petschallies.

Neuzulassungen in Hamburg nehmen zu

Aber den Großteil der Verkäufe machen auch bei ihm weiterhin die Autos mit Verbrennungsmotor aus. Insgesamt haben die Neuzulassungen in Hamburg von Januar bis Juni um knapp 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – als die Verkaufsräume der Hamburger Autohäuser wochenlang wegen der Pandemie geschlossen waren – auf 52.141 Fahrzeuge zugenommen.

Es hätten wohl noch mehr sein können, wenn nicht der Mangel an Elektronikbauteilen die Produktion bei den Herstellern kräftig ausbremsen würde.

Dello-Chef setzt auf Wasserstoff oder klimaneutralen Treibstoff

Zwar bedeutet das neue Klimaschutz-Paket der EU-Kommission praktisch ein Verkaufsverbot von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2035. Dello-Chef Kröger findet aber, die Politik sei in dieser Hinsicht „zu eingleisig unterwegs“. Schließlich gebe es prinzipiell durchaus Alternativen zu den Elektroautos mit Batterie, auf die man jetzt setze. „Wer redet über Wasserstoff oder über künstlichen Kraftstoff ohne CO-Emissionen?“, fragt Kröger.

Er ist überzeugt: „Wenn so etwas zu einigermaßen konkurrenzfähigen Preisen auf den Markt kommt, ist das Thema der batterieelektrischen Autos am nächsten Tag beendet.“

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