Hawesko & Co.

Hamburger gönnen sich in der Krise teuren Wein

| Lesedauer: 4 Minuten
Heiner Schmidt
Jens Lühmann ist Chef des Fachgeschäfts Weinquelle Lühmann.

Jens Lühmann ist Chef des Fachgeschäfts Weinquelle Lühmann.

Foto: Michael Rauhe

Händler Lühmann berichtet vom Trend zu edlen Tropfen in Coronazeiten. Hawesko erlebt Boom beim Onlineverkauf.

Hamburg. Weil die Restaurants bis auf Weiteres geschlossen sind, boomt jetzt der Verkauf in den Onlineshops und auch die Supermärkte profitieren. Der Shutdown wegen der Coronapandemie führt im Weinhandel zu umwälzenden Veränderungen. „In unseren unterschiedlichen Onlineshops gibt es Umsatzzuwächse zwischen 50 und 80 Prozent“, sagt Thorsten Hermelink, Vorstandschef des in Hamburg ansässigen Hanseatischen Wein- und Sektkontors (Hawesko). Den Wein, den sie in der Gastronomie nicht mehr trinken können, bestellen sich viele Verbraucher jetzt eben nach Hause. Oder nehmen sich ein Fläschchen aus dem Supermarkt mit. „Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet bei Wein bis zu 30 Prozent mehr Umsatz“, weiß Hermelink.

Weil Hawesko mit Jacques’ Wein­depot auch eigene Läden betreibt und einen erheblichen Teil seines Geschäfts als Großhändler und Lieferant für Restaurants und Hotels macht, kann der Konzern von diesem Trend aber nicht profitieren. „Die Zuwächse auf der einen Seite können die Rückgänge auf der anderen Seite nicht ganz ausgleichen“, sagt Hermelink. Zeitweise 70 bis 80 der insgesamt 330 Weindepot-Filialen waren wegen behördlicher Anweisungen in der Pandemie geschlossen. In einigen Gegenden ist das immer noch so.

Kunden schauen nicht mehr so genau auf den Preis

Doch nicht nur die Wege, auf denen sich Weintrinker Nachschub besorgen, haben sich geändert – mancher schaut auch nicht mehr ganz so genau auf den Preis oder gönnt sich eine teurere Flasche, hat Jens Lühmann, der Chef des Hamburger Fachgeschäfts Weinquelle Lühmann festgestellt. „Kunden, die bislang zumeist 10 bis 15 Euro pro Flasche ausgegeben haben, sind jetzt auch mal bereit, eine für 30 Euro zu kaufen“, sagt Lühmann. Seine Erklärung: „Wer bislang regelmäßig 40 Euro für eine Flasche Wein im Restaurant bezahlt hat und das jetzt nicht mehr kann, gibt diese Summe jetzt für eine besonders gute Flasche aus, die zu Hause getrunken wird.“ Derzeit werde mehr hochpreisiger Bordeaux, Burgunder und Sancerre verkauft.

Das Lühmann-Geschäft an der Lübecker Straße ist zwar weiter geöffnet, doch es kommen deutlich weniger Kunden. Das aber werde durch den Zuwachs bei den Onlinebestellungen ausgeglichen, sagt Jens Lühmann. Diese sind so sehr angestiegen, dass das Unternehmen vorsorglich darauf hinweist, der Versand könne länger dauern. Und Kunden im Geschäft kauften nun oft mehr als sonst.

Hawesko hat Probleme beim Versand der vielen Onlinebestellungen

Auch bei Jacques’ Weindepot sei die Kaufsumme auf dem Durchschnittsbon jetzt höher, bestätigt Hawesko-Chef Hermelink. Anders als bei Fachhändler Lühmann ist der Trend zu teureren Weinen in den Verkaufskanälen des Konzerns noch nicht angekommen. Aber auch Hawesko hat Probleme beim Versand der vielen Onlinebestellungen. Die Lieferzeit beträgt fünf bis sieben Tage. „Die Logistik arbeitet jetzt auch sonnabends, aber die Abstandsregeln verlangsamen die Abläufe“, so Hermelink.

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2019 war der Umsatz der Branche in Deutschland um 0,6 Prozent zurückgegangen. Hawesko dagegen legte um sechs Prozent auf 556 Millionen Euro zu, vor Steuern blieben gut 29 Millionen Euro Gewinn. Hermelinks Prognose für 2020: „Ich bin überzeugt,dass wir erneut einen Gewinn machen werden.“ Und noch eine gute Nachricht für sparsame Weingenießer: Weil in Europa derzeit so viel Wein auf dem Markt ist, könnten die Preise demnächst fallen.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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