Hamburg

Rekordgewinn – doch Stromnetz Hamburg hält an Preisen fest

Karin Pfäffle, Geschäftsführerin Stromnetz Hamburg, und Jens Kerstan (Bündnis90/Die Grünen), Senator für Umwelt und Energie in Hamburg, präsentieren den Geschäftsbericht 2019 der Stromnetz Hamburg AG.

Karin Pfäffle, Geschäftsführerin Stromnetz Hamburg, und Jens Kerstan (Bündnis90/Die Grünen), Senator für Umwelt und Energie in Hamburg, präsentieren den Geschäftsbericht 2019 der Stromnetz Hamburg AG.

Foto: Christian Charisius / dpa

Kerstan sieht keinen Spielraum für Preissenkung. Netzbetreiber erzielt höchsten Gewinn seit Rückkauf durch die Stadt.

Hamburg.  Für Hamburgs Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan war es ein Termin nach seinem Geschmack. Nicht nur, dass die Geschäftszahlen der Stromnetz Hamburg ganz klassisch bei einer Pressekonferenz im Werner-Otto-Saal der Kunsthalle präsentiert wurden – und nicht coronabedingt im Internet. Auch das Ergebnis stimmte den Grünen-Politiker, per Amt Aufsichtsratschef des kommunalen Netzbetreibers, sichtlich zufrieden.

Stromnetz Hamburg hat im vergangenen Jahr 91,9 Millionen Euro erwirtschaftet und einen Gewinn nach Steuern von 90,7 Millionen Euro an die Stadtkasse überwiesen – 55 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. „Das ist das höchste Geschäftsergebnis seit der Rekommunalisierung“, so der Senator, der sein Amt auch im neuen rot-grünen Senat behält. Gerade in der Coronakrise zeige sich, dass es eine gute Entscheidung gewesen sei, den Netzbetreiber vor vier Jahren zurückzukaufen und in krisenfeste und zukunftsfähige Netze zu investieren. Knapp 312 Millionen Euro flossen allein 2019 in die Infrastruktur.

Senator sieht keinen Spielraum für Preisreduzierung

Für eine Entlastung der Bürger sieht Kerstan dennoch keinen Spielraum. Laut des Vergleichsportals Verivox liegt der Hamburger Strompreis deutlich über dem Bundesschnitt und wegen des hohen deutschen Strompreises auch an der Spitze im europäischen Vergleich. Der Senator betonte, dass die Netzentgelte nur einen Anteil von gut einem Fünftel am Strompreis ausmachten und daher weniger ausschlaggebend für die Kosten seien als die hohe Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das seien Versäumnisse der Bundesregierung, kritisierte der grüne Senator.

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Geschäftsführerin Karin Pfäffle ging auf die Coronakrise ein und betonte, dass die Stromnetz Hamburg mit seinen 1300 Mitarbeitern auf eine Krisensituation vorbereitet gewesen sei. „Allerdings haben wir mit einer technischen Krise und nicht mit einer Gesundheitskrise gerechnet.“ Trotzdem sei die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet gewesen. Unter anderem habe man in der wichtigen Netzleitwarte das Personal nach dem Drittelprinzip getrennt, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

Neue Strategie für Blackout geplant

Trotz Krise will Stromnetz Hamburg auch in diesem Jahr weiter kräftig investieren. Dabei hat das kommunale Unternehmen auch größere Krisenszenarien wie einen Strom-Blackout im Blick. Hamburg wolle sich mit Investitionen in die sogenannten Schwarzstartfähigkeit stärker vom Bund unabhängig machen, erklärte Thomas Volk, technischer Geschäftsführer des Netzlieferanten. Nach den aktuellen Plänen werde der Hansestadt eine geringe Bedeutung beim Wiederanfahren der Stromversorgung beigemessen – konkret erst am dritten Tag nach einem Blackout.

Acht Millionen Euro lässt sich Stromnetz Hamburg den Aufbau eines eigenen Notfallkonzepts kosten. Zudem ist unter anderem die Erneuerung des Umspannwerks Langenhorn geplant. Kosten: 31 Millionen Euro. In der Neustadt wird die Energieversorgung für 14.200 Kunden im Zuge einer Quartierssanierung modernisiert. Laut Volk hat Stromnetz Hamburg im vergangenen Jahr 20.000 Baustellen veranlasst. Die Versorgungszuverlässigkeit sei mit einem Wert von 8,7 Minuten Stromausfall pro Bürger und Jahr weiter gesunken.

Stromabsatz ist wegen Corona stark gesunken

Nach dem erfolgreichen Jahr 2019 sind die Prognosen für dieses Jahr wegen der Corona-Krise allerdings unsicher. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. „Der Absatzrückgang der vergangenen Monate wird nicht durch den gestiegenen Verbrauch im Homeoffice kompensiert“, sagte Geschäftsführerin Pfäffle. Seit Ende April normalisiere sich die Lage wieder.

Allerdings könnten Großabnehmer wie Stahlhersteller wegen Absatzproblemen ihren Energieverbrauch weiterhin reduzieren – und damit auch die Netzentgelte für Stromnetz Hamburg und Beitrag in die Stadtkasse.