Corona-Pandemie

Norderstedter bauen Hamburgs Impfzentrum in Messehallen

Impfzentrum in den Hamburger Messehallen: Sebastian Goers, Inhaber des Messebauers Lüco, schaut sich in der Werkstatt in Norderstedt ein Element für eine Impfkabine an.

Impfzentrum in den Hamburger Messehallen: Sebastian Goers, Inhaber des Messebauers Lüco, schaut sich in der Werkstatt in Norderstedt ein Element für eine Impfkabine an.

Foto: Andreas Laible

Mittelständler Lüco ist für den Innenausbau der beiden Messehallen verantwortlich. „Wie ein Sechser im Lotto.“

Hamburg. Der erste Anruf kam Anfang November. Erst konnte Sebastian Goers kaum glauben, dass es sich bei dem Gespräch mit der Messe Hamburg nicht um eine Absage handelte, sondern um einen Auftrag. Und zwar einen von größter Bedeutung für ganz Hamburg. „Danach ging es ganz schnell“, sagt der Chef des Norderstedter Messebauer Lüco . Seit gut einer Woche errichtet sein Unternehmen das neue Impfzentrum in den Messehallen . Zur Eröffnung Mitte Dezember muss alles fertig sein. „Wir haben quasi über Nacht unsere Produktion von null auf 200 Prozent hochgefahren“, sagt der 40-Jährige.

Durch Corona-Krise 95 Prozent der Aufträge verloren

Die Corona-Pandemie hat den Betrieb mit 30 Mitarbeitern hart getroffen. Seit neun Monaten wird eine Messe nach der anderen abgesagt. Auch der Termin für die wichtige Gastronomiemesse Internorga, die im März 2021 zunächst als Präsenzveranstaltung geplant war, ist inzwischen gestrichen. Lüco, als Vertragspartner der Hamburg Messe und Con­gress GmbH, hatte das Aus für dieses Event bereits hohe Umsatzeinbußen beschert. Insgesamt seien sogar 95 Prozent der Aufträge weggebrochen. „Ich hatte schon Sorgen, wie wir das überstehen können“, sagt Goers, der den Betrieb in vierter Generation führt.

Acht Impfbereiche in zwei Hallen

Jetzt können sie gar nicht schnell genug arbeiten. Innerhalb von zwei Tagen hat Goers sein Team aus der Kurzarbeit geholt. Lüco hat den Auftrag, die gesamte Inneneinrichtung für die beiden als Impfzentrum vorgesehenen Messehallen zu errichten – 5500 Quadratmeter bebaute Fläche. Auftraggeber sind die Kassenärztliche Vereinigung und die Hamburger Sozialbehörde. Acht Impfbereiche sollen entstehen, jeweils mit Regis­trierungstresen, Wartezone, Impfkabinen und Ruhebereich. „Die Herausforderung ist, die Planung des Architekten auf unser Messebausystem zu transferieren und zugleich die höheren qualitativen Anforderungen zu erfüllen“, sagt der Lüco-Chef.

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Zusätzliche Hygienemaßnahmen

Denn anders als bei einer Messe, die nach wenigen Tagen wieder abgebaut wird, bleibt das Impfzentrum mindestens ein halbes Jahr lang Arbeitsplatz für Hunderte Beschäftige, die täglich 7000 Hamburger impfen. Der gesamte Innenausbau steht auf einem Podest, weil darunter die Leitungen für Wasser, Strom und das Internet verlegt werden. „Damit gelüftet werden kann, müssen wir richtige Fenster einbauen, wo wir normalerweise eine Plexiglasscheibe verwendet hätten“, sagt Goers. Alle Impfkabinen werden zudem aus Hygienegründen mit abwaschbaren Spanplatten verkleidet – insgesamt 5500 Quadratmeter zusätzliches Material.

Mitarbeiter machen Wochenendschichten

Gebaut wird in der Werkstatt in Norderstedt. Die 20 Mitarbeiter sind von morgens früh bis abends spät beschäftigt, auch Wochenendschichten wurden eingerichtet. Für den Aufbau wurde ein Subunternehmen an Bord geholt. „Alle sind hoch motiviert“, sagt Goers, der auch für die Einrichtung zuständig ist. Seit Tagen laufen die Drähte heiß, um Stühle, Tische, Schränke und Spinde zu besorgen. „Es ist nicht einfach, mal kurz 600 gleiche Stühle zu bestellen“, sagt der Lüco-Inhaber. Bislang laufe es aber gut.

Corona trifft Veranstaltungsbranche schwer

Die Corona-Krise setzt der Messe- und Veranstaltungsbranche schwer zu. Es gibt kein Unternehmen, das nicht betroffen ist. „Dem sechstgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands mit 130 Milliarden Euro Umsatz und rund einer Million Arbeitnehmer ist seit Beginn der Covid-19-Krise faktisch jede Arbeitsgrundlage entzogen worden“, klagt das Bündnis #AlarmstufeRot. Auch Mittelständler Lüco konnte sich nur mit staatlichen Hilfen wie Kurzarbeit und öffentlichen Fördermitteln sowie dem freiwilligen Verzicht von Mitarbeitern einigermaßen über Wasser halten.

Einer der größten Aufträge der Firma

Der Auftrag für das Impfzentrum gibt dem Messebauer neue Hoffnung. „Das ist wie ein Sechser im Lotto.“ Genaue Zahlen zum Volumen unterliegen dem Stillschweigen. Nur so viel: „Es ist einer der größten Aufträge in der Firmengeschichte“, sagt Goers. Damit sei das Bestehen des Unternehmens bis zum Ende der Krise gesichert.