Fluggesellschaft

Warum Ryanair seine Basis am Hamburg Airport schließt

Eine Ryanair-Maschine am Hamburg Airport.

Eine Ryanair-Maschine am Hamburg Airport.

Foto: imago/Rüdiger Wölk

Die irische Billigairline zieht stationierte Boeing-Maschinen aus der Hansestadt ab. Sieben Routen werden im Sommer gestrichen.

Hamburg. Am 1. November 2016 fand am Hamburger Flughafen ein typisches Luftfahrt-Ritual statt: Zwei Feuerwehrautos sprühten auf dem Vorfeld Wasserfontänen auf ein gerade gelandetes Flugzeug – ein Willkommensgruß für eine Boeing 737 von Ryanair. Die irische Billigfluglinie eröffnete an diesem Tag ihre Basis in Fuhlsbüttel. Zwei Maschinen inklusive Crews sind seitdem am Helmut-Schmidt-Flughafen stationiert – doch das ist bald Vergangenheit.

Ryanair zieht seine Flugzeuge aus Hamburg ab. Die irische Billigfluglinie will zum 8. Januar 2020 ihre Basis in der Hansestadt schließen. Das teilte Hamburg Airport am Mittwoch mit, nachdem er von dem Unternehmen darüber informiert wurde. „Wir bedauern, dass Ryanair zahlreiche Basen in Europa schließt und auch Hamburg davon betroffen ist“, sagte Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler.

Das irische Unternehmen stellte auf Anfrage einen Zusammenhang mit der verzögerten Auslieferung neuer Maschinen her. Die Iren fliegen ausschließlich Flugzeuge des Typs Boeing 737, um die Kosten zu senken, und leiden unter dem seit März geltenden weltweiten Flugverbot für die Max-Maschinen mit den neuen, spritsparenden Triebwerken.

Wie bereits im Juli angekündigt, „werden aufgrund der verspäteten Auslieferung von bis zu 30 Boeing-Max-Flugzeugen in diesem Winter eine Reihe von defizitären Ryanair-Basen abgebaut oder geschlossen“, teilte Ryanair mit. Das bedeutet, dass die Basis in Hamburg offenbar Verluste eingefahren hat. Man arbeite hart daran, die Auswirkungen auf Kunden und Passagiere zu minimieren und so viele Strecken wie möglich fortzusetzen, die von Flügen aus anderen Basen bedient werden, hieß es. Welche anderen Basen Ryanair schließen wird, ist offen.

Flughafen Hamburg will Ryanair-Strecken ersetzen

Eggenschwiler betonte, dass die Fluglinie „ein starker Partner von Hamburg Airport“ bleibe. Im Sommerflugplan werden von der Airline 14 Ziele ab Hamburg angeflogen. Sieben Routen werden hingegen gestrichen: Faro, Lissabon (beide Portugal), Zadar (Kroatien), Gran Canaria (Spanien), Oslo-Torp (Norwegen), Verona (Italien) und Krakau (Polen) – die beiden letztgenannten sind damit nicht mehr direkt ab Fuhlsbüttel erreichbar.

„Von den gestrichenen Verbindungen entfallen lediglich zwei Nonstop-Strecken komplett aus dem Hamburger Flugplan, alle anderen Ziele sind bei ein oder zwei weiteren Fluggesellschaften im Programm“, sagte Eggenschwiler. Man werde daran arbeiten, die Auswahl auf den entfallenen Ryanair-Strecken wieder zu erhöhen. Generell sei der Luftfahrtmarkt in Bewegung gekommen und die Fluglinien auf Konsolidierungskurs, sagte Eggenschwiler und betonte: „Hamburg ist ein starker Markt.“

Easyjet hat Basis in Hamburg 2018 geschlossen

Allerdings muss der Airport nun die zweite Basisschließung in knapp zwei Jahren verkraften. Ende März 2018 hatte der britische Ryanair-Konkurrent Easyjet seine Basis mit drei stationierten Maschinen dichtgemacht. Damals wurden zahlreiche Routen gestrichen. Standen im Sommer 2016 noch rund 30 Easyjet-Ziele im Hamburger Flugplan, sind es derzeit noch knapp ein Dutzend.

Unterdessen kündigte der Flughafen Umzüge innerhalb der Terminals an. Mehrere Fluglinien werden vorübergehend von Terminal 2 in Terminal 1 wechseln. Vom 23. Oktober an bis voraussichtlich Mitte Mai nächsten Jahres werden der Check-in und die Gepäckaufgabe für Flüge mit Aer Lingus, Iberia, Tarom, Vueling, Aegean Airlines und LOT Polish Airlines nur noch in Terminal 1 möglich sein.

Grund für die Verlegung, die in der Nacht zum 23. Oktober erfolgt, sind Bauarbeiten in Terminal 2 für die Erneuerung der Gepäckförderanlage. Nach Abschluss dieser Arbeiten sollen die Fluglinien zurück ins Terminal 2 ziehen. In der Zwischenzeit könne es wegen einer verringerten Anzahl an Check-in-Schaltern in Spitzenzeiten zu verlängerten Wartezeiten kommen.