Verbraucher

Was ein Heizungstausch bringt und kostet

Das Thema Heizungstausch beschäftigt derzeit viele Verbraucher (Symbolbild).

Das Thema Heizungstausch beschäftigt derzeit viele Verbraucher (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Das Klimapaket wird Verbraucher künftig stark belasten. Neue Anlagen sind effizienter, der Einbau ist aber teuer.

Hamburg.  Heizen kann künftig teuer werden, wenn die Rechnung für Erdgas oder Heizöl durch die CO2-Abgabe – wie im Klimapaket der Bundesregierung vorgesehen – verteuert wird. Neue Heizungen sind zwar verbrauchsärmer, erfordern aber auch hohe Investitionen. Und der Einspareffekt beim CO2 bleibt überschaubar. Alternative Heizungen zu Gas und Öl sind in Bestandsobjekten schwierig umzusetzen. Was also tun? Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Heizungstausch.


Wie teuer werden die neuen Regelungen für Hausbesitzer?

Wer noch eine alte Heizung hat, verbraucht nicht nur viel an Brennstoff, sondern muss auch mit höheren zusätzlichen Kosten durch die geplante CO2-Abgabe rechnen. „Je nach Geräteart sind Heizungsanlagen nach 15 bis 20 Jahren veraltet“, sagt der Hamburger Energieberater Jan-Peter Peters. Standgeräte halten länger als die kompakten Thermen an der Wand. Peters rechnet vor: Bei einem Wärmebedarf von jährlich 35.000 Kilowattstunden (kWh) für ein Einfamilienhaus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche (Baujahr 1980) werden 10,1 Tonnen CO2 emittiert. Ab 2021 startet der CO2-Zertifikatehandel mit einem Festpreis von 10 Euro pro Tonne CO2.

Das würde zu einer zusätzlichen Belastung von 100 Euro im Jahr führen. Bis 2025 steigt der Preis auf 35 Euro pro Tonne, was die zusätzliche Belastung dann schon auf 354 Euro im Jahr bringt, wenn die Abgaben durch die Anbieter direkt auf den Gas- oder Heizölpreis umgelegt werden. Ab 2026 wird es dann einen dynamischen Zertifikatehandel mit Auktionspreisen von höchstens 60 Euro pro Tonne CO2 geben. Das sind dann schon über 600 Euro im Jahr – zusätzlich zu den Brennstoffkosten. „Es lohnt sich also über die Modernisierung der Heizung nachzudenken“, sagt Peters.


Was lässt sich gegenüber einer 20 Jahre alten Gasheizung in einem Einfamilienhaus aus dem Jahr 1980 einsparen?

„Realistisch können durch die Erneuerung der Anlage mit einem Brennwertgerät zehn bis 15 Prozent Erdgas und in gleicher Größenordnung auch CO2 eingespart werden“, sagt Klaus Schröder vom Fachverband Sanitär Heizung Klempner in Hamburg. Die Investitionen dafür belaufen sich auf 9000 bis 12.000 Euro inklusive des Einbaus. Die Belastung mit der CO2-Abgabe würde sich aber nur minimal verringern, weil nur 1,5 Tonnen CO2 eingespart werden. Beim Höchstpreis von 60 Euro je Tonne wären das 510 Euro statt 600 Euro im Jahr.


Was bringt eine Solarthermieanlage?

Eine Solarthermieanlage auf dem Dach, die Wasser durch Sonnenenergie erhitzt, kann entweder nur das Trinkwasser erwärmen oder – wenn sie größer dimensioniert wird – auch die Heizung unterstützen. „Im Schnitt sprechen wir von Einsparpotenzialen von bis zu 30 Prozent“, sagt Andreas Lücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie. Laut dem Hamburger Fachverband schlägt der Einbau aber mit 12.000 bis 14.000 Euro bei der Variante mit Heizungsunterstützung zu Buche. Wird nur das Trinkwasser erwärmt, liegen die Mehrausgaben bei rund 7500 Euro. Lücke: „In Deutschland können bei typischer Anlagendimensionierung etwa 60 Prozent des jährlichen Trinkwarmwasserbedarfs eines Einfamilienhauses durch thermische Solaranlagen erwärmt werden.“


Was ist mit Wärmepumpen?

Eine Wärmepumpe pumpt Wärme aus der Umwelt ins Haus, hebt sie auf ein höheres Temperaturniveau und macht sie so für die Heizung nutzbar. Dafür muss aber ein zusätzlicher Stromtarif abgeschlossen werden, der ein Drittel günstiger ist als der normale Haushaltsstrom. Im Prinzip funktioniert die Wärmepumpe wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Mit Luft-Wärmepumpen ist die Wärmequelle zwar leicht und überall zu erschließen, der Nachteil ist aber, dass Luft dann am kältesten ist, wenn der Wärmebedarf am höchsten ist. Die Kosten liegen für den Einbau bei 10.000 bis 14.000 Euro. Sole-Wasser-Wärmepumpen haben durch die Bohrungen ins Erdreich einen großen Erschließungsaufwand und kosten zwischen 25.000 und 35.000 Euro. Die Erdwärme ist aber als Wärmelieferant besonders geeignet.

Das ganze Jahr über liegen die Temperaturen dort zwischen sieben und 13 Grad Celsius, auch wenn die obere Erdschicht vereist ist. „Doch diese Heizungen sind nur bedingt für Bestandsobjekte geeignet, denn Voraussetzung ist eine Fußbodenheizung, die mit einer niedrigen Vorlauftemperatur (maximal 40 Grad Celsius) auskommt“, sagt Lücke. Außerdem müssten Bestandsgebäude zusätzlich gedämmt werden, um eine Wärmepumpe effektiv zu betreiben. „Der finanzielle Aufwand dafür übertrifft den der reinen Heizungsmodernisierung um ein Vielfaches. Daher kommt die Wärmepumpe zu 80 Prozent im Neubau zum Einsatz“, sagt Lücke.


Wird die Ölheizung wirklich verboten?

Es wird zwar häufig von einem Einbauverbot für neue Ölheizungen ab 2026 gesprochen, doch so absolut ist das nicht richtig. Wenn etwa ein Haus weder mit Gas noch mit Fernwärme versorgt werden kann und die Heizung auch nicht aus erneuerbaren Energien betrieben werden kann, greift das Verbot nicht. „Wenn in einem Bestandsgebäude ein Öl-Heizkessel ausgetauscht werden muss, kann ab 2026 nur dann ein neuer Öl-Heizkessel eingebaut werden, wenn die Heizung mit erneuerbaren Energien kombiniert wird“, sagt Lücke. So kann eine Ölheizung mit einer Solarthermieanlage kombiniert werden. „Sie spart im Vergleich zu einer alten Heizung 15 bis 25 Prozent an Heizöl und CO2“, sagt Schröder.


Wie verbreitet ist die Ölheizung noch?

Der Anteil der Ölheizungen in Deutschland schwankt zwischen 26,6 Prozent (Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie) und 23,5 Prozent (Statistisches Bundesamt). Im Vergleich zu 2014 ist der Anteil der Ölheizungen nur um 2,3 Prozentpunkte auf 23,5 Prozent gesunken. Nur im Neubau spielt die Ölheizung mit einem Anteil von 0,6 Prozent kaum noch eine Rolle. In Hamburg liegt der Anteil der Ölheizungen bei 10,7 Prozent. 93.000 Wohnungen in der Hansestadt werden mit Öl beheizt.


Welche Alternativen gibt es zur Ölheizung, wenn kein Gasanschluss zur Verfügung steht?

Der Fachverband Sanitär, Heizung Klempner in Hamburg verweist als Alternative auf einen Flüssiggasanschluss, mit dem eine Gas-Brennwertanlage realisiert werden kann. „Die laufenden Kosten liegen allerdings 15 bis 25 Prozent über einem Erdgas-Brennwertgerät, weil der Heizwert von Flüssiggas geringer ist als bei Erdgas und für den Flüssiggastank noch Leihgebühren hinzukommen“, sagt Schröder. Auch müsse zusätzlicher Platz für den Tank im Garten mit einem entsprechenden Abstand zum Haus eingeplant werden. „Eine Alternative kann auch eine Pelletheizung sein“, sagt Energieberater Peters. Die Holzpellets werden vollautomatisch an die Brennkammer der Pelletheizung geliefert. Innerhalb der Brennkammer werden die Pellets verbrannt und erzeugen hierdurch Wärme. „Der zusätzliche Platzbedarf für die Lagerung der Pellets ist durch die nicht mehr benötigten Öltanks gegeben“, so Peters. Die Kosten für eine solche Anlage liegen bei 10.000 bis 15.000 Euro. Wird sie mit einer solaren Trinkwassererwärmung auf dem Dach betrieben, steigen die Anschaffungskosten auf 20.000 Euro.


Welche Förderungen gibt es derzeit?

Von der KfW-Bank gibt es für die Erneuerung der Heizung einen Zuschuss von zehn Prozent der förderfähigen Kosten, maximal 5000 Euro (Programm 430). Dabei kann es sich auch um eine konventionelle Heizung ohne einen Anteil erneuerbarer Energien handeln. Wer das Geld für eine neue Heizung nicht hat, kann auch einen KfW-Kredit beanspruchen (Programm 167). Den Zinssatz von 0,78 Prozent gibt es für Pelletheizungen, Solarkollektoren, Wärmepumpen und kombinierte Heizungs­anlagen auf Basis erneuerbarer Energien und fossiler Energie­träger. Bei der Laufzeit des Kredits kann zwischen vier und zehn Jahren gewählt werden. Anders als die KfW, fördert das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nur Heizgeräte, die auf erneuerbare Energiequellen zurückgreifen. Zuschüsse gibt es dabei für Wärmepumpen, Holzheizungen oder Solaranlagen. Die Förderungen von KfW und BAFA lassen sich nicht kombinieren, doch die BAFA-Förderung kann höher ausfallen.


Welche Förderungen sind künftig zu erwarten?

Seit Jahren setzen sich Politiker und Heizungsindustrie für steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten beim Heizungstausch ein. Denn mehr als die Hälfte der Heizanlagen sind nicht mehr effizient (siehe Grafik). Künftig ist geplant, dass drei Jahre lang 20 Prozent der Investitionen in neue Heiztechnik von der Steuerschuld abzugsfähig sein sollen. Der Austausch alter Ölheizungen durch klimafreundliche Modelle wird mit einer Austauschprämie von bis zu 40 Prozent der Kosten gefördert. Der Zuschuss kann aber nicht gleichzeitig mit den Abzügen von 20 Prozent in Anspruch genommen werden.