Beyer & Söhne

Wo die Hautcreme 1000 Euro pro Liter kostet

Robby und Nico Beyer von Beyer & Söhne.

Robby und Nico Beyer von Beyer & Söhne.

Foto: Ulrich Schaarschmidt

Zwei Hamburger Brüder vermarkten das von ihrem Vater entwickelte Pflegeprodukt. Sie setzen dabei ganz auf Online und Social Media.

Hamburg.  Gut 40 Jahre lange führte Hartmut Beyer eine Apotheke in Alsterdorf. Er entwickelte eine Hautcreme aus rein natürlichen Zutaten, weil ihm seine Falten im Spiegel nicht gefielen, und diese Creme verkaufte er dann auch an seine Kunden. Das war die Geburtsstunde von „Beyer & Söhne“.

Seine beiden Jungs Nico und Robby dachten sich 2011, mit dem Geheimrezept sei doch sicher irgendetwas anzustellen, und bauten ihren eigenen Onlinehandel auf. Die Apotheke wurde mittlerweile verkauft, die in Hamburg erfundenen Produkte gibt es nun aber überall.

Es werden stets nur kleine Crememengen produziert

„Online ist für uns der perfekte Kanal. Er ermöglicht uns den Austausch mit unseren Kunden in Sekundenschnelle“, erklärt Nico. Das garantiert die Frische der Produkte, denn es werden stets nur kleine Crememengen produziert, die auf Bestellung aus dem Kühlschrank an die Kunden geliefert werden. So lassen sich hoch dosierte Vitamine und natürliche Fette ohne Emulgatoren und Zusatzstoffe verwenden.

Nico Beyer gibt zu, dass der Kosmetikmarkt eigentlich schon voll sei. Wie behauptet man sich also in dieser überfüllten Branche, in der es auf der anderen Seite beeindruckende Gewinnspannen gibt? „Eine höhere Marge gibt es wohl nur im Drogengeschäft“, sagt er lachend.

Beyer & Söhne setzt ganz auf Online und Social Media

Er und sein Bruder drängen bewusst nicht in den Einzelhandel („Neben Riesen wie L‘Oréal hat man kaum eine Chance.“), sondern setzen im Vertrieb komplett auf Online und Social Media. Sie treten persönlich über YouTube, Live-Chats, Updates per Mail oder Facebook mit den Kunden in Kontakt. Außerdem arbeiten sie mit Influencerinnen zusammen, die ihre Produkte auf ihren Kanälen erklären.

„Bei Frauen ist Instagram inzwischen wie googeln“, sagt Beyer. Es komme allerdings darauf an, seine Mediapartner sehr genau auszusuchen. Einfach jemandem mit vielen Followern die Pflegeprodukte in die Hand zu geben und dafür noch 1000 Euro pro Post zu zahlen – das bringe wenig.

Die beiden jungen Unternehmer untersuchen genau, ob die Followerzahl der Influencerinnen organisch gewachsen ist. Stammen viele der Follower von ihnen aus Brasilien oder Indien – wurden sie wahrscheinlich gekauft. Glaubwürdigkeit sei ein extrem wichtiger Wert heutzutage.

Nachhaltige Entwicklung

„Social Media ist unsere Visitenkarte, schafft Nähe. Am Ende geht es darum: Glaubt der Kunde mir, dass ich eine wirklich gute Creme herstelle, oder glaubt er einem anderen?“, erklärt der 39-Jährige. 1,2 Millionen Euro Umsatz machte Beyer & Söhne im vergangenen Jahr. So langsam läuft das Geschäft.

Neben der von Vater Hartmut entwickelten „Hautcreme+“ in mehreren Varianten, von der 50 Milliliter 49,90 Euro kosten – was einen Literpreis von annähernd 1000 Euro ergibt – gehören inzwischen sechs weitere Hautpflegeprodukte zum Sortiment im Onlineshop (www.beyer-soehne.de). „Die nachhaltige Entwicklung und die Hinwendung der Menschen zum bewussteren Konsum spielt uns in die Karten“, sagt Nico Beyer.