Haspa-Umfrage

Klimaschonende Produkte dürfen mehr kosten – aber nur wenig

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Volker Mester
Harald Vogelsang
ist der Vorstandssprecher der
Haspa.

Harald Vogelsang ist der Vorstandssprecher der Haspa.

Foto: Marcelo Hernandez

Haspa-Umfrage unter Hamburgern ergibt: Nachhaltigkeit bedeutet für die meisten Verbraucher nicht Verzicht.

Hamburg.  Zur Nachhaltigkeit haben die Verbraucher noch immer ein zwiespältiges Verhältnis. Zwar sagen 78 Prozent der Hamburger einer Umfrage der Meinungsforschungsfirma YouGov im Auftrag der Haspa zufolge, ihnen seien Nachhaltigkeit und Klimaschutz wichtig oder sogar sehr wichtig. Doch auf die Frage, ob klimaschonende Produkte mehr kosten dürfen, antworten 50 Prozent der Hamburger mit: „Ja, aber nur wenn der Preisunterschied gering ist.“

Auf jeden Fall mehr dafür zahlen würden nur 20 Prozent der Befragten, während 27 Prozent eine Mehrausgabe für ein klimaschonenderes Produkt ablehnen. Und nur 38 Prozent der Verbraucher aus der Hansestadt sagen, Nachhaltigkeit bedeute für sie auch Verzicht. Für lediglich 27 Prozent der Hamburger gehört auch die Einhaltung der Menschenrechte zur Nachhaltigkeit.

Wichtiger Hebel ist das Prinzip „buy local“

Als selbstverständlich gilt hingegen vor allem der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen durch Energiesparen (94 Prozent), Müllvermeidung (92 Prozent) oder Wassersparen (91 Prozent). Hinzu gekommen ist in den zurückliegenden Jahren der verantwortungsvolle Konsum.

Ein wichtiger Hebel ist nach den Erkenntnissen der Haspa das Prinzip „buy local“: 84 Prozent der Befragten beziehen ihre Produkte und Dienstleistungen von regionalen Anbietern. Bei Lebensmitteln (83 Prozent) und Kleidung (62 Prozent) achten die Hamburger zumindest gelegentlich auf die Nachhaltigkeit der Produkte.

Auch bei Finanzentscheidungen kommt die Nachhaltigkeit vermehrt mit ins Spiel

Als dringlichstes aktuelles Problem der Stadt werden der Umfrage zufolge zwar die Corona-Pandemie und die Wohnungsnot betrachtet. Aber der Klimawandel rangiere hier in der Bedeutung bereits vor der Bildung und der Wirtschaftslage. Aus Sicht der Befragten sollte das allgemeine Klimabewusstsein vor allem durch Anreize (65 Prozent) und weniger durch Verbote (24 Prozent) befördert werden.

Auch bei Finanzentscheidungen kommt die Nachhaltigkeit vermehrt mit ins Spiel. 34 Prozent der Befragten wollen nach Angaben der Haspa nachhaltige, klimaschonende Bankprodukte kaufen oder nutzen bereits welche. Ungefähr genauso viele (31 Prozent) haben sich allerdings noch keine Meinung gebildet oder haben dies nicht vor (35 Prozent).

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„Der Jahresstart war bei den nachhaltigen Investmentfonds bisher der stärkste, den wir je hatten“, sagte Haspa-Chef Harald Vogelsang. Im Januar hätten die Kunden bereits jeden zweiten Euro in nachhaltige Anlageprodukte investiert. Zum Jahresstart habe die Haspa ihr Portfolio an derartigen Fonds deutlich verbreitert, in den kommenden Monaten solle es noch weiter ausgebaut werden.

Zwar wäre der Umfrage zufolge jeder vierte Hamburger sogar bereit, für mehr Nachhaltigkeit auf Rendite zu verzichten. „Nachhaltigkeit und Rendite sind allerdings längst keine Gegensätze mehr“, so Vogelsang. „Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, arbeiten im Vergleich zum Gesamtmarkt heute oft sogar profitabler und ihre Aktienwerte schwanken weniger.“

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