Luftfahrt

Airbus A380 – was die Airlines mit ihren Super-Jumbos machen

| Lesedauer: 10 Minuten
Wolfgang Horch
Ein Airbus A380, der in Hamburg mitgebaut und zum Teil ausgeliefert wird, steht für Bodentests auf der Piste. 242 Exemplare des größten Passagierflugzeugs der Welt lieferte Airbus bisher aus. Neun werden noch folgen. Im nächsten Jahr wird die Fertigung gestoppt

Ein Airbus A380, der in Hamburg mitgebaut und zum Teil ausgeliefert wird, steht für Bodentests auf der Piste. 242 Exemplare des größten Passagierflugzeugs der Welt lieferte Airbus bisher aus. Neun werden noch folgen. Im nächsten Jahr wird die Fertigung gestoppt

Foto: S.OGNIER / Airbus S.A.S.2017/S.OGNIER

Zwischen Verschrotten und Neuausliefern: Airbus baut bald keinen A380 mehr. Die Airlines reagieren, das Hamburger Werk auch.

Hamburg. Für Pilger ist der Flughafen von Tarbes in Südfrankreich am Fuß der Pyrenäen ein attraktives Reiseziel. Schließlich liegt nur rund zehn Kilometer weiter im Süden Lourdes – ein durch Marienerscheinungen bekannter und beliebter Wallfahrtsort. Für Luftfahrtfans ist schon der Airport an sich von Interesse. Auf dem Gelände stehen viele Jets fein säuberlich geparkt nebeneinander. Startbereit sind sie aber zum Teil nicht mehr. Denn Tarbes ist auch ein Friedhof für Flugzeuge – wie für zwei Airbus A380.

Es war Anfang 2019, als das größte Passagierflugzeug der Welt binnen weniger Wochen gleich zweimal für viele Schlagzeilen sorgte. Kurz nach dem Jahreswechsel kam heraus, dass die ersten A380 bei der in Tarbes sitzenden Firma Tarmac Aerosave verschrottet werden. Und Mitte Februar verkündete Airbus das Aus für das Flugzeugprogramm. Im nächsten Jahr soll der letzte A380 endmontiert werden.

Airbus A380: Diese Airlines fliegen den Mega-Jumbo

Die Produktion des einst als „Königin der Lüfte“ gestarteten Riesen-Airbus wird für immer gestoppt – nur 14 Jahre nach der Erstauslieferung an Singapore Airlines. Eine für Flugzeugmuster kurze Lebensphase. Aber wie geht es mit dem A380 nun weiter? Das Abendblatt sprach mit Airbus, Airlines und einer wichtigen Leasinggesellschaft und gibt einen Überblick.

Mehr als 500 A380-Teile wurden für 35 Millionen Euro verkauft

In Tarbes waren die Mitarbeiter von Tarmac Aerosave in den vergangenen Monaten fleißig. „Mittlerweile sind alle verwertbaren Teile der beiden Flugzeuge ausgebaut, geprüft, verpackt und eingelagert worden“, sagte Sebastian Podwojewski, Sprecher des Fondsanbieters Dr. Peters.

Das Dortmunder Unternehmen hatte die Fonds DS 129 und DS 130 aufgelegt. Geld von privaten Anlegern wurde eingeworben, mit denen der Kauf von jeweils eines A380 finanziert wurde. Doch Leasingnehmer Singapore Airlines hatte nach zehn Jahren im Einsatz keine Verwendung mehr für die Maschinen. Modernere Flugzeuge wie der A350 oder Boeings 787 sind aufgrund ihrer nur zwei Triebwerke (statt vier beim A380) und ihres höheren Anteils an Kohlefaserverbundwerkstoffen (statt Aluminium) effizienter.

Fondshaus verkauft A380 in Teilen

Dr. Peters versuchte das Flugzeug an andere Airlines zu verleasen – ohne Erfolg. Daher entschloss sich das Fondshaus im Juni 2018, die wichtigsten Teile einzeln zu veräußern. „Seit dem Start des Komponentenverkaufs im Dezember 2018 konnten bereits mehr als 500 Teile veräußert werden – beispielsweise die Fahrwerke sowie wesentliche Teile der Kabine und der Bordcomputer“, sagte Podwojewski.

Durch die Verkäufe seien mehr als 35 Millionen US-Dollar (gut 31 Millionen Euro) erlöst worden, die Fondsgesellschaften seien entschuldet. Die Triebwerke konnten an Rolls-Royce verleast werden, jede Fondsgesellschaft bekäme daraus monatliche Einnahmen von rund 480.000 US-Dollar.

Gebrauchtmarkt für den A380 ist kaum vorhanden

Singapore Airlines gab dem Dortmunder Fondshaus noch zwei weitere A380 zurück, die durch den Fonds DS 131 finanziert wurden. Einnahmen erzielt auch dieser Fonds derzeit nur über das Verleasen von Triebwerken, ebenfalls von rund 480.000 Dollar pro Flugzeug. Die Maschinen an sich inklusive Instrumenten und Kabine stehen in Tarbes. „Es wird weiterhin eine Anschlusslösung für die beiden Maschinen angestrebt“, sagte Podwojewski.

Dass sich eine Airline findet, die die Maschinen in ihre Flotten nimmt, wird in der Branche allerdings als schwierig eingeschätzt. Bisher griff als einzige Airline Hi Fly zu und übernahm im Sommer 2018 einen A380 – auch er flog früher für Singapore Airlines und gehört dem Fondsanbieter Doric.

Wet-Leasing – was das bedeutet

Die Portugiesen vermarkten die Maschine im Wet-lease-Verfahren, also inklusive Crew, Wartung und Versicherung an andere Fluggesellschaften. Eine für das vergangene Frühjahr geplante Aufstockung meldete Hi Fly bisher nicht. Der Markt für gebrauchte A380 gilt als tot – denn auch weitere Fluggesellschaften nehmen den Riesen-Airbus aus ihrer Flotte.

Airbus kauft sechs A380 von Lufthansa

Im vergangenen März kündigte die Lufthansa an, sechs Maschinen auszumustern. Die A380 sollen 2022 und 2023 aus dem Liniendienst ausscheren. Die Kranich-Linie fand einen überraschenden Käufer. Airbus will die Flugzeuge zurücknehmen. Eine Kaufsumme wurde nicht genannt. Im Gegenzug kaufte Lufthansa allerdings 20 A350 beim Flugzeugbauer. Was Airbus mit den Maschinen vorhat, bleibt offen. „Wir behandeln unsere Kundenvereinbarungen vertraulich“, sagte Airbus-Sprecherin Martina Jürgens.

Lufthansa: A380 fliegt dahin, wo es sinnvoll ist

Die Lufthansa stationiert ihre insgesamt 14 Maschinen im kommenden Sommerflugplan je zur Hälfte an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München. Von Frankfurt sollen die Ziele New York (John F. Kennedy Airport), Houston, Miami (alle USA), Shanghai (China) und Singapur angeflogen werden. Von München aus soll es nach Boston, San Francisco, Los Angeles (USA), Peking und Shanghai (beide China) gehen.

Was nach der Ausflottung der sechs Exemplare passiert, ist offen. Der Einsatz der restlichen acht A380 werde dann danach entschieden, wo es wirtschaftlich am sinnvollsten ist, sagte eine Lufthansa-Sprecherin auf Abendblatt-Anfrage.

Emirates will „bis 2022“ letzten A380 erhalten

Der mit Abstand größte A380-Kunde ist Emirates. Die arabische Fluglinie betreibt derzeit 115 Maschinen. Bestellt sind 123 Stück (siehe Tabelle oben). Emirates hatte Anfang 2018 das Programm zunächst am Leben gelassen, indem 20 weitere A380 bestellt wurden. Ein Jahr später wurde die Order storniert. Der Todesstoß für den A380.

Stattdessen sollen nun A350 gekauft werden. „Die noch auszuliefernden acht A380 werden bis 2022 an Emirates ausgeliefert“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Die Airline aus Dubai ist neben der japanischen All Nippon Airways das einzige Unternehmen, das noch A380 erhält.

Hamburger Airbus-Werk reagiert

Im Hamburger Airbus-Werk mit seinen 14.700 Mitarbeitern gab es wegen des Rückfahrens der A380-Fertigungsrate in den vergangenen Jahren schon erste Anpassungen. Es sind Flächen freigeworden, die für den Verkaufsschlager A320-Familie genutzt werden. Beispielsweise für die vierte Endmontagelinie und die neue Strukturmontage. Zwar seien schon Mitarbeiter aus der A380-Fertigung in andere Bereiche übernommen worden, weitere Veränderungen gibt es aber noch nicht: „Die Produktion für die noch auszuliefernden A380 läuft regulär weiter“, sagte Airbus-Sprecherin Jürgens.

Qantas erneuert Kabinen in ihren Maschinen

Emirates-Präsident Tim Clark sagte dem Branchenportal Aero im November, dass zwei A380 in diesem Jahr aus der Flotte genommen werden sollen. Die Zahl der Maschinen solle zwar sinken, könnten aber bei bald nötigen Fahrwerksüberholungen als Ersatz verwendet werden. Am Ende dieses Jahrzehnts würde es immer noch 90 oder vielleicht 100 A380 sein. Und man werde „sie bis in die frühen 2030er Jahre fliegen“, sagte Clark Aero.

Weiter auf den A380 setzen will auch Qantas. Die australische Airline steckt derzeit ein „Multimillionen Dollar Budget“ in den Kabinenumbau ihrer zwölf A380. Neun Maschinen davon rüsten die Elbe Flugzeugwerke um, eine Gemeinschaftsfirma von Airbus und ST Engineering aus Singapur. Der komplette Umbau des Oberdecks und die Modifikation des Hauptdecks ermögliche eine durchdachte Raumnutzung mit neuen Sitzen, hieß es. Die Passagiere würden spürbar mehr Komfort erhalten. Bis Ende 2020 soll die Modernisierung der A380-Flotte abgeschlossen sein.

Air France gibt ersten Riesen-Airbus zurück

Viele der insgesamt 15 Betreiber haben sich noch nicht klar geäußert, was sie mit ihrer A380-Flotte vorhaben. Malaysia Airlines versuchte mehrfach ihre sechs Stück zu verkaufen, fand keine Abnehmer und setzt sie seit zwei Jahren nicht mehr im Linien-, sondern im Charterflug ein. Zum Beispiel, um Pilger nach Mekka (Saudi-Arabien) zu bringen.

Qatar Airways will ihre zehn Maschinen nach Ablauf der zehn Jahre laufenden Leasingverträge ausmustern. Air France kündigte im Sommer an, nach und nach alle zehn A380 in der Flotte stillzulegen. Abgeschlossen soll das 2023 oder 2024 sein.

Air France gibt A380 "nackt" ab

Der Anfang machte die französische Airline bereits. An Silvester flog die Seriennummer 040 von Shanghai nach Paris ihren letzten Linienflug. Zwei Tage später ging es im nackten weißen Kleid (die Air-France-Lackierung ist ab) nach Dresden. Dort wird sie nun aufbereitet, um sie ihrem Leasinggeber zurückzugeben. Es ist das Dortmunder Fondshaus Dr. Peters. Im Februar soll es die Maschine erhalten.

Ihre Zukunft ist offen. „Wir stehen in engem Kontakt mit verschiedenen Marktteilnehmern und prüfen derzeit alle Optionen für eine Anschlusslösung“, sagte Dr. Peters-Sprecher Podwojewski. „Dabei liegt unser Fokus darauf, im Sinne unserer Anleger das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.“

Wie viel Geld Anleger zurückerhalten, ist offen

Wie viel das sein, ist offen. Als Dr. Peters im Sommer 2018 die Zerlegung – vulgo Verschrottung – der ersten beiden A380 ankündigte, ging das Fondshaus davon aus, dass Anleger der Fonds DS 129 und 130 jeweils zwischen 145 und 155 Prozent ihres Einsatzes zurückhalten. Zwar deutlicher weniger als im Prospekt vorgesehen, aber immerhin mit Gewinn.

Ob die revidierte Prognose für die beiden ehemaligen Singapore Airlines-Jets gehalten werden kann, ist aber fraglich. Der zu erwartende Kapitalrückfluss lasse sich nicht eindeutig prognostizieren, sagte Podwojewski: „Wir müssen feststellen, dass es seit dem von Airbus kommunizierten Produktionsstopp deutlich herausfordernder geworden ist, gebrauchte A380 zu vermarkten.“

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