Commerzbank-Übernahme

Comdirect aus Quickborn erwartet höheren Jahresgewinn

Arno Walter, Jahrgang 1967, ist seit März 2015 Vorstandsvorsitzender der comdirect bank AG. Comdirect über computergestützte Anlageberatung ("Anlage-Roboter" oder "Robo-Advisor").

Arno Walter, Jahrgang 1967, ist seit März 2015 Vorstandsvorsitzender der comdirect bank AG. Comdirect über computergestützte Anlageberatung ("Anlage-Roboter" oder "Robo-Advisor").

Foto: Marcelo Hernandez

Die Aktie der Schleswig-Holsteiner Firma steigt – die Übernahme wird für die Commerzbank teurer.

Hamburg.  Kurz vor der geplanten Übernahme durch die Commerzbank schraubt die Comdirect ihre Prognose nach oben. Die Commerzbank-Tochter rechnet nun für 2018 mit einem Gewinn vor Steuern von 185 Millionen Euro, wie die Onlinebank am Dienstag mitteilte. Bisher hatte sie 170 Millionen in Aussicht gestellt.

Nach neun Monaten hat Comdirect bereits einen Gewinn vor Steuern von rund 175 Millionen Euro in der Tasche. Dazu trug neben dem operativen Geschäft auch der Verkauf der Tochter
ebase, einer Fonds- und Vertriebsplattform mit Sitz in Aschheim bei München, bei. Seit dem angekündigten Verkauf von ebase Mitte 2018 habe man verstärkt in Wachstum investiert, sagte Arno Walter, der Vorstandsvorsitzende von Com­direct. „Dies zeigt sich nun im dritten Quartal in einem deutlich verbesserten Ergebnis“, so Walter. „Auch das Kundenwachstum lag im dritten Quartal mit 46.000 Neukunden weiterhin auf einem hohen Niveau.“ Per Ende September habe Comdirect 2,7 Millionen Kunden.

Aktie legt leicht zu

Die Aktie der Quickborner Direktbank legte nach der Prognoseerhöhung leicht auf 12,04 Euro zu, die Commerzbank-Aktie notierte vier Prozent im Minus bei 4,70 Euro. Das könnte für die Commerzbank noch zum Problem werden. Schließlich will Deutschlands zweitgrößte Privatbank die Comdirect komplett übernehmen, um noch stärker auf das Online- und Smartphone-Banking setzen. Zudem erhofft sie sich von der Komplettübernahme hohe Einsparungen. Den Minderheitsaktionären hat sie deshalb eine Übernahmeofferte von 11,44 Euro je Comdirect-Aktie in Aussicht gestellt. Ein Nachbessern des Angebots hat die Commerzbank ausgeschlossen.

Langwierigen Prozess vermeiden

Wenn sie mit ihrem Übernahmeangebot nicht genügend Aktien einsammelt, will sie stattdessen ihre Mehrheit von 82 Prozent nutzen, um eine Verschmelzung der beiden Institute durchzudrücken. Dann erhielten die Com­direct-Aktionäre Commerzbank-Aktien für ihre Anteile, das Umtauschverhältnis würde gutachterlich festgelegt. Diesen langwierigen Prozess will das Geldhaus aber nach Möglichkeit vermeiden.