Hamburg

Wo Airbus und Lufthansa Technik in die Zukunft blicken

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Wolfgang Horch
Airbus: Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung

Airbus: Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung

Foto: Michael Rauhe

Mehr Platz für die Jets von morgen – bis zu 400 neue Jobs. Hamburg plant Vergrößerung des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung.

Hamburg. Blaue Lichter und gelbe Markierungen weisen den Weg. Man fühlt sich an eine Landebahn auf Flughäfen erinnert, wenn man auf den Parkplatz des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) auf Finkenwerder einbiegt. Ein Teil dieser Autoabstellplätze könnte aber bald wegfallen. Denn das ZAL soll vergrößert werden.

Anfang Dezember hatte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) im Abendblatt-Interview das Vorhaben angekündigt – nun gibt es erste Details. Es werde eine Erweiterung des ZAL Tech Centers um insgesamt 17.000 Quadratmeter geplant, teilte die Wirtschaftsbehörde auf Anfrage mit. „Das ZAL ist ein einzigartiges Projekt, um das uns inzwischen die gesamte Luftfahrtwelt beneidet“, sagte Westhagemann. Hamburg ist weltweit der drittgrößte Standort für den zivilen Flugzeugbau.

Hamburger Airbus-Nachbar: Das ZAL wurde 2016 eröffnet

„Start-ups haben hier das ,Laufen‘ gelernt im Gleichschritt mit großen eta­blierten Unternehmen“, so Westhagemann. Die Stadt ist neben Airbus und Lufthansa Technik, die alle jeweils 20 Prozent der Anteile halten, der größte Gesellschafter der Forschungseinrichtung, die im März 2016 eröffnet wurde. Die Investitionssumme lag damals bei knapp 100 Millionen Euro, die durch Mietzahlungen wieder reingeholt werden soll.

Welche Anteilseigner wie viel Geld in die Erweiterung stecken, stehe noch nicht fest, hieß es. Klar ist, dass nach dem vom Senat beschlossenen Grundsatz des kostenstabilen Bauens vorgegangen werden soll. „Hier wird geforscht, getüftelt, entwickelt für die Luftfahrt der Zukunft made in Hamburg. Besser können wir Mittel nicht investieren als in die Erweiterung dieses TechCenters“, sagte Westhagemann.

An zwei Stellen wird gebaut

Geplant ist die Vergrößerung an zwei Stellen. Zum einen soll das bestehende ZAL, das derzeit über 26.000 Quadratmeter verfügt und vollvermietet ist, um 7000 Quadratmeter vergrößert werden (Projektname ZAL 2). Dafür wird der linke Flügel des Gebäudes nach vorn zur Straße Hein-Saß-Weg verlängert – wo jetzt Parkplätze sind. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) will dort 3000 zusätzliche Quadratmeter beziehen.

Vor zwei Jahren eröffnete das DLR die Institute für Instandhaltung und Modifikation sowie für Systemarchitekturen in der Luftfahrt dort. Für deren Aufbau braucht das DLR nun Platz.

Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite soll ein Neubau entstehen mit 10.000 Quadratmetern (Projektname ZAL 3). Möglichst 2023 soll die Vergrößerung fertig sein. „Neben Hallen und Laboren bieten ZAL 2 und 3 Coworking Spaces und Start-up-Räume“, sagte ZAL-Geschäftsführer Roland Gerhards. Zudem seien Flächen zur Bearbeitung gemeinsamer Projekte, beispielsweise aus dem Luftfahrtforschungsprogramm des Bundes, vorgesehen. Derzeit verfügt das ZAL über rund 600 Arbeitsplätze. Nach einer Schätzung könnten 300 bis 400 Arbeitsplätze hinzukommen.

Bisher sind mehr als 30 Firmen dort tätig

„Das ZAL erweitert sich zum Innovation Hub“, sagte Gerhards: „Es wächst Richtung Zukunft.“ Bisher sind mehr als 30 Firmen in der Einrichtung tätig. Das Spitzencluster Hamburg Aviation bündele erfolgreich verschiedene Partner in der Hansestadt, sagte Hamburg Aviation-Geschäftsführer Franz Josef Kirschfink: „Und dies gelingt vor allem durch Teamwork zu aktuellen Themen der Branche.“

So werde zu Wasserstoff als Energielieferant, akustischen Verbesserungen für Passagiere und nachhaltigem Ressourcenschutz geforscht.

Mobilitätskonzept für Finkenwerder soll erstellt werden

Eines ist der Wirtschafts- und Verkehrsbehörde allerdings wichtig. Noch in diesem Halbjahr soll für Finkenwerder ein Mobilitätskonzept erstellt werden, weil der Stadtteil ohnehin schon stark unter dem Durchgangsverkehr leidet – insbesondere vom Airbus-Werksverkehr. Mit dem Abriss des ehemaligen Hochhauses der Deutschen Werft und dem anschließenden Neubau eines 50 Meter hohen Hauses stehen benachbart weitere Infrastrukturvorhaben an, deren Auswirkungen überprüft werden sollen.

Ein dichterer Fährtakt und neben der geplanten StadtRad-Station am Fähranleger Finkenwerder eine weitere auf der Rüschhalbinsel gelten als Optionen.

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