Geldanlage

Comdirect verlangt Strafzins als erste Direktbank

Arno Walter ist Vorstandsvorsitzender der  Comdirect Bank, die jetzt von vermögenden Kunden Strafzinsen verlangen will.

Arno Walter ist Vorstandsvorsitzender der Comdirect Bank, die jetzt von vermögenden Kunden Strafzinsen verlangen will.

Foto: Marcelo Hernandez

Welche Kunden betroffen sind, was die anderen Direktbanken planen. 57 Geldinstitute verlangen bereits Strafzinsen von Privatkunden.

Hamburg. Die erste große Direktbank in Deutschland verlangt von ihren Kunden jetzt Negativzinsen. So fordert die Comdirect Bank in Quickborn ihre vermögenden Privatkunden auf, eine Zusatzvereinbarung zu unterschreiben. Sie ermöglicht es der Bank, ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,5 Prozent für Einlagen über 250.000 Euro zu erheben. „Wir haben die entsprechenden Kunden angeschrieben“, bestätigt Pressesprecher Geerd Lukaßen. Betroffen seien etwa 300 Kunden. „Es gibt keinen Automatismus, wir suchen individuelle Lösungen“, sagt Lukaßen.

Der geplante Strafzins von minus 0,5 Prozent soll ab 1. Januar erhoben werden. Entscheidend ist die Gesamtsumme der Einlagen, die sich auf bis zu drei Konten verteilen können. Wer sein Guthaben von zum Beispiel 300.000 Euro im Jahr 2020 unverändert lässt, hat am Jahresende dann 1500 Euro weniger auf dem Konto. „Wir wollen ein Verwahrentgelt im breiten Privatkundengeschäft weiterhin vermeiden. Daher haben wir uns bewusst dafür entschieden, ein solches Entgelt nur individuell mit ausgewählten Bestandskunden zu vereinbaren“, sagt Lukaßen.

Andere große Direktbanken halten sich noch zurück

Im September war der Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB) von minus 0,4 Prozent auf minus 0,5 Prozent erhöht worden, was es für Geschäftsbanken teurer macht, überschüssige Liquidität bei der Zentralbank zu parken. Erstmals hatte die EZB den Geschäftsbanken im Jahr 2014 Minuszinsen berechnet. Die erste Direktbank, die die Strafzinsen an ihre Kunden weitergegeben hat, war die Ethikbank. Bei dem Geldinstitut wird bei hohen Einlagen nach individuellen Vereinbarungen ein Strafzins von minus 0,40 Prozent verlangt.

Die anderen Direktbanken halten sich bei der Erhebung von Strafzinsen noch zurück, wie eine Umfrage des Abendblatts zeigt. „Wir planen keine Einführung von Negativzinsen für unsere Sparer“, sagt Alexander Baumgart von der ING. „Aber wir bereiten uns auf alle Szenarien vor.“ Auch bei Consors und der DKB Bank gibt es aktuelle keine Planungen, um Kunden mit Strafzinsen zu belasten. Aber alle Institute beobachten aufmerksam den Markt. „Keiner möchte der letzte sein, der seine Kunden verschont, weil er dann mit Geldern überschüttet wird“, sagt ein Bankmanager.

In Hamburg verlangen Haspa und Volksbank Hamburg Strafzinsen

Nach Erhebungen des Vergleichsportals Biallo verlangen bundesweit inzwischen 57 Geldinstitute Strafzinsen von Privatkunden. Die VR-Bank Fürstenfeldbruck verlangt von Neukunden bereits vom ersten Euro Strafzinsen. In Hamburg kassieren die Haspa und die Hamburger Volksbank Strafzinsen von vermögenden Privatbanken. Bei der Haspa liegt die Grenze bei 500.000 Euro und bei der Volksbank bei einer Million Euro. Im Geschäftskundenbereich sind es sogar 147 Institute, die hohe Kundeneinlagen mit Strafzinsen belegen.

Die angestrebte Komplettübernahme ihrer Online-Tochter Comdirect erweist sich für die Commerzbank als zähes Unterfangen. Bislang bekam der Frankfurter MDax-Konzern im Rahmen seines Übernahmeangebots nur 0,24 Prozent der Comdirect-Anteile angedient. Die Frist läuft an diesem Freitag 24 Uhr ab. Die Commerzbank bietet 11,44 Euro je Anteilsschein.