Lebensmittel

Warnung: Rückrufe von Hanfblättern, Fruchtriegeln und Lachs

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Beate Kranz
Warnung: Die Kräuter „Hanfblätter und -Blüten“ der Firma Ökotopia  enthalten zu viel des berauschenden Hanfstoffs THC. Das Produkt wird aus dem Handel zurückgerufen.

Warnung: Die Kräuter „Hanfblätter und -Blüten“ der Firma Ökotopia enthalten zu viel des berauschenden Hanfstoffs THC. Das Produkt wird aus dem Handel zurückgerufen.

Foto: Oliver Berg / dpa

Die Warnungen vor verunreinigten Lebensmitteln gehen auch 2020 weiter. Warum die Beanstandungen jetzt auf ein Rekordhoch kletterten.

Berlin. Die Beanstandungen von Lebensmitteln gehen auch im neuen Jahr weiter. Aktuell hat die Berliner Firma Ökotopia ihre „Hanfblättern und -Blüten“ zurückgerufen. Der Grund: Die Kräuter hätten einen zu hohen THC-Gehalt - THC (Tetrahydrocannabiol) wird die berauschende Wirkung von Hanf zugesprochen.

Betroffen sind die Packungen mit der Kennzeichnung Art. 24403 und 24405, die eigentlich bis zum 17. März 2022 bzw. 16. April 2022 haltbar wären. Dies meldet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf seiner Internetseite „lebensmittelwarnung.de“.

Es nicht die einzige Warnung: Wegen eines falschen Verbrauchsdatums auf der Packung warnt die Behörde zudem vor dem Verzehr eines Wildlachs-Produkts, das an Bioläden ausgeliefert wurde. Das Produkt „Youkon Wildlachs Wild & Red“ stammt von dem Großhändler Weiling aus Coesfeld.

Fälschlicherweise sei das Datum 8.3.2020 aufgedruckt worden und nicht der 8.1.2020, teilte die Behörde mit. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Packungen für Weihnachten und Silvester gekauft und der Lachs da auch gegessen wurde“, sagte ein Unternehmenssprecher. Falls nicht, können betroffene Kunden das Produkt zurückgeben und erhalten den Kaufpreis zurück.

Zudem ruft die Lübecker Firma Lubs die Fruchtriegel Mandel-Vanille und Banane-Mandel zurück, da die dafür verwendeten Feigen erhöhte Schimmelpilzgifte enthalten könnten. Der erhöhte OTA-Gehalt könnte bei stark erhöhter Langzeitaufnahme nierenschädigend und karzinogen wirken. Auch diese Produkte können gegen Geld zurückerstattet werden.

Zahl der Lebensmittelwarnungen 2019 auf Rekordhoch

Beanstandungen zählen in Deutschland fast schon zum Alltag. So hat die Zahl der Lebensmittelwarnungen 2019 ein neues Rekordhoch erreicht. Insgesamt wurden 198 Lebensmittelprodukte beanstandet – also zwölf mehr als im Vorjahr. Dies geht aus den Jahreszahlen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 gab es nur 100 Warnungen.

Die häufigste Ursache für die Warnungen waren vor allem mikrobiologische Kontaminationen – durch Keime, Viren oder Bakterien (insgesamt 73 Fälle). Auf Platz zwei der Gründe landen Fremdkörper, die bei der Produktion in die Produkte gelangten (63). Dies können Teilchen aus Plastik, Metall, Glassplitter oder andere Stoffe sein.

Unzulässige Inhaltsstoffe wie Mandeln können für Allergiker gefährlich werden

Manchmal landen aber auch unzulässige Inhaltsstoffe in Produkten (31) – wie Blausäure in Salz – oder beispielsweise eine falsche Verpackung um das Produkt. So wurde eine Mandelkrokant-Schokolade als Tafel Edelvollmilch etikettiert. Insbesondere für Allergiker, die auf Mandeln reagieren, kann der Verzehr unangenehm sein.

Bei den meisten Beanstandungen handelt es sich nach der Erhebung des BVL um Fleisch, Wild, Geflügel sowie um Erzeugnisse daraus (53). In 30 Fällen waren Milch oder Milchprodukte betroffen. Aber auch in Obst und Gemüse wurden zwölf Unregelmäßigkeiten beanstandet, wegen Nüssen und Knabberwaren gab es elf Warnungen.

Verbraucherschützer fordern Reform der Lebensmittelüberwachung

Suppen, Brühen und Saucen wurden acht Mal beanstandet. Bei alkoholfreien Getränken schlossen die Deckel nicht dicht. Bei Alkohol gab es fünf Beanstandungen - zum Beispiel landeten Reste von Reinigungsmitteln im Bier. Eier und Eis wurden je fünf Mal beanstandet.

Diese Lebensmittel werden am häufigsten zurückgerufen
Diese Lebensmittel werden am häufigsten zurückgerufen

Um Skandale künftig zu verhindern, muss die Lebensmittelüberwachung und die Art und Weise, wie sie Verbraucher informiert, grundlegend reformiert werden, ist Anne Markwardt, Leiterin Bereich Lebensmittel Verbraucherzentrale Bundesverband, überzeugt. Die Verantwortung für die Überwachung müsse auf Länderebene verlagert werden.

Im Krisenfall soll der Bund die Verantwortung übernehmen

„Im Krisenfall muss der Bund die Koordinierung und Verantwortung übernehmen. Die kommunale Lebensmittelüberwachung ist bei komplexen Lieferketten nicht mehr zeitgemäß.“ Der Handel müsse zudem verpflichtet werden, Rückrufe auszuhängen, um Verbraucher besser zu erreichen. Außerdem sei eine grundlegende Überarbeitung der Internetseite „lebensmittelwarnung.de“ notwendig.

„Ob der Anstieg der Warnungen auf mehr Verunreinigungen zurückzuführen ist oder ob die Unternehmen mittlerweile eher einen Rückruf durchführen, lässt sich nicht genau sagen“, meint die Foodwatch-Pressesprecherin Sarah Häuser. Die Meldeseite der Behörde hält die Verbraucherorganisation für dringend erneuerungsbedürftig: Das Portal ist unübersichtlich und informiert oft verzögert. Es müsste einen Newsletter mit allen neuen Warnungen geben, den sich alle Verbraucher abonnieren können.“ Foodwatch warnt zudem vor Reduzierung der Lebensmittelkontrollen.

Aldi-Nord, Edeka, Lidl und Rewe zum Jahresende nochmal betroffen

Zum Jahresende 2019 hat es noch mal die großen Handelsketten getroffen: Bei Aldi Nord waren Gourmet-Datteln vereinzelt mit Schimmel befallen. Bei Lidl wurden E.-Coli-Bakterien in Brie-Käse entdeckt, die Durchfall auslösen können. Bei Edeka gelangten in den Bio-Sprossenmix Asia vom Hersteller offenbar Salmonellen. Und bei Rewe enthielten einige Mandelpackungen metallische Fremdkörper.

Alle Beanstandungen haben eines gemein: Sie wurden auf der amtlichen Internetseite lebensmittelwarnung.de aufgelistet, wo die zuständigen Bun­desländer Verunreinigungen von Lebensmitteln melden müssen. In der Regel werden die betroffenen Produkte nach Hinweisen der Hersteller rechtzeitig von den Supermärkten und Discountern aus dem Verkauf genommen, um die Verbraucher vor dem Verzehr zu schützen.

Extremfall Wilke: Wurstprodukte waren mit Listerien belastet

Doch es gibt auch andere Fälle – wie bei Wilke. Der hessische Wursthersteller hatte im vergangenen Jahr Wurstwaren, die mit Listerien verschmutzt waren, offenbar bundesweit an Wursttheken von Krankenhäusern oder an Supermärkte geliefert, wo die Verseuchung erst bekannt wurde, als bereits mehrere Konsumenten am Verzehr der Produkte erkrankt waren – oder sogar als Folgewirkung ihr Leben lassen mussten. Trotz regelmäßiger Kontrollen bei den Herstellern gibt es in Deutschland offenbar nicht immer die Hygiene, die man sich wünscht.

Lebensmittelwarnungen – Mehr zum Thema

Bereits bis zum November lagen die Beschwerden über Verunreinigungen bei 183 und es zeichnete sich das Rekordniveau ab. Seit Jahren kämpft die Verbraucherorganisation Foodwatch schon für mehr Transparenz bei Lebensmitteln. Foodwatch kritisiert, dass die Lebensmittelbehörden „katastrophal unterbesetzt“ sind.

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