Hamburger Weinhändler

Hawesko verklagt: Enkel des Gründers wollen Millionen

Alexander Margaritoff, Vorstandsvorsitzender der Hawesko Holding AG, im Jahr 2013 vor der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Hamburg

Alexander Margaritoff, Vorstandsvorsitzender der Hawesko Holding AG, im Jahr 2013 vor der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Hamburg

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius

Die minderjährigen Kinder des verstorbenen Vorstands Alexander Margaritoff ziehen vor Gericht. Erster Gerichtstermin ohne Einigung.

Hamburg.  Vier Jahre nach dem Tod des bekannten Hamburger Weinhändlers und ehemaligen Hawesko-Mehrheitsaktionärs Alexander Margaritoff gibt es Streit um die Auszahlung einer Millionensumme an seine Kinder Mikhail (12) und Omnia (7). Unter dem Aktenzeichen 3170317/19 liegt beim Landgericht Hamburg eine Klage gegen die Hawesko Holding – die Firma, die Margaritoffs Vater 1964 gegründet hatte. Eine mündliche Verhandlung vor dem Landgericht am 6. November brachte keine Einigung, wie die Bild berichtet. Danach hat das Gericht für den 15. Dezember eine Entscheidung angekündigt.

Es geht um eine Lebensversicherung, die das Unternehmen dem früheren Vorstandschef zugesichert haben soll. „Diese Zusage ist aber nie umgesetzt worden“, sagte Rechtsanwalt Sebastian Naber, der die beiden minderjährigen Kinder vertritt, auf Abendblatt-Anfrage. In der Folge hatten die Erben keine Versicherungsleistungen erhalten. Vor Gericht fordern sie jetzt Schadensersatz in Höhe von 1,28 Millionen Euro von dem Unternehmen. Das Landgericht hat für den 6. November eine mündliche Verhandlung anberaumt.

Hawesko und Gründer-Enkel streiten um Lebensversicherung

Es ist nicht unüblich, dass in Vorstandsverträgen auch Versicherungsabschlüsse festgeschrieben werden. Im konkreten Fall streiten sich die Parteien laut Jurist Naber über die Frage, ob die Lebensversicherung in Margaritoffs letzten Anstellungsvertrag aus dem Jahr 2014 nur bei Unfall oder auch bei Krankheit gelten sollte. Der Weinhändler war mit 63 Jahren an Krebs gestorben.

Mehrere Versuche sich, wie in solchen Fällen üblich, außergerichtlich zu einigen, seien fehlgeschlagen, so Naber. Hawesko wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren“, sagte Sprecher Thomas Hutchinson dem Abendblatt.

Alexander Margaritoff hatte Hawesko zu führendem Weinhändler gemacht

Alexander Margaritoff hatte das Hanseatische Wein und Sekt Kontor 1981 als kleinen Versandhandel übernommen und zu einem der führenden Weinhändler gemacht, zu dem heute auch 320 Filialen von Jacques’ Wein Depot gehören. Im Jahr vor seinem Tod 2016 hatte der Gründersohn, der mit 30 Prozent die Mehrheit an Hawesko hielt und auch am HSV beteiligt war, einen spektakulären Übernahmekampf verloren.

Das könnte Sie auch interessieren:

Er verkaufte seine Anteile für eine dreistellige Millionensumme an den früheren Textilunternehmer (Street One, Cecil) und Hawesko-Aufsichtsrat Detlev Meyer und dessen Tocos Beteiligungs GmbH. Margaritoff legte danach alle Ämter nieder. Weil sein Vertrag bis zum Jahr 2019 lief, wurde ihm sein Gehalt in Höhe von sechs Millionen Euro ausbezahlt. Nach Informationen des Abendblatts hatte es nach dem Tod des Unternehmers Erbstreitigkeiten gegeben.

Hawesko hat Gewinn im zweiten Quartal um 85 Prozent gesteigert

Für Hawesko läuft das Geschäft mit dem Wein seit Jahren gut. Anfang August gab das Unternehmen bekannt, den Vorsteuergewinn (Ebit) im zweiten Quartal 2020 um 85 Prozent gesteigert zu haben. „Wir konnten im zweiten Quartal an die positive Entwicklung des ersten Quartals anknüpfen – trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie“, sagte Geschäftsführer Thorsten Hermelink. Die Einbrüche im Gastronomiebereich konnten durch Zuwächse im Onlinehandel mehr als ausgeglichen werden. Der Konzernumsatz stieg in dem Zeitraum um 13 Prozent auf 158,8 Millionen Euro.

Hawesko beschäftigt heute 1200 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 556 Millionen Euro. Am Donnerstag findet die Hauptversammlung statt. Die Holding will bei der virtuellen Veranstaltung eine Erhöhung der Dividende auf 1,75 Euro vorschlagen.