Finanzwirtschaft

Comdirect-Chefs gehen auf Distanz zur Commerzbank

Commerzbank-Chef Martin Zielke will die Comdirect komplett übernehmen.

Commerzbank-Chef Martin Zielke will die Comdirect komplett übernehmen.

Foto: dpa

Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen Übernahmeangebot – aber nur einem Teil der Aktionäre.

Hamburg.  Vorstand und Aufsichtsrat der Quickborner Direktbank Comdirect empfehlen nur einem Teil ihrer Aktionäre die Commerzbank-Offerte zur Komplettübernahme des Instituts. Die Gremien rieten in ihrer begründeten Stellungnahme am Mittwoch nur den an kurzfristigen und sicheren Gewinnen orientierten Comdirect-Aktionären zur Annahme des Angebots. Der Preis von 11,44 Euro je Aktie sei angemessen. Für langfristig orientierte Anleger gebe es allerdings zu wenige Informationen, um eine Empfehlung abzugeben. Derzeit sei nicht zu beurteilen, welche strategische Ausrichtung die Comdirect gemeinsam mit der Commerzbank erhalten werde. Die Beschlüsse von Vorstand und Aufsichtsrat seien einstimmig gefallen.

Die Commerzbank, die bereits 82 Prozent an der Direktbank hält, will die Comdirect komplett schlucken. Die Offerte läuft noch bis zum 6. Dezember und steht unter der Voraussetzung, dass die Commerzbank dann 90 Prozent der Comdirect-Aktien besitzt. Dann kann sie die restlichen Aktionäre zwangsabfinden und herausdrängen. Konzernchef Martin Zielke rührte die Trommel für die Übernahmeofferte. „Jetzt ist die richtige Zeit, um unser Angebot anzunehmen“, erklärte er.

Commerzbank will stärker auf Onlinebanking setzen

Ob das Frankfurter Geldhaus am Ende Erfolg hat, ist jedoch fraglich: Zwar bietet die Commerzbank mit 11,44 Euro einen Aufschlag von 25 Prozent auf den Aktienkurs vor Bekanntwerden der Übernahmepläne im September, doch mit 13,40 Euro notiert die Comdirect-Aktie derzeit deutlich über dem Angebotspreis. Zudem hat der Investor Petrus Advisers, der sich gegen eine Übernahme zu den aktuellen Konditionen stellt, vor wenigen Tagen seine Beteiligung auf gut fünf Prozent aufgestockt.

Mithilfe der Comdirect will die Commerzbank stärker aufs Onlinebanking setzen. Zudem verspricht sie sich 150 Millionen Euro an Einsparungen, da IT-Lösungen nicht mehr doppelt entwickelt werden müssen. Die Commerzbank hat klargemacht, dass auch bei der Comdirect Stellen gestrichen werden. In der Angebotsunterlage äußern sich die Frankfurter aber nicht dazu, wie viele Jobs betroffen wären.