Streik

Am Freitag fallen in Hamburg mehr als 60 Lufthansa-Flüge aus

Auch in Hamburg fallen wegen des Streiks des Kabinenpersonals diverse Lufthansa-Flüge aus.

Auch in Hamburg fallen wegen des Streiks des Kabinenpersonals diverse Lufthansa-Flüge aus.

Foto: Bodo Marks / dpa

Lufthansa-Konzern bricht Gewinn weg, Hunderte Flüge fallen aus. Lufthansa Technik erhöht hingegen Umsatzprognose.

Hamburg.  Der 7. November war für Lufthansa-Chef Carsten Spohr kein guter Tag. Ab etwa 6 Uhr fielen rund 700 der weltweit geplanten 1100 Flüge der Hauptmarke wegen des Streiks der Flugbegleiter aus. Um 7 Uhr meldete der Konzern fast eine Halbierung des Gewinns. Und um 9 Uhr musste Spohr einen Schritt machen, den er bisher kategorisch abgelehnt hatte: Die Lufthansa will nun wieder mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO reden. Ziel sei es, „im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter die gestern von der Ufo angebotene Schlichtung zu vereinbaren“, sagte Spohr am Donnerstag.

Der geplante 48-Stunden-Streik der Stewards und Stewardessen hat offenbar Wirkung gezeigt. Am Donnerstag fielen am Hamburger Airport alle 16 geplanten Starts nach und Landungen aus Frankfurt aus. Auch am Freitag wird das größte deutsche Drehkreuz nicht mit Fuhlsbüttel verbunden, erneut fallen 32 Flüge aus. Von und nach München sind am Donnerstag jeweils 12 von 19 Ankünften und Abflügen ausgefallen, am Freitag sollen es je 17 Ankünfte und Abflüge sein.

UFO nimmt Angebot der Lufthansa zu Gesprächen an

Der Konzern weigerte sich bisher, den Vorstand der durch interne Querelen geschwächten Gewerkschaft als vertretungsberechtigt anzuerkennen. Entsprechend zurückhaltend äußerte sich UFO nun. Man nehme das Angebot der Lufthansa zu Gesprächen am Wochenende an und werde danach entscheiden, ob man in konkrete Schlichtungsverhandlungen trete, sagte ein UFO-Sprecher. Immerhin verzichtet die Gewerkschaft so lange auf eine Ausweitung der Streiks auf andere Airlines der Gruppe oder eine Verlängerung des Streiks bei der Lufthansa über Freitag 24 Uhr hinaus.

Der Konzern meldete für die ersten neun Monate ein Umsatzplus von drei Prozent auf 27,7 Milliarden Euro. Unterm Strich wurde mit 1,04 Milliarden Euro allerdings 43 Prozent weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Gestiegene Treibstoffkosten und der Preiskampf in Europa trugen dazu bei. Den Töchtern Austrian und Brussels Airlines sowie der Frachtsparte Cargo wurden Sparprogramme verordnet.

Lufthansa Technik – Nachfrage sehr hoch

Sehr gut läuft es hingegen bei Lufthansa Technik mit Sitz in Hamburg. Die Umsatzprognose wurde von einem Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich auf einen niedrigen zweistelligen Bereich angehoben. In den ersten neun Monaten stiegen die Erlöse des Reparatur-, Wartungs- und Überholungsspezialisten um 14 Prozent auf 5,15 Milliarden Euro.

„Die Nachfrage ist sehr hoch – und das gilt quer durch alle Bereiche“, sagte Lufthansa-Technik-Sprecher Jens Krüger dem Abendblatt. Die Gewinngröße Ebit stieg um zehn Prozent auf 371 Millionen Euro. Das sei ein Ergebnis der Anstrengungen der vergangenen Jahre mit flexibleren Arbeitszeitmodellen, Veränderungen im Triebwerksbereich und auch dem umstrittenen Aus für die Flugzeugüberholung in Hamburg. Die Gewinnmarge soll wie geplant zwischen sieben und acht Prozent liegen.

Neue Hydraulikwerkstatt in Hamburg

Sie würde noch höher ausfallen, wenn das Unternehmen weniger Geld in die Zukunftsfähigkeit stecken würde. Die Investitionen stiegen um 42 Prozent auf 233 Millionen Euro. Werkzeuge, Ersatzteile und Reservetriebwerke wurden angeschafft. Zwei neue Triebwerkwartungsstandorte werden in Polen aufgebaut. Am Hauptsitz in Hamburg entsteht für 40 Millionen Euro eine moderne Hydraulikwerkstatt.

Auch die Kosten für das Personal steigen weiter – weil es kräftig aufgestockt wurde. Ende September zählte das Unternehmen 26.312 Mitarbeiter, plus neun Prozent. „Es gab in allen Bereichen Einstellungen und an allen Standorten“, sagte Krüger: „Auch in Hamburg ist die Tendenz weiter steigend.“ Eine dreistellige Zahl an Beschäftigten sei hinzu gekommen. Eingestellt wurden vor allem Fluggerätmechaniker und Techniker. Im Sommer waren es 8800 Beschäftigte in der Hansestadt, eine aktuelle Gesamtzahl nannte Krüger nicht.

Viele Flugausfälle in Hannover und Bremen

An den Flughäfen in Hannover und Bremen sollen am Freitag fast alle Flüge der Airline ausfallen. Am Airport Hannover werden am Freitag voraussichtlich nur 2 von geplanten 16 Abflügen nach Frankfurt und München durchgeführt werden können, wie eine Flughafensprecherin am Morgen mitteilte. Die Situation am Bremer Flughafen ist ähnlich. Nach Angaben einer Sprecherin wird wohl nur einer von 12 geplanten Lufthansaflügen starten können. An beiden Flughäfen sind die Verbindungen nach Frankfurt und München somit fast komplett gestrichen.