Geschäftsmodell

Wie eine Barsbütteler Eventfirma digital überlebt

Max Schönemann (l.) vermittelt Tom Witt und dessen Band Coverpiraten. Er hat vier Live-Konzerte der Musiker während Corona gestreamt.

Max Schönemann (l.) vermittelt Tom Witt und dessen Band Coverpiraten. Er hat vier Live-Konzerte der Musiker während Corona gestreamt.

Foto: HA

Unternehmer hat flexibel auf Krise reagiert. Er streamt Konzerte und produziert gerade einen Weihnachtsfilm für den Serengeti-Park.

Barsbüttel. Die Lagerhalle auf dem Hof im Barsbütteler Ortsteil Willinghusen ist prall gefühlt: Auf einer 400-Quadratmeter-Fläche sind Kulissen aneinandergereiht und aufgestapelt, Tresen, Stände, Plastikskelette sowie andere Dekorationsutensilien wie Holzfässer. Alles Bestandteile eines Piratendorfs, das Max Schönemann normalerweise auf der Kieler Woche aufbaut – dem weltweit größten Segelsportereignis samt Sommerfest über mehrere Tage.

100 Prozent Umsatzeinbruch beim klassischen Geschäft

Wegen Corona ging das in diesem Jahr aber nicht. Der 41-Jährige ist Geschäftsführer der Agentur IWM events und einer von rund 1,5 Millionen Menschen hierzulande, die in der Veranstaltungsbranche arbeiten und durch die Einschränkungen besonders hart betroffen sind. „Wir haben seit März 100 Prozent Umsatzeinbruch beim klassischen Geschäft“, berichtet der Unternehmer. Trotzdem wird seine Firma dieKrise überleben, weil er das Geschäftsmodell geändert hat. Geld verdient Schönemann derzeit mit digitalen Aktivitäten.

„Wer sich nicht bewegt, der hat schon verloren“, sagt der Selbstständige. Mit seiner Barsbütteler Agentur ist er seit vielen Jahren auf großen Stadtfesten vornehmlich in Norddeutschland zugegen mit Getränkeständen, vermittelt dabei auch Künstler wie zum Beispiel die Barsbütteler Band Coverpiraten und stellt eine 14 Meter breite Rundbogenbühne inklusive 50-Quadratmeter-LED-Leinwand – also das komplette Equipment für ein Konzert. Darüber hinaus bietet Schönemann auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern Cocktailcatering an. Seine Dienste waren gefragt.

Mit der Pandemie kam Aus für Großveranstaltungen

Dann kam Corona und damit das Aus für Großveranstaltungen mit Menschen, die sich in Bierzelten tummeln. 9000 Euro Staatshilfe habe er anfangs erhalten. Das sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. „Weil ich meinen Umsatz über Getränke generiere und keine Tickets verkaufe, gibt es keine weitere Unterstützung“, sagt Schönemann, der eine Buchhalterin beschäftigt und ansonsten bis zu 35 Honorarkräfte einsetzt, je nach Größe des Events.

Auf der Kieler Woche im September ging alles kleiner zu als üblich: keine ausufernden Partys und eine begrenzte Besucherzahl. Im Fokus stand der Sport. Schönemann gewann die Ausschreibung zur Lead-Agentur, digitalisierte das abgespeckte Volksfest. Er streamte Konzerte von 30 Bands auf LED-Leinwände, die unter anderem auf dem Rathausplatz, im Schlossgarten und Segelkino installiert waren. 25 Fachkräfte engagierte Schönemann für dieses Projekt, Kameraleute, Cutter und einen Regisseur. Er hat ein großes Netzwerk.

Unternehmer ist studierter Multimedia-Producer

Momentan produziert der Unternehmer einen Weihnachtsfilm für den Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen mit Schauspielern und Tieren. Ein Drehtag steht noch aus. Das Werk wird 60 bis 70 Minuten dauern und per Internetstream abrufbar sein. Frühbucher zahlen 6,50 Euro und Kurzentschlossene 8,50 Euro. Doch damit nicht genug: Am 18. Dezember überträgt die Barsbütteler Agentur das Live-Konzert der schwedischen Hard-Rock-Band Thundermother aus der Klangbar in Hamburg-Bergedorf, hat zudem eine Anfrage einer großen Messe für Behinderte, die sich digitalisieren will. „Hätten wir den Wandel nicht gemacht, wäre das Unternehmen erledigt gewesen“, sagt Schönemann. Die Rücklagen wären Ende 2020 aufgebraucht gewesen. Er will die Arbeit an Projekten dieser Art im kommenden Jahr forcieren, sieht das Beispiel seiner Firma auch als ermutigendes Zeichen für andere Agenturen.

„Ich glaube, dass die durch Corona beschleunigte Entwicklung hin zur Verlinkung analoger Veranstaltungen auch künftig unsere Branche prägen wird“, so Schönemann. Man werde nach der Pandemie zweigleisig unterwegs sein müssen. Dem Unternehmer ist es nicht schwergefallen, das Konzept umzustellen. Er hat an einer privaten Universität studiert und wurde so Multimedia-Producer, hat sich schon immer für das Web und Software interessiert. „Das Studium kommt mir gerade jetzt zugute“, sagt der Firmenchef.